Wer stürzt aus der Super League?

Fünf Clubs bangen, und nicht nur bei GC rumort es. Eine Hochrechnung zeigt, wen es statistisch erwischen sollte.

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Zur Geisterstunde hat es also auch Fabio Celestini erwischt. Als vierter der fünf Clubs, die gegen den Fall aus der Super League spielen, hat Lausanne seinen Trainer gewechselt. Verschickt wurde die Mitteilung seiner Beurlaubung eine Viertelstunde nach Mitternacht. Ein weiterer Beweis dafür, wie nervös derzeit die halbe Liga ist.

Ein Blick auf die fünf Teams im Abstiegskampf.

Grasshoppers: Auf der Suche nach den Toren

Was soll Mathias Walther anderes tun, als so lange Optimismus zu versprühen, bis sogar seine Spieler davon angesteckt werden? Also greift der Sportchef und Interimstrainer der Grasshoppers in die Floskelkiste, redet davon, dass sich GC nun «das Glück erarbeiten» müsse. Er will «Spiel für Spiel nehmen» und freut sich, dass «das Team intakt ist» und «den Kampf annimmt».

Beim 0:1 in Basel wirkt GC wenigstens so weit gefestigt, dass es dem abtretenden Meister lange Paroli bietet. Aber auch Walther muss spüren, dass dieses Spiel nur bedingt ein Gradmesser für die kommenden Direktduelle im Kampf gegen den Abstieg sein kann. Der FCB dämmert dem Ende einer enttäuschenden Saison entgegen. Die kommenden Gegner der Grasshoppers aber kämpfen ums sportliche Überleben. Sie werden ganz anders auftreten. Engagierter – und wohl auch deutlich defensiver als Basel.

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Und das könnte für GC zum Problem werden. Die Zürcher wissen nicht mehr, wie man Tore erzielt. Am 4. Februar ist ihnen letztmals in einer Partie mehr als ein Treffer gelungen, beim 3:1 in Sitten. Seither trafen sie in elf Partien gerade noch siebenmal und gewannen in der Liga fünf Punkte.

Es sind Zahlen eines Absteigers. Dazu fallen mit Basic (Kreuzbandriss) und ­Lavanchy (Gesichtsfraktur) auch noch zwei Leistungsträger aus. Die Lage ist ungemütlich. Immerhin hat GC das Schicksal in den eigenen Füssen. Als Einziger der Abstiegskandidaten trifft es noch auf alle anderen direkt involvierten Teams. Vor der ersten von vier Schicksalspartien sagt Walther, was er sagen muss: «Ich bin sicher, dass wir gegen Lugano die volle Kraft in die Waagschale werfen.»

Hochrechnung gemäss den Resultaten der laufenden Saison: 39 Punkte

FC Lugano: Janko und die sechs Finals

Die Heimfahrt dauerte lang, gut dreieinhalb Stunden, aber für Angelo Renzetti war die Reise ins Tessin ein Vergnügen. Der Präsident des FC Lugano hatte das 1:0 gegen Sion miterlebt und berichtete danach erfreut: «Die Mannschaft präsentierte sich wieder so, wie ich sie kenne: Sie zeigte mir, dass sie ­begriffen hat, worum es geht.»

Um den Ligaerhalt geht es, um nichts anderes – um etwas also, das im Februar problemlos erreichbar schien. Lugano galt als Team der Stunde mit vier Siegen in Serie, mit Platz 4 und 11 Punkten Vorsprung auf das Tabellenende. Aber dann kam diese schwarze Serie mit sechs Niederlagen, für die Trainer ­Pierluigi Tami mit der Entlassung büsste.

Nun sieht die Welt freundlicher aus, weil es unter dem 29-jährigen Coach ­Guillermo ­Abascal in zwei Partien vier Punkte gab. Und jetzt bietet sich die Gelegenheit, GC im Direktduell zu distanzieren. Das Team blieb bis Donnerstag im Wallis und fuhr dann nach Zürich. Drei Punkte heute im Letzigrund – «das würde bedeuten, dass wir halbwegs gerettet wären», sagt Renzetti. Marc Janko, Torschütze in Sitten, spricht indes von «Abstiegskampf pur» mit «sechs verbleibenden Finals». Darum ist für ihn klar: «Wir sind noch lange nicht im Ziel.»

Hochrechnung: 40 Punkte

FC Thun: Der Sportchef als Prophet

Es war Januar, Thun hatte eben Topskorer Simone Rapp an Lausanne ver­loren, als Andres Gerber prophetische Fähigkeiten bewies. Die Konkurrenz im Kampf gegen den Abstieg wirkte zwar gefestigt. Doch der Thuner Sportchef sagte: «Es ist überraschend, wie schnell es manchmal brodelt und ein Trainer ­gewechselt wird. Es gibt immer wieder Clubs, die unter den Erwartungen bleiben und unruhig werden.» Es ist gekommen, wie von Gerber vorausgesagt.

Sion, GC, Lugano und Lausanne ­haben seither den Coach gewechselt. In Thun aber wurde die Ruhe bewahrt – sogar nach einem 2:7 in Sion. Obwohl ­Gerber da gespürt hat, dass sich sogar im beschaulichen Berner Oberland die Nörgler formierten und Trainer Marc Schneider in die Kritik geriet. «Die Lawine wurde grösser», sagt Gerber rückblickend, «zum Glück konnten wir sie aufhalten.»

Der zweite Goaliewechsel der Saison, von Nikolic zu Faivre, war ein Puzzleteil, die Besinnung auf eine defensivere Spielweise ein anderes. Seit dem 2:7 hat Thun nicht verloren und neun Punkte gewonnen. «Diese fünf Spiele geben Selbstvertrauen», meldet Gerber. Und weiss zugleich, dass beim FC Thun wohl immer gelten wird: «Wir müssen gut arbeiten. Und gleichzeitig hoffen, dass andere Fehler machen.»

Hochrechnung: 39 Punkte

FC Sion: In-Albon, der Kritiker

Als der FC Sion zuerst in Lausanne und danach in Luzern siegte, machte er den Eindruck, als würde er nun Tempo aufnehmen. Und sich eilends aus der Gefahrenzone verabschieden. Aber dann kam dieser Mittwoch, kamen Lugano und ein 0:1, das auf die Stimmung schlägt. «Die Niederlage sollte uns alle zum Nachdenken anregen», empfiehlt Maurizio Jacobacci, «sie muss eine Warnung sein.» Seit zehn Runden ist er Trainer, in dieser Zeit sind 14 Punkte zusammengekommen. Das reicht nicht, um sorglos bis ans Ende der Saison zu gelangen.

Die delikate Situation verwundert ­Beobachter wie Charly In-Albon nicht. Er, der früher bei Sion (1976–1979) und GC (1979–1990) verteidigte, befasst sich intensiv mit dem Club – auch wenn er dem Tourbillon aus Protest gegen Präsident Christian Constantin konsequent fernbleibt. «Es ist nicht die Schuld der Trainer, dass der Club immer wieder an Ort tritt, sondern allein die von Constantin», sagt er, «er holt zwar immer wieder gute Fussballer, aber die Individualisten funktionieren selten als Einheit.»

Kritiker In-Albon rechnet gleichwohl nicht damit, dass dem Verein ein böses Ende mit dem Abstieg blüht. «Lausanne trifft es», sagt er mit Überzeugung, «Sion verfügt über die meiste Substanz der fünf Teams, die im Abstiegskampf ­stecken.» Und wie denkt Constantin? ­Beschleicht ihn vielleicht Angst? «Natürlich müssen wir Angst haben», sagt er, «gegen Lugano waren wir superschlecht. Wir brauchen mindestens noch sieben Punkte, um uns zu retten.»

Hochrechnung: 35 Punkte

Lausanne-Sport: U-21-Trainer löst Celestini ab

Er war der Trainer, der Lausanne 2016 in die Super League zurückführte; er ­erhielt in jenem Jahr die Auszeichnung «Bester Trainer»; er war mit etwas mehr als drei Jahren dienstältester Coach der Super League – und jetzt ist er Trainer ausser Dienst: Fabio Celestini ist nicht mehr Verantwortlicher bei Lausanne, nach dem 0:1 gegen Luzern am Donnerstag wurde er abgesetzt.

Um sein Ende zu erklären, genügt ein Blick auf die Bilanz 2018. Nur einen Sieg gab es, ein 2:1 gegen Lugano, dazu drei Unentschieden – und sonst lauter Niederlagen. Die neue Führung tat nun, was der vorherige Präsident Alain Joseph kaum getan hätte: Sie vollzog die Trennung von Celestini. Es ist nicht anzunehmen, dass der 42-Jährige bereit ist, bis zum Vertragsende 2019 «in anderer Funktion» für Lausanne zu arbeiten, wie es die Vereinsleitung wünscht.

Die Hoffnungen ruhen nun auf Ilija Borenovic. Borenovic? Der 35-jährige Serbe kümmerte sich bislang um die U-21 der Westschweizer, nun steigt er zu den Profis auf und wird assistiert von ­Xavier Margairaz. Auf der Suche nach einer schnellen Lösung erinnerte sich Sportchef Pablo Iglesias an die Beispiele Basel und Zürich, die ihre neuen Trainer ebenfalls bei der eigenen U-21 fanden. Borenovic stellt sich nun auf einen ­besonderen Sonntagnachmittag ein: Sein Debüt gibt er in Bern gegen den ­designierten Meister YB.

Hochrechnung: 38 Punkte


In der Hochrechnung erwischt es also Sion:

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.04.2018, 21:40 Uhr

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