«Für jedes Tor kriegst du eine Banane»

Bundesliga-Spieler Kevin-Prince Boateng kennt rassistische Anfeindungen aus eigener Erfahrung. Er fordert Verbände und Ligen zum Handeln auf.

Bekam schon als Kind rassistische Sprüche zu hören: Kevin-Prince Boateng (l.) mit Eintracht Frankfurt gegen 1899 Hoffenheim. (18. November 2017)

Bekam schon als Kind rassistische Sprüche zu hören: Kevin-Prince Boateng (l.) mit Eintracht Frankfurt gegen 1899 Hoffenheim. (18. November 2017) Bild: Uwe Anspach

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Kevin-Prince Boateng hat zu einem stärkeren Engagement gegen Rassismus im Profifussball aufgerufen. Der Mittelfeldspieler, der momentan bei Eintracht-Frankfurt unter Vertrag steht, will Verbände und Vereine stärker in die Pflicht nehmen. Im Interview mit dem «Jetzt»-Magazin der «Süddeutschen Zeitung» spricht Boateng offenherzig über seine eigenen Erfahrungen mit Rassismus.

Der 30-jährige Berliner hat einen ghanaischen Vater und eine deutsche Mutter. Schon als Kind sei er auf dem Fussballplatz Opfer von rassistischen Sprüchen geworden. «Als ich jung war, habe ich immer versucht, das wegzudenken, zu unterdrücken.» Er habe in jener Zeit viel geweint. Wirklich darüber gesprochen habe er damals nie.

In Sinnkrise gestürzt

Ein Vorfall ist Boateng besonders in Erinnerung geblieben. Als er bereits U-Nationalspieler war, habe ihm bei einem Hallenturnier jemand zugerufen: «Für jedes Tor kriegst du eine Banane.» Sprüche wie diese haben ihn in eine Sinnkrise gestürzt. Er sei in Deutschland geboren und spreche die Sprache. «Trotzdem haben mir solche Situationen damals das Gefühl genommen, das ich heute wieder habe: dass ich Deutscher bin, ebenso wie ich Ghanaer bin.»

Auch als Erwachsener hat Boateng Anfeindungen sowohl aus der Kurve als auch auf dem Platz erlebt. «Viele sagen: Auf dem Platz ist alles erlaubt. Aber wenn mich jemand als ‹Scheiss-Schwarzer› betitelt, ist das nicht erlaubt. Das ist Rassismus, Punkt.» Es sei ihm passiert, dass Gegenspieler ihn sogenannt hätten, sagt Boateng im Interview.

Schutz von Kindern

Um rassistische Schreier in den Zuschauerrängen zu identifizieren, fordert der 30-Jährige den Einsatz von Videotechnik. Von den Vereinen verlangt er ein Stadionverbot für rassistische Fans. Es gehe auch um den Schutz der Kinder. Es dürfe nicht sein, dass ein Fünfjähriger ins Stadion kommt und dort rassistische Plakate sieht.

Er tue alles dafür, um hier etwas zu ändern, doch könne er das nicht alleine tun. Hier stünden die Verbände und die Ligen in der Pflicht. «Es reicht nicht, vor Champions-League-Spielen ein ‹No to racism›-Video zu zeigen.» Es reiche auch nicht, ein T-Shirt anzuziehen mit der Aufschrift «Wir zeigen Rassismus die rote Karte».

Leute wechseln Strassenseite

Auch im Alltag wird Boateng immer wieder mit Rassismus konfrontiert. Er werde zwar nicht offen angefeindet, doch komme es vor, dass Leute seinetwegen die Strassenseite wechselten. Im Supermarkt sei eine Frau nicht an eine Packung Reis im obersten Regal gekommen. Als er die Packung für sie runtergehoben und ihr gegeben habe, habe sie sie zurück ins Regal gestellt. Die Frau habe einen Angestellten gerufen, der ihr eine neue Packung geben sollte. «Wie fühlt man sich da wohl?»

Der wachsende Zuspruch für die AfD bereitet Boateng Sorge. Kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland im August hat die Rechtspartei knapp 13 Prozent erreicht, das habe ihn geschockt. «Wenn dich so viele Menschen aus dem Land wünschen, bist du besorgt.»

(chi)

Erstellt: 19.11.2017, 18:36 Uhr

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