Als zwei Superstars die WM verlassen mussten

Wird so etwas je wieder passieren? Vor 25 Jahren mussten zwei Fussballer innert Tagen ihr Team verlassen.

Angezählt: Diego Maradona spricht an der WM 1994 über seine nächste positive Dopingprobe.

Angezählt: Diego Maradona spricht an der WM 1994 über seine nächste positive Dopingprobe.

(Bild: Keystone)

Stellen Sie sich vor: Es ist Fussball-WM. Zuerst reist Thomas Müller unfreiwillig aus dem Camp der Deutschen ab. Und dann muss Lionel Messi die Argentinier verlassen.

Unwahrscheinlich? Unmöglich? Unwahrscheinlich: ja. Unmöglich: nein. Ziemlich genau so ist es vor einem Vierteljahrhundert passiert. Zuerst hat es den Deutschen Stefan Effenberg erwischt, ein in allen Bereichen kaum zu kontrollierender Fussballer. Dann war Diego Maradona an der Reihe, für viele der Grösste der Geschichte – zumindest auf dem Rasen.

Effenberg: Stinkefinger und Ausschluss

Vor 25 Jahren geht der 27. Juni 1994 als Stinkefinger-Tag in die Historie ein. Bei einem Gruppenspiel der WM in den USA lässt sich Deutschlands Mittelfeldspieler zur inzwischen legendären Geste hinreissen, nachdem ihn Fans unablässig beschimpft haben. Aus heutiger Sicht kaum vorstellbar: Von der Szene existiert kein einziges Foto oder Video.

Die Verantwortlichen beim Deutschen Fussballbund (DFB) aber sahen den obszönen Fingerzeig und warfen Effenberg während der laufenden Endrunde aus der Mannschaft. Der damalige DFB-Präsident Egidius Braun erklärte seinerzeit: «Mit 10'000 Dollar Busse hätten wir uns lächerlich gemacht bei den Einkommen der Spieler.»

Maradona: Dann redet er halt beim Fernsehen

Im Fall von Maradona kommt es damals zu mehreren aufwühlenden Geschichten. Zuerst gibt er als 33-Jähriger ein famoses Comeback nach 15-monatiger Sperre wegen Kokainkonsums. Kurz vor dem Turnier ist der Argentinier noch mit starkem Übergewicht aufgefallen, doch im WM-Gruppenspiel gegen Nigeria spielt er auf wie früher und bereitet beide Tore zum 2:1-Sieg vor. Danach allerdings muss er zur Dopingkontrolle. Und das endet für ihn fatal.

Vier Tage nach dem Match kommen erste Gerüchte auf, dass Maradona erneut positiv getestet worden sei. Fünf Tage nach dem Match informiert die Fifa offiziell an einer Pressekonferenz, sie habe mehrere unerlaubte Substanzen festgestellt, darunter ein Mittel, das die Fettverbrennung beschleunigt. Der Weltverband schliesst Maradona vom Turnier aus und sperrt ihn für weitere 15 Monate. Maradona klagt: «Es ist, als hätten sie mir meine Beine abgeschnitten.» Weil er nicht mehr spielen darf, arbeitet er während des weiteren Turnierverlaufs als TV-Experte und kassiert dafür 1,5 Millionen Dollar Gage. Als Fussballer aber kehrt er nie mehr richtig zurück. (wie/ukä)

ukä

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