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Auf den Coup folgt schon der Final

Gegen Serbien wartet der nächste Mentalitätstest auf die Schweiz – verliert sie, ist sie so gut wie ausgeschieden.

Die Schweizer jubeln nach Zubers Tor gegen Brasilien. Doch entscheidend ist das nächste Spiel.
Die Schweizer jubeln nach Zubers Tor gegen Brasilien. Doch entscheidend ist das nächste Spiel.
Keystone

Als die Schweizer an der WM 2010 gegen Spanien ihren Exploit hatten, brauchten sie zwei Tage, um ihn zu verarbeiten. Sie verloren das folgende Schlüsselspiel gegen Chile 0:1 und schieden schliesslich nach der Gruppenphase aus.

Und jetzt? Nach diesem 1:1 gegen Brasilien, den wohl grössten Titelfavoriten an dieser WM überhaupt? Da herrscht am Sonntagabend nach dem Spiel «courant normal», das Ausgelassene fehlt im Lager der Schweiz. Die Spieler sind nicht euphorisch, ihr Chef ist es nicht. Die Energie wird dazu genutzt, den Blick gleich nach vorn zu richten.

Die Schweizer haben ihre Gedanken schon bei Serbien. Sie glauben, erfahren genug zu sein, um mit der Situation umgehen zu können und sich von diesem Ergebnis gegen Brasilien nicht verleiten zu lassen. Und wenn sie das können, umso besser: Das Spiel am Freitag in ­Kaliningrad ist für sie ein Final.

Verlieren ihn die Schweizer, nützt dieser Punkt gegen Brasilien nicht mehr viel. Dann sind sie bereits so gut wie ausgeschieden und können nur noch darauf hoffen, dass Brasilien nochmals stolpert. Das wissen die Serben, und sie wissen auch, dass sie sich mit einem Sieg am Freitag vorzeitig für die Achtelfinals qualifizieren können.

Aufgepumpte Serben

Die WM war noch ein paar Tage entfernt, als sich Vladimir Petkovic mit grösstem Respekt über sie äusserte, er betonte, sie gehörten von der Qualität her nicht in den vierten und schwächsten Lostopf. Und er sagte damals: «Mit der Stimmung kann bei ihnen viel passieren. Wenn sie gegen Costa Rica gewinnen, kommen sie aufgepumpt zum Spiel gegen uns. Dann haben sie das Gefühl, sie seien die Besten der Welt.» Nun ­haben diese Serben ihr Startspiel ­gewonnen, und wenn Petkovic sagt, er erwarte am Freitag einen schweren Match, ist das keine Floskel, sondern Realität.

In Kaliningrad wartet der nächste grosse Mentalitätstest auf Petkovics Mannschaft. Es ist nicht mehr wie gegen Brasilien, wo sie klarer Aussenseiter war. Jetzt sagt Petkovic: «Gegen Serbien müssen wir gewinnen.»

In Rostow zeigte seine Mannschaft Moral. Sie liess sich nicht gehen, obschon es in der ersten Halbzeit lange wirklich nicht mehr gut aussah, sie lehnte sich auf, erzwang den Punkt und das Glück. Sie hatte, grosszügig gerechnet, zwei Möglichkeiten, eine reichte fürs 1:1. «Der Gegner war besser, er hatte mehr Chancen», sagt Petkovic, «aber ich bin stolz auf meine Mannschaft.»

Die Frage ist nun: Was leitet er daraus für Freitag ab? Plant er Umstellungen oder zumindest eine?

Die Schweizer Schwäche lag in der Offensive. Dass sie altbekannt ist, macht es nicht besser, im Gegenteil. Petkovic hat noch immer keine andere Lösung auf Lager, als das Angriffszentrum mit Blerim Dzemaili als Nummer 10 und Haris Seferovic als Nummer 9 zu besetzen.

Weiter mit Seferovic?

Dabei könnte es nicht schaden, Seferovic einmal zu erlösen und auf die Bank zu setzen. Am Sonntag ist er nie kraftvoller als beim Jubeln über Zubers Tor. Aussagekräftiger für seine Verfassung sind andere Szenen. Als Dzemaili ihn einmal am Sechzehner in guter Position ­anspielt, verstolpert er den Ball. Und als er selbst den Abschluss suchen könnte, spielt er den Ball ins Toraus.

Statt Seferovic kann Breel Embolo stürmen, auch er kann viel rennen. Oder Mario Gavranovic, er hat in der abge­laufenen Saison 24 Tore erzielt. Er hat Selbstvertrauen und die Technik, anders als Seferovic vielleicht auch einmal einen Zweikampf zu gewinnen. Statt Dzemaili kann Xherdan Shaqiri ins Zentrum ­rücken, dahin, wo er ohnehin am liebsten spielen würde. Embolo ist eine Alternative auf der rechten Seite.

Und was das nun für Freitag heisst? Eventuell gar nichts. Petkovics Treue Dzemaili und Seferovic gegenüber ist bislang unverbrüchlich. Es würde ­darum nicht überraschen, wenn er weiter an ihnen festhält.

Am Freitag braucht es ganz viel, um Recken wie Kolarov, Ivanovic, Matic, Mitrovic oder dem herausragenden ­Tadic zu trotzen. Nicht nur eine tor­gefährliche Offensive, sondern auch Nerven, um allfälligen Provokationen zu entgehen, und die gleiche körperliche Bereitschaft wie gegen Brasilien.

Es braucht einen Granit Xhaka, der wieder das spielt, was er kann, und nicht mehr verloren wirkt. Es braucht nochmals einen Valon Behrami in dieser fantastischen Verfassung, in der Hoffnung, dass seine leicht lädierten Adduktoren das zulassen. Wieder einen Stephan Lichtsteiner, der mehr nach vorn unternehmen kann, als das auf einer Seite mit Neymar und Marcelo möglich ist. Und einen Shaqiri, der nicht bloss von seinem Ruf lebt, sondern wieder einmal Entscheidendes leistet.

Petkovic erklärt schon einmal: «Wir müssen uns steigern.»

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