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Bettflaschen auf der Bank

Die Partie YB-Sion am Samstag fand bei unangenehmen Bedingungen statt. Im Cuphalbfinal der Young Boys gegen Basel ist es noch viel kälter.

Fabian Ruch
Dick eingepackt: Die Ersatzspieler Alexandre Letellier und Gregory Wüthrich. Auch Miralem Sulejmani griff nach seiner Auswechslung zur Daunenjacke.
Dick eingepackt: Die Ersatzspieler Alexandre Letellier und Gregory Wüthrich. Auch Miralem Sulejmani griff nach seiner Auswechslung zur Daunenjacke.
Raphael Moser

Die Schweiz steht vor sibirischen Tagen. Zu lesen ist von der «rus­sischen Kältepeitsche», die für empfindlich tiefe Temperaturen sorgt. Für Dienstagabend, wenn YB den FC Basel im Cuphalbfinal empfängt (20.15 Uhr), sind minus 12 Grad prognostiziert – und durch die eklige Bise sinkt die ­gefühlte Temperatur noch erheblich.

Das ist unschön für alle Beteiligten, Zuschauer wie Fussballer. «Aber es ist für alle Spieler gleich», sagt YB-Verteidiger Loris Benito. «Wir sind Profis und können uns schützen.»

Goalie Marco Wölfli erinnert sich an die Bedingungen im Europa-League-Sechzehntelfinal in St. Petersburg vor sieben Jahren, als YB bei Zenit 1:3 verlor und nach dem 2:1 im Hinspiel knapp scheiterte. «Damals war es minus 18 Grad. Das war heftig. Zum Glück lief ich am Ende dreimal mit nach vorne, weil wir ein Tor benötigten.»

Kein Problem für die Spieler

Die meisten Akteure spielten am bereits sehr kalten Samstagabend beim Spiel YB-Sion mit Handschuhen, andere mit funktionellen Leibchen unter dem Trikot – wobei YB-Abwehrspieler Kevin Mbabu nach wenigen Minuten an den Spielfeldrand rannte und sich des wärmenden Kleidungsstückes entledigte, weil er sich nicht wohl darin fühlte.

«Die Spieler entscheiden individuell», sagt Cuno Wetzel. Der YB-Chefarzt sagt, es bestehe grundsätzlich keine Gefahr für die Fussballer. «Sie sind alle in sehr guter körperlicher Verfassung und trainieren ja in diesen Tagen auch an der Kälte.» Es gelte, sich richtig aufzuwärmen und während des Spiels warm zu trinken. «Für Torhüter und Linienrichter sind die Bedingungen am schlimmsten, weil sie sich wenig bewegen», sagt Wetzel. «Und auch für die Ersatzspieler ist es nicht einfach.»

Auf der YB-Bank richteten sich die Reservisten am Samstagabend jedenfalls kuschelig ein. Christian Fassnacht erzählt von Wolldecken und dicken Kleidern, speziellen Schuhen und sogar heissen Bettflaschen. Nach seiner Einwechslung litt er unter den Temperaturen, weil er bis Anfang Woche krank gewesen war. «Das Atmen hat geschmerzt», sagt Fassnacht.

Sein Trainer Adi Hütter wiederum trotzte dem garstigen Rahmen der Veranstaltung vorerst noch mit erstaunlich lockerer Bekleidung, kehrte zur zweiten Halbzeit aber dick eingepackt und mit Kappe zurück. «Vor der Pause war unsere Leistung ja nicht gerade erwärmend», sagt Hütter.

Ungünstiger Zeitpunkt

Das grösste Problem in bissiger Kälte ist die Atmung. «Aber ein Hitzespiel ist medizinisch gesehen anspruchsvoller», sagt Arzt Wetzel, «weil es bei über 25 Grad sehr schwierig ist, die verlorene Flüssigkeit auszugleichen». Es war schon zu hören, die Uefa habe eine Regel aufgestellt, wonach eine Partie ab minus 15 Grad abgesagt werden könne. «Davon weiss ich nichts», sagt Wetzel. «Aber natürlich ist es für alle im Stadion unangenehm, wenn es so kalt ist.»

Am Dienstagabend wird es für die Zuschauer im Stade de Suisse richtig bitter. Den Cuphalbfinal Ende Februar unter der Woche anzusetzen, ist eine seltsame Planung. Im April hätte es genügend Termine gegeben, an denen die Affiche YB-Basel bei freundlichem Klima ausverkauft gewesen wäre. Am Dienstag werden rund 25'000 Zuschauer erwartet.

Aber wie vieles im Leben ist vielleicht auch der Umgang mit den frostigen Bedingungen Einstellungssache. Es gibt in vielen Fussballteams Betreuer, die immer in kurzen Hosen unterwegs sind. Bei YB ist das Materialchef Nico Zaugg. Das wird auch am Dienstagabend so sein. Zaugg sagt: «Ich habe nie kalt.»

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