Kasse oder Kater

Nelson Ferreira bestreitet bei der Neuauflage des Cupfinals gegen den FC Basel sein letztes Heimspiel. Für die Oberländer geht es um viel.

Tor ohne Wert: Thuns Dejan Sorgic erzielt im Cupfinal den Anschlusstreffer zum 1:2.

Tor ohne Wert: Thuns Dejan Sorgic erzielt im Cupfinal den Anschlusstreffer zum 1:2.

(Bild: Christian Pfander)

Dominic Wuillemin

Dritter oder Drittletzter.

Beide Szenarien sind für den FC Thun zwei Spieltage vor Saisonende möglich – das macht die Ausgangslage so speziell. Sollten die Oberländer die Meisterschaft auf Rang 3 abschliessen, der für die Gruppenphase der Europa League berechtigt, wäre es samt dem Erreichen des Cupfinals «wohl die erfolgreichste Saison in der Vereinsgeschichte», wie Sportchef Andres Gerber sagt. Er spricht auch von einem «Jackpot», weil die Gruppenphase Fixeinnahmen von rund 4 Millionen Franken garantiert, je nach Gegner und Abschneiden gar deutlich mehr. Sollte das Team von Trainer Marc Schneider aber in die untere Tabellenhälfte abrutschen, nachdem es monatelang in den Top 3 stand, dann wäre der letzte Eindruck schlecht, ein Kater garantiert.

Dazwischen scheint nicht viel Raum für Interpretationen übrig: Top oder Flop, oder?

Lust auf Europa

Luzerns Trainer Thomas Häberli zog kürzlich den Ärger der eigenen Fans auf sich, weil er gesagt hatte, sollte sein Team nicht den 3. Rang erreichen, dann würde er es aus Gründen der Mehrbelastung bevorzugen, dass der FCL gar keine Qualifikation zur Europa League absolvieren müsste. Der Fünfte der Super League steigt in der zweiten Runde ab Ende Juli ein, der Vierte in der dritten Runde, die Mitte August ausgetragen wird.

Sollte der FC Sion die Saison unter den ersten Fünf abschliessen, würde gar der Ligasechste erben: Die Walliser sind von der Uefa für die nächste Saison von allen europäischen Wettbewerben ausgeschlossen worden, kürzlich zog der Club den Rekurs beim Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne zurück.

Gerber kann Häberlis Aussage nachvollziehen, er hat allerdings eine andere Sichtweise. Er findet, auch die Teilnahme an der Qualifikation für die Europa League wäre eine Belohnung, er redet von einem coolen Erlebnis für den ganzen Club. Gerber spricht aus Erfahrung: 2011 und 2015 scheiterten die Thuner erst in den Playoffs, der vierten Runde, an Stoke City und Sparta Prag. 2013 schafften sie über Partizan Belgrad den Einzug in die Gruppenphase.

Gerber glaubt, dass europäische Partien helfen würden, umworbenen Spielern einen Verbleib in Thun schmackhaft zu machen, insbesondere, sollte die Teilnahme an der Gruppenphase schon nach dem letzten Saisonspiel am Samstag beim FC Sion feststehen. «Ich hätte in diesem Fall sehr gute Argumente», sagt Gerber. Dasselbe gälte fürs Werben um neue Akteure, fest stehen die Zugänge von Mittelfeldspieler Miguel Castroman (von YB an Schaffhausen verliehen), Offensivakteur Saleh Chihadeh (Kriens) sowie Torhüter Andreas Hirzel (Vaduz). Auch deshalb käme Rang 3 einem «Jackpot» gleich.

Gewichtige Absenzen

Insofern steht für die Oberländer viel auf dem Spiel, wenn sie den FC Basel zur Neuauflage des Cupfinals empfangen (heute Mittwoch, 20 Uhr) – das ist der Unterschied zum Gegner, der längst nicht mehr von Rang 2 zu verdrängen ist und dessen Saison nach dem Cupsieg versöhnlich enden wird. Den Erfolg feierten die Basler am Sonntag bis in die frühen Morgenstunden.

Auch deshalb dürfte Basels Trainer Marcel Koller die eine oder andere Änderung vornehmen, zumal Eder Balanta nach einer Kieferoperation fehlen wird, Valentin Stocker und Ricky van Wolfswinkel sind fraglich. Auch Schneider ist zu Umstellungen gezwungen: Marvin Spielmann ist im letzten Heimspiel der Saison gesperrt, Matteo Tosetti, Grégory Karlen und Nicola Sutter werden kaum rechtzeitig fit werden. Dafür kehrt Stefan Glarner nach seiner Sperre im Cupfinal zurück.

Und da wäre noch Nelson Ferreira, dessen erwarteter Rücktritt am Dienstag kommuniziert worden ist. Der Interlakner, der am Sonntag seinen 37. Geburtstag feiert, wird künftig als Staffmitglied die Profiequipe und die U-21 unterstützen sowie im Bereich des sozialen Engagements des FC Thun tätig sein. Er wird gegen Basel nach knapp 370 Pflichtpartien für Thun letztmals in der Stockhorn-Arena als Spieler einlaufen.


So könnte Thun spielen: Faivre; Glarner, Gelmi, Stillhart, Joss; Bigler, Fatkic, Costanzo; Ferreira, Sorgic, Schwizer. – Ohne Hediger, Rodrigues (verletzt), Spielmann (gesperrt). – Fraglich: Tosetti, Karlen, Sutter.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt