Auf alle Fälle bereit

Der FC Thun erlebt ein sorgenfreies Trainingslager in Saanen. Der Abgang Dejan Sorgics zeichnet sich nicht ab. Zum Gefallen seines möglichen Sturmpartners Simone Rapp.

Die Nummer 13 ist zurück: Simone Rapp (Mitte) benötigt im Trainingslager in Saanen keine Eingewöhnungszeit.

Die Nummer 13 ist zurück: Simone Rapp (Mitte) benötigt im Trainingslager in Saanen keine Eingewöhnungszeit.

(Bild: Daniel Teuscher)

Dominic Wuillemin

Es ist in Saanen, als sei er nie weg gewesen: Matteo Tosetti flankt, in der Mitte steht Simone Rapp und verwertet die Vorlage per Kopf.

Flanke Tosetti, Kopfball Rapp, die Tessiner Verbindung war ein Thuner Trumpf gewesen, bevor der Stürmer im Winter 2018 das Oberland als Führender in der Torschützenliste verliess, mit der Aussicht, in Lausanne deutlich mehr verdienen zu können. Stattdessen kam er zur Einsicht, dass der Schritt in die Westschweiz womöglich doch nicht der klügste gewesen war, Rapp fand seine Form nicht, Lausanne stieg ab. Und teilte seinem Stürmer mit, er solle sich doch einen neuen Club suchen. Das letzte halbe Jahr verbrachte der 26-Jährige leihweise in St. Gallen.

Es ist Montagvormittag in der Berner Oberländer Gemeinde Saanen, wo die Thuner alljährlich im Trainingslager weilen. Während es im Trainingsspiel intensiv zur Sache geht, obwohl am Vortag eine vierstündige Wanderung auf dem Programm stand, unterlegt Sportchef Andres Gerber die Eindrücke mit Ton: «Wir sind auf sämtlichen Positionen gut aufgestellt. Dementsprechend gross ist der Konkurrenzkampf.»

Das hängt auch mit dem Zuzug Rapps zusammen, der eigentlich als Ersatz für Dejan Sorgic geholt wurde. Bald 30-jährig, will der letztjährige Thuner Topskorer unbedingt den Schritt ins Ausland wagen. Doch derzeit zeichnet sich kein Transfer ab, Sorgic wetteifert an diesem Vormittag in der Idylle Saanens mit seinen Kollegen. Danach sagt Rapp, er hoffe, Sorgic bleibe. «Wir passen zusammen.»

Was ist, sollte Sorgic aus Mangel an Alternativen doch nicht weiterziehen? Aus sportlicher Sicht wäre das hervorragend, antwortet Gerber. Das Budget würde durch die Doppelspitze Rapp-Sorgic jedoch arg belastet werden, wobei Rapp mit Kaufoption ausgeliehen ist und eine erhebliche Lohneinbusse in Kauf nahm, damit das Geschäft überhaupt hatte zustande kommen können. Gerber fügt auch deshalb an, dass ein Abgang Sorgics nicht zwingend sei. Bis zum Ende der Transferperiode dauere es, und Thun spiele in der Europa-League-Qualifikation. «Wir schauen, wie es kommt.»

Karlen fällt länger aus

Schauen, wie es kommt. Es ist eine Aussage, welche die Thuner Si­tuation treffend beschreibt. Während sich manche Konkurrenten noch kaum verstärkt haben, steht das Oberländer Kader seit Beginn der Vorbereitung. Neben Rapp haben die Thuner sechs weitere Spieler verpflichtet, der Mehrzahl von ihnen wird zugetraut, sofort eine tragende Rolle übernehmen zu können. «Wir haben das Team aufgefrischt, ohne alles auf den Kopf zu stellen», umschreibt Gerber die Vorgehensweise.

Da ist etwa Mittelfeldspieler Miguel Castroman, der dafür sorgt, dass die Oberländer die Nachricht, wonach sich Grégory Karlen am Fuss verletzt hat und rund 3 Monate fehlen wird, relativ gelassen zur Kenntnis nehmen konnten. Der Walliser ist nicht der einzige Ausfall, Stürmer Nicolas Hunziker fällt mit einem Muskelbündelriss ebenso wochenlang aus. Wobei die Zugänge Rapp und Saleh Chihadeh (aus Kriens) in der Hierarchie der Angreifer sowieso vor ihm gestanden wären.

Das ist auch Nikki Havenaar, der Innenverteidiger mit japanisch-holländischen Wurzeln, der mit seinen fast zwei Metern herausragt. Neben ihm stehen vier weitere zentrale Abwehrspieler unter Vertrag und damit einer zu viel. Mit Sutter wurde der Vertrag kürzlich bis 2022 verlängert, das 21-jährige Eigengewächs Timo Righetti soll nach langer Verletzungspause in Thun reifen können.

Bleiben Roy Gelmi und Miguel Rodrigues, die letzte Saison einen Stammplatz hatten, aber nicht als unersetzlich betrachtet werden können. Einer von ihnen wird Thun diesen Sommer womöglich verlassen. Gerber will schauen, wie es kommt. Er sagt: «Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Auch weil sich die Neuen sofort integriert haben.»

Nicht integriert werden musste Rapp, die meisten der Teamkollegen kannte er schon. Und das Verständnis auf dem Platz hat offensichtlich nicht gelitten: Flanke Tosetti, Kopfball Rapp – die Kombination wird nächste Saison öfters zu sehen sein.

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