Rekordjagd und Abschiedstournee für YB

Noch sieben Spiele für die Galerie? Nicht nur – es geht für die Young Boys auch um Bestmarken.

Eines von 79 Toren: Jean-Pierre Nsame trifft in Zürich. Foto: rmo

Eines von 79 Toren: Jean-Pierre Nsame trifft in Zürich. Foto: rmo

Und nun: der grosse Meisterkater? YB hat gefeiert, früh wie nie, früher als der Schweizer Eishockeymeister, früher als die anderen Champions Europas, wobei die gleichfalls überaus dominanten Juventus und Paris Saint-Germain am Wochenende überraschend noch nicht den letzten Schritt vollzogen – und eine ihrer raren Niederlagen einzogen. Die Young Boys dagegen stellten einen neuen nationalen Bestwert auf in Runde 29 und Mitte April.

Also, um was geht es für YB noch in den letzten sieben Runden? Um jede Menge weitere Rekorde beispielsweise. «Die Konstanz, die wir an den Tag legen, ist enorm beeindruckend», sagt Sportchef Christoph Spycher. «Der Hunger des Teams ist zu spüren.» Die Spieler selber reden davon, sich in den Geschichts­büchern verewigen zu wollen, es soll eine Saison für die Ewigkeit werden. Deshalb darf an dieser Stelle noch einmal daran erinnert werden, in welchen Disziplinen die Höchstleistungen Basels geknackt werden können.

Basels Bestwerte wackeln

Am prestigeträchtigsten wäre natürlich der Punkterekord, den der FCB vor zwei Jahren aufgestellt hat. Um diese 86 Punkte zu überflügeln, würde es YB (78 Zähler) theoretisch genügen, dreimal zu gewinnen und viermal zu verlieren. Aber sogar nur ein Sieg würde reichen, kämen sechs Remis dazu.

Ebenfalls sehr realistisch ist es, die Spielzeit mit einem neuen Rekordvorsprung zu beenden. Basel lag 2012 am Ende 20 Punkte vor Luzern – und liegt aktuell 25 Zähler hinter den Young Boys. Interessant ist übrigens auch, dass der Dritte Thun genau halb so viele Punkte aufweist wie der alte, neue Meister.

Nicht verbessern lässt sich die Bestmarke Basels aus der Saison 2016/2017, vom 1. bis zum 36. Spieltag ganz oben gestanden zu haben. Aber genau das Gleiche werden die Young Boys erreichen. Bezüglich Toren (92 in der Saison 2016/2017), erhaltener Treffer (31, 2012/2013) sowie bestes Torverhältnis (plus 54, 2003/2004) sind sie mit 79:27 Toren (plus 52) ebenfalls formidabel unterwegs – gefordert ist nun vor allem die Defensive.

Ach ja: Am wenigsten Niederlagen kassierte Basel 2013/2014 und 2016/2017 mit zwei, auch da lockt eine historische Saison. Und um den bereits letzte Saison egalisierten FCB-Bestwert von 26 Siegen in einer Spielzeit zu übertreffen, benötigt YB nur noch zwei Dreier.

Mit jeder Begegnung allerdings rückt das Ende dieser famosen Mannschaft näher, der personelle Umbruch wird beträchtlich sein. Mehrere Akteure befinden sich auf Abschiedstournee, es ist nicht unrealistisch, dass nächste Saison fünf oder mehr Stammkräfte nicht mehr dabei sein werden – rechnet man den im Januar nach Saudiarabien gewechselten Sékou Sanogo dazu.

Für Captain Steve von Bergen, der zurücktritt, dürfte die nächste Begegnung besonders speziell sein, weil er letztmals in seiner Heimat Neuenburg antritt. Die Maladière ist am Ostermontag ausverkauft, mehrere Tausend Berner Supporter werden das YB-Auswärtsspiel bei Xamax in eine Heimpartie verwandeln.

Grosse Chance im Sommer

Auf die Young Boys warten also sieben Spiele für die Galerie und die Rekorde, sieben Spiele aber auch, in denen die Fans der Meistermannschaft Adieu sagen dürfen. Um danach erneut auch nur annähernd eine derart glanzvolle Saison absolvieren zu können, müssen sich die Young Boys ab Sommer mit frischen Kräften bald finden, das Playoff zur Champions League findet Ende August statt. Es ist vorerst die letzte Gelegenheit für den Schweizer Meister, die Zulassung zur Champions League verhältnismässig unkompliziert zu erreichen. Wegen der schlechten Resultate helvetischer Vertreter in den letzten fünf Jahren im Europacup wird das ab 2020 mit drei Qualifikationsrunden deutlich schwieriger werden.

fdr

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