Zum Hauptinhalt springen

«Basel wird auch in der neuen Saison die Liga nach Belieben dominieren»

Marcel Rohr, Sportchef der «Basler Zeitung», glaubt trotz der Führungswechsel an eine Titelverteidigung des FCB.

Hat sich YB-Sportchef Christoph Spycher am 18. Februar 2017 im stillen Kämmerlein ein Gläschen Champagner gegönnt? Das ist eine der Fragen, die die Fussballfans zwischen Bern und Basel vor dem Saisonstart be­wegen. An jenem kühlen Samstag wurde publik, dass Bernhard Burgener der neue Mehrheitsaktionär des FC Basel werden soll und mit ihm Marco Streller Sportchef.

Das Ende der grandiosen Ära Bernhard Heusler/Georg Heitz, die es an der Spitze des Schweizer Vorzeigeklubs zu acht Titeln in Serie brachten, wurde zum medialen Winter-Donnerwetter. Und provoziert bis heute sehr viele Fragezeichen.

Für einmal fand der grosse Umbruch in Basel nicht auf dem Rasen, sondern in der Vorstandsetage statt. Das macht den Ligariesen auf den ersten Blick angreifbar. Burgener, ein hochintelligenter und erfolgreicher Unternehmer, meidet die Kameras und überlässt das sportliche Tagesgeschäft Ex-Captain Streller. Der hat in Basel zwar sehr viele Freunde, aber keinerlei Erfahrung im Business.

Als Erstes ersetzte Streller den erfahrenen Urs Fischer (51) durch den Super-League-Debütanten Raphael Wicky (40). Obwohl Erstgenannter am Ende das Double gewann, wurde der Trainer aus der eigenen U-21 für stärker befunden. Angsthasen entscheiden anders. Und Streller hat sich mit dieser Rochade früh angreifbar gemacht.

Die Chance für YB also, endlich aus dem Schatten treten zu können und den ersten Meistertitel seit 1986 einzufahren – Champagner für Spycher? Die Antwort ist spektakulär langweilig: Nein. Der FC Basel wird auch in der neuen Saison die Liga nach Belieben dominieren. Weil er das mit Abstand grösste, selbstbewussteste und leistungsfähigste Kader der Schweiz hat. Weil der Klub als Einheit gegen innen und aussen immer noch tadellos funktioniert. Und weil Marco Streller schlau genug war, wertvolle Kräfte mit ins Boot zu holen.

Da ist Remo Gaugler. Er hat schon vor vier Jahren im FCB-Nachwuchs bewiesen, dass er ein Auge für junge Spieler hat. Da ist Massimo Ceccaroni, der Nachwuchschef. Erfahren und empathisch.

Und da ist Alex Frei, Strellers Kumpel seit der Jugend. Ohne den Segen des Schweizer Rekordtorschützen kauft sich «Strelli» nicht einmal einen Satz Bleistifte. Frei mag ein knorriger Typ sein, dem in der Öffentlichkeit nicht gleich alle Herzen zufliegen. Aber in fussballerischen Belangen kann sich der ehemalige Torjäger auf ein feines Gespür verlassen. Er war es, der beim FC Luzern einen goldenen Boden legte und mit wenig Geld viele Teamstützen verpflichtete.

Die Gefahr, dass sich die vier Köche Streller, Frei, Gaugler und Ceccaroni in der heissen Küche des Transfergeschäfts in die Suppe spucken, ist verschwindend klein. Alle hatten ihre Karrieren, alle wissen, wo sie hingehören. Und Georg Heitz, Strellers Vorgänger als Sportchef, ist auch noch da. Die beiden telefonieren fast täglich miteinander.

Unruhe könnte es nur dann geben, wenn die Basler den Start verhauen. Dazu zählt jedoch mehr als eine Niederlage am Samstag auf dem Berner Plastik. Dann könnte Wicky den Druck zu spüren bekommen, den der Trainerjob in Basel mit sich bringt. Unter Druck machen die Menschen oft die grössten Fehler.

Natürlich wissen Streller und Wicky, dass Siege ­allein im St.-Jakob-Park nicht mehr reichen. Langweiliger Beamtenfussball à la Urs Fischer oder eine One-Man-Show mit Paulo Sousa waren gestern und vorgestern. Mit Wicky soll es wieder Konfetti regnen und vor allem: Der Spass muss ­zurückkommen. Auch in der Champions League. Dafür braucht es Mentalitätsmonster, die furchtlos nach vorne blicken. Typen wie Streller und Wicky.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch