Beleidigte Tuchel nach dem Attentat die BVB-Spieler?

Ein deutscher Sportjournalist schreibt über brisante Aussagen, die Thomas Tuchel im Anschluss an den Bombenanschlag auf den BVB-Teambus gemacht haben soll.

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Am 11. April ist es zwei Jahre her, dass die Fussballwelt durch einen Anschlag aufgeschreckt wurde. Die Mannschaft und der Staff von Borussia Dortmund waren damals im Mannschaftsbus unterwegs zum Westfalenstadion, als während der Fahrt drei in einer Hecke versteckte Sprengsätze detonierten.

Durch die Wucht der Explosion wurden BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist, der den Car auf einem Töff begleitete, verletzt. Das am Abend angesetzte Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen die AS Monaco musste nach dem Attentat kurzfristig verschoben werden. Die Uefa entschied noch am gleichen Abend, die Partie auf den nächsten Tag zu verlegen.

BVB-Trainer war damals Thomas Tuchel, der seit vergangenem Sommer Paris Saint-Germain coacht. Der Deutsche soll sich zunächst nicht gegen die Neuansetzung der Partie am nächsten Tag ausgesprochen haben. Jedenfalls hält das Sportjournalist Pit Gottschalk (50) in seinem Buch «Kabinengeflüster» so fest. Der damalige Sportchef der Funke-Mediengruppe schildert unter anderem Vorgänge aus der Kabine der Borussen. Einige sind überaus brisant.

Eine völlig deplatzierte Frage

Demnach soll Tuchel nach dem Anschlag nicht das notwendige psychologische Fingerspitzengefühl gegenüber der Mannschaft gezeigt und sich sogar auf die «Energie im Stadion» gefreut haben. Erst am Tag danach – nachdem Dortmund gegen Monaco angetreten war und 2:3 verloren hatte – habe der Coach die Uefa mit den Worten «Wir haben zu funktionieren» dafür kritisiert, dass das Spiel durchgeführt wurde.

Gottschalk berichtet weiter, dass die beiden Spieler Marco Reus und Gonzalo Castro nach dem Attentat nicht gewillt gewesen seien, gegen Monaco aufzulaufen. Während einer Aussprache mit Tuchel sollen Tränen geflossen sein. Tags zuvor, als alle unter dem Schock des Anschlags standen, habe der Verein die Entscheidung den Spielern überlassen, ob sie das Spiel bestreiten wollen.

«Und mit diesen Weicheiern soll ich die Bayern schlagen?» – Diese beleidigende Aussage soll Tuchel dann gemacht haben, weil das Attentat seine Spieler (oder zumindest einige von ihnen) psychisch derart mitgenommen habe. Gottschalk wurde das Zitat offenbar im Nachhinein von einem Spieler zugetragen. Dieser eine Satz führte laut dem Sportjournalisten zum Zerwürfnis zwischen Tuchel und BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke – und soll ein wesentlicher Grund gewesen sein, weshalb die Zusammenarbeit mit dem 45-jährigen Coach trotz erfolgreicher sportlicher Bilanz (lediglich 17 Niederlagen in 107 Pflichtspielen) nach der Saison 2016/17 beendet worden war.

Autor beruft sich auf Wahrheit

Bislang hat sich Tuchel nicht zu den brisanten Details geäussert, die Gottschalk in seinem Buch publik machte. Dem Klappentext von «Kabinengeflüster» ist zu entnehmen: «Dieses Buch ist keine Autobiografie. Und auch keine Abrechnung. Sondern eine Liebeserklärung an den Sportjournalismus als Berufung.» Und auch, dass der bekannte Sportjournalist (er war Reporter bei der «Münchner Abendzeitung», Sportchef der «Welt» und «Welt am Sonntag» sowie Chefreporter von «Sport Bild») «pointiert aus seinem Reporterleben» erzählt. «Er positioniert sich als Journalist, dem es nicht nur um die Nachricht, sondern vor allem um die Wahrheit geht», ist weiter zu lesen.

ddu

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