«Alain Sutter reitet GC noch ganz ins Elend»

Interview

Roger Wehrli gewann mit GC viermal die Meisterschaft und einmal den Cup. Der 68-fache Ex-Internationale sagt im Interview mit berneroberlaender.ch/Newsnetz, was er von seinem ehemaligen Verein heute hält.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Roger Wehrli, Sie spielten von 1977 bis 1985 für GC und feierten grosse Erfolge. GC spielt heute im Fussball keine Rolle mehr. Was fühlen Sie?
GC ist ein einziger Trümmerhaufen. Mir blutet das Herz. Und das meine ich wirklich so. Es macht mich traurig und auch grausam wütend, wenn ich sehe, wie dieser grosse Schweizer Traditionsverein vor die Hunde geht. GC war mal ein Markenzeichen, das Aushängeschild für den Schweizer Fussball schlechthin.

Wenn Sie von GC reden, werden Sie sentimental. Weshalb?
GC ist meine ganz grosse Liebe. Für diesen Verein empfinde ich noch unheimlich viel. Schon als kleiner Bub war ich GC-Fan. Mein Vater hat mich schon als Dreijährigen mit in den Hardturm genommen. Und dann ist mir bei diesem Klub der grosse Durchbruch gelungen. Ich habe GC unheimlich viel zu verdanken.

Wann haben Sie GC letztmals gesehen?
Ich schaue mir die Spiele nur noch am Fernsehen an. In den Letzigrund würde ich nie gehen. Ein echter GCler geht nie in das Stadion des Erzrivalen FC Zürich. Das ist doch nicht die Heimat von GC. Ich hoffe, dass im Hardturm endlich wieder ein Stadion gebaut wird. Den Letzigrund besuche ich nur, wenn Bon Jovi dort spielt.

Was läuft bei GC falsch?
Alles. Der Verein wird richtiggehend runtergewirtschaftet. Der Fisch stinkt ja bekanntlich am Kopf. Bei GC müssten eigentlich sämtliche Köpfe rollen.

Könnten Sie uns Namen nennen?
Präsident Roland Leutwiler hat bei seinem Amtsantritt gesagt, er mache es nur, weil niemand anders zur Verfügung stehe. Das sagt ja wohl schon alles. Der neue starke Mann ist offenbar Alain Sutter. Doch seit er am Ruder ist, ist ja alles noch viel schlimmer geworden. Er wird auch die Millionen, die eine Gönnervereinigung für die nächsten Jahre garantiert, in den Sand setzen. Und dann ist GC ganz kaputt. Ich befürchte, dass Alain Sutter GC noch ganz ins Elend reitet.

Weshalb ist Sutter für Sie der falsche Mann?
Bei seinen Analysen als Experte beim Schweizer Fernsehen ist er als Fachmann der Nationalmannschaft unkritisch. Unkritischer geht es kaum noch. Er nimmt die Spieler und auch Trainer Ottmar Hitzfeld permanent in Schutz, auch wenn die Mannschaft grottenschlecht kickt. Ein derart unkritischer Mann kann doch nicht allen Ernstes Entscheidungsträger bei GC sein. Sutter hat ja offenbar auch noch ein Mandat beim FC Winterthur. Er tanzt auf vielen Hochzeiten. Aber eines muss man ihm lassen: Er verkauft sich gut.

Was hat Sutter bisher bei GC konkret falsch gemacht?
Er hätte sich schon lange von Trainer Ciri Sforza trennen sollen. Ciri hat am Anfang zwar einen guten Job gemacht und vor drei Jahren sogar die Europa League erreicht. Doch mittlerweile erreicht er die Mannschaft nicht mehr. Und Sutter ist auch an der unsäglichen Geschichte mit Johann Vogel schuld.

Wie meinen Sie das?
Er hat es abgesegnet und zugelassen, dass man Vogel reaktiviert und ihm ein Comeback ermöglicht. Dieses Experiment war doch schon von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Wie kommen Sie darauf?
Sforza und Vogel waren schon als Spieler bei der Nationalmannschaft Intimfeinde. Das hätte schon zwischenmenschlich niemals funktionieren können. Das hätte Sutter wissen müssen. Sutter hätte auch wissen müssen, dass ein Spieler, der über zwei Jahre nicht mehr aktiv war, mit 34 Jahren gar nicht mehr in der Lage sein kann, noch einmal zurückzukehren. Das alles zeugt nicht gerade von einer grossen Sozial- und Fachkompetenz Sutters.

Sie denken bei GC müsste man total ausmisten. Können Sie uns Alternativen nennen?
Als eine Art Überpräsidenten gäbe es nur einen. Das ist ZSC-Chef Walter Frey. Er ist ein Macher, eine grosse Persönlichkeit, der unheimliche Beziehungen zur Wirtschaft hat. Als ein Präsidenten-Duo könnte ich mir die ehemaligen Spieler Roger Berbig und Claudio Sulser vorstellen. Als Manager Andy Egli, als Trainer Murat Yakin und als Chef des Nachwuchses Heinz Hermann. Hermann hat bei Basel während Jahren den Nachwuchs ausgebildet. Aus seiner Schule sind Spieler wie Kuzmanovic, Rakitic, Inler, Fabian Frei, Stocker oder Sommer hervorgegangen. Fragen Sie mal den FCB, wie viele Transfermillionen beispielsweise Rakitic und Kuzmanovic eingebracht haben.

Weshalb bringen Sie sich nicht selber ins Spiel?
Nach meiner Karriere als Profi war ich Trainer in Aarau und Luzern, tingelte dann später als Coach mal mehr oder weniger erfolgreich durch untere Ligen. Ich habe kapiert, dass ich kein Trainer bin. Deshalb ging ich wieder auf den Bau und mache das, was ich einmal gelernt habe.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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