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Bereit für das «normale» Leben

Enrico Schirinzi durfte beim FC Thun während sieben Jahren die tollen Seiten eines Profifussballers miterleben.

Enrico Schirinzi steht beim Eingang des Stadions Spitalacker: Der smarte Ex-Profi plant seine neue berufliche Karriere.
Enrico Schirinzi steht beim Eingang des Stadions Spitalacker: Der smarte Ex-Profi plant seine neue berufliche Karriere.
Nicole Philipp

Nur die allerwenigsten Profifussballer haben nach ihrer Karriere in der Schweiz finanziell ausgesorgt. Und nicht immer fällt der Einstieg in die zweite berufliche Laufbahn ganz so locker und einfach aus, wie sich dies die Athleten in ihren Gedanken ausmalen. Bei Ex-Professional Enrico Schirinzi scheinen etwaige Sorgen jedoch ziemlich fehl am Platz.

Der 33-Jährige befasst sich intensiv mit seiner beruflichen Zukunft. Er schmiedet Pläne, ist gewillt, sich weiterzubilden und Herzblut und Energie in neue Projekte zu investieren. Zudem wirkt der Italoberner im Gespräch alles andere als auf den Kopf gefallen, zeigt sich wissbegierig und ist bis in die Haarspitzen motiviert, sein Wissen zu erweitern. «Wissen ist Macht.

Ich will möglichst viele Erfahrungen auf möglichst vielen Ebenen sammeln», sinniert der sympathische Familienvater und lächelt, während sein Blick über den altehrwürdigen Spitalacker, seine neue sportliche Heimat, schweift. Seit diesem Sommer spielt der technisch beschlagene Linksfuss bei Breitenrain in der Promotion League, obschon er in Vaduz, wo er in der letzten Saison Stammspieler war und starke 13 Skorerpunkte gesammelt hatte, eine Liga höher noch einen Vertrag bis ins Jahr 2019 gehabt hätte.

«Die Pendlerei war äusserst anstrengend. Es wäre auf Dauer zu mühsam geworden, zudem spielt sich das Leben meiner jungen Familie in Bern ab», sagt Schirinzi. Er löste den Kontrakt mit den Liechtensteinern in gegenseitigem Einvernehmen auf und kehrte in die Hauptstadt zurück, wo er beim Quartierclub die Möglichkeit hat, auf gutem Niveau das zu tun, was er immer noch am liebsten macht, nämlich Fussball zu spielen. «Gleichzeitig kann ich den Fokus voll auf die Jobsuche richten, das ist ideal.»

Die grandiose Zeit in Thun

Zwischen 2010 und 2017 absolvierte Schirinzi fast 200 Pflichtspiele für den FC Thun, konnte bei den Berner Oberländern seine dynamischen Flügelläufe 2013 sogar eine Saison in der Europa League zelebrieren. «Es war eine grandiose Zeit in Thun, die mich nicht nur als Sportler sehr stark beeinflusst hat», erklärt der einstige YB-Junior, der im Moment offiziell arbeitslos ist und beim RAV angemeldet ist.

Überhaupt habe ihm der Fussball in all den Jahren ausserordentlich viel gegeben und sein Leben natürlich stark geprägt. «Ich kann mir deshalb schon vorstellen, auch in Zukunft mit dem Fussball verbandelt zu bleiben», meint Schirinzi. Ob als Trainer oder Ausbildner, Sportchef, Talentmanager oder Funktionär: Die Palette an möglichen Engagements ist breit gefächert. Schirinzi will herausfinden, was ihm am meisten taugt.

Ein Frühling der Ausbildung

Beim FC Breitenrain hat er die Möglichkeit, in verschiedene ­Bereiche reinzuschnuppern. Im Vorfeld des Cupspiels gegen den FC Zürich half er etwa abends freiwillig Sandro Reinhard, dem zu 40 Prozent fix angestellten Geschäftsführer des FCB. Schirinzi übernahm dabei ehrenamtlich diverse organisatorische Aufgaben, sah, welche Detailarbeit vonnöten ist, um einen Grossanlass überhaupt zu stemmen.

«Es war extrem wertvoll, mitzubekommen, was so alles dahintersteckt», sagt Schirinzi, der aber auch seinem aktuellen Coach Martin Lengen bei dessen Trainingsgestaltung ganz genau über die Schultern schaut. Überdies durfte Schirinzi auch schon für seinen ehemaligen Mitspieler und Trainer Mauro Lustrinelli, dem aktuellen Coach der U-21-Nationalequipe, Scouting-Aufgaben übernehmen. Eine Sache, «die sehr viel Spass gemacht hat». Ab nächstem Frühling visiert Schirinzi nämlich selber das Trainer-B-Diplom an.

Zudem plant der einstige KV-Lehrling, sich an der Universität St. Gallen für die CAS-Ausbildung in Sportmanagement einzuschreiben. Ein anspruchsvoller Lehrgang, den auch einstige Sportgrössen wie Radfahrer Fabian Cancellara oder der aktuelle YB-Sportchef Christoph Spycher als Basis für ihre neue Karriere absolviert hatten. Der smarte Schirinzi überlässt nichts dem Zufall und ist somit auch ein schönes Vorbild für andere Berufssportler, die sich Gedanken nach ihrem Karriereende machen.

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