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Berns Kroos greift wieder an

Michel Aebischer, grosses Mittelfeldtalent bei YB, blickt auf schwierige Wochen zurück.

Michel Aebischer bei einem Heimspiel in Bern.
Michel Aebischer bei einem Heimspiel in Bern.
Andreas Blatter
Bedrängt von Taulant Xhaka.
Bedrängt von Taulant Xhaka.
Keystone
Das offizielle Porträtbild für die U21-Nationalmannschaft.
Das offizielle Porträtbild für die U21-Nationalmannschaft.
Keystone
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Am Dienstagabend sass Michel Aebischer wie Hunderte Millionen Menschen weltweit vor dem TV. Champions-League-Pflichttermin, das Spektakel zwischen Dortmund und Real Madrid (1:3) liess sich Aebischer nicht entgehen. Real ist sein Lieblingsteam, Toni Kroos der Lieblingsspieler. Und die deutsche Passmaschine zelebrierte mal wieder einen Auftritt auf Weltklasseniveau. Umsichtig, fehlerfrei, grossartig.

Aebischer wurde auch schon als «Berns Toni Kroos» bezeichnet, einerseits wegen des Aussehens, andererseits auch wegen der – nun ja – ähnlichen, eleganten Spiel­weise. «Das stört mich natürlich nicht», sagt Aebischer, «zumal ich ja weiss, dass dieser Vergleich total übertrieben ist.»

Der Freiburger steht am Anfang einer hoffnungsvollen Karriere, 20 ist er, in dieser Saison wird er konfrontiert mit dem Auf und Ab vieler junger Fussballer. Gegen Basel und in Kiew stand er in den ersten zwei, grossen Partien in der Startformation, enttäuschte wie das ganze Team beim 1:3 in Kiew, flog aus der Mannschaft – und spielte erst am Sonntag in Sitten (1:0) wieder von Beginn an. «Rückschläge gehören zur Entwicklung», sagt Aebischer, «zudem war ich im Sommer krank. Und es gibt vier starke zentrale Mittelfeldspieler.»

Die Konkurrenten agierten überzeugend, Aebischer wurde in der Hierarchie durchgereicht, nun hat er den Anschluss realisiert, zumal Leonardo Bertone verletzt ist. Er sagt: «Ich will meine Dynamik stärker einbringen und wieder torgefährlicher werden.»

Ein ungeschliffener Juwel

Michel Aebischer ist ein Fussballer, den die Trainer schätzen, weil er fleissig ist, lernbegierig, begabt. Ein Juwel, der geschliffen werden muss. «Michel ist auf einem guten Weg», sagt Adi Hütter. Der Coach mag die Vielfalt im Positions­casting. Weil Kraftpaket Sékou Sanogo am Sonntag gesperrt war, leiteten die ­20-jährigen Techniker Michel Aebischer und Djibril Sow in Sitten den Aufbau an.

Aebischer ist ein selbstbewusster junger Mann, freundlich und anständig. Er hat eine Freundin, lebt bei den Eltern in Heitenried, mit dem neuen YB-Auto eine 25-Minuten-Fahrt vom Stade de Suisse entfernt. Geht es um die Vereinsziele, spricht er vom Potenzial und vom tollen Saisonstart, meint aber pflichtbewusst: «Wir nehmen Spiel für Spiel.» Schon 20-Jährige kennen die Fussballersprache.

Und irgendwann will Aebischer am Dienstagabend nicht mehr vor dem TV sitzen, sondern Protagonist der Champions League sein. Am liebsten vorerst mit YB, gern gegen Real Madrid, im Wunschtraum mit Real Madrid, ganz sicher später mit einem Team aus einer grossen Liga. «Das ist das Ziel jedes Fussballers», sagt er.

Unter Beobachtung steht der U-21-Nationalspieler schon lange, so ist das in diesem Geschäft, noch aber stehen die Vereine nicht Schlange. Dafür die Berater. Interessierte Klubs nämlich müssen sich bei Aebischer melden, er hat seine Laufbahn bisher mit der Familie organisiert. «Und Christoph Spycher war als Talentmanager und ist als Sportchef ein guter Ansprechpartner.»

Noch ohne Berater

Viele Berater buhlen um die Gunst Aebischers, bald will sich der Youngster entscheiden. Sein Karriereplan hört sich vernünftig an in Zeiten, in denen Talente oft zu früh ins Ausland wechseln: «Ich möchte mich bei YB etablieren und eine ganze Saison als Stammspieler bestreiten.» Vermutlich, sagt Aebischer auf Nachfrage noch, wäre ein Bundesligaklub ideal als nächster Arbeitgeber. In Deutschlands Eliteliga realisierte einst auch Toni Kroos den Durchbruch.

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