Zum Hauptinhalt springen

Brisantes Duell um Blatters Nachfolge

Am Freitag wird im Zürcher Hallenstadion der Nachfolger des Fifa-Präsidenten Sepp Blatter gewählt. Vorbehalte sind bei allen Kandidaten gerechtfertigt.

Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (links) galt lange Zeit als unbestrittener Favorit auf das Präsidentenamt. Der Walliser Gianni Infantino (rechts) gilt als sein einziger echter Herausforderer
Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (links) galt lange Zeit als unbestrittener Favorit auf das Präsidentenamt. Der Walliser Gianni Infantino (rechts) gilt als sein einziger echter Herausforderer
Keystone

Scheich Salman bin Ibrahim Al Khalifa (50) aus Bahrain war bis zum Donnerstagabend noch Favorit auf den Fifa-Thron. Sein Auftritt in der Höhle des Löwen, auf dem ausserordentlichen Kongress der Europäischen Fussball-Union im Mövenpick-Hotel Oerlikon, war durchaus souverän. Bei zahlreichen anderen Ge­legenheiten in den vergangenen Wochen, etwa bei kritischen Medienanfragen zu den Vorwürfen seiner Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen bei der Niederschlagung der Demokratie­bewegung in Bahrain, machte Scheich Salman dagegen keine gute Figur. Seine Anwälte drohten, seine Spindoktoren verbreiteten Unsinn, der Scheich wurde wortkarg. Wenn er sprach, dann fabulierte er gern von einer schmierigen Kampagne gegen ihn.

Unterstützung aus der Heimat

Nach Zürich wurden nun einige Fussballer aus Bahrain eingeflogen und werden vielleicht sogar auf dem Kongress präsentiert, darunter ein Kicker, der das Mitglied des bahrainischen Königshauses einst beschuldigt und von Folter berichtet hatte, der inzwischen aber seine Meinung geändert hat.

Im deutschen TV-Sender Sky behauptete Scheich Salman kürzlich: «Ich kann zu einer Million Prozent garantieren, dass in bahrainischen Gefängnissen keine Athleten gefoltert worden sind.» Aussagen wie diese nennt einer der Gefolterten, der ehe­malige Juniorennationalspieler Hakeem al-Oraibi, dem die Flucht nach Australien gelang, «eine grosse Lüge». Scheich Salman und seine Anwälte, die Medien unter Druck setzen, tun wenig, um die Vorwürfe seriös aufzuklären.

Ist Scheich Salman, «Mister Eine-Million-Prozent», ein geeigneter Kandidat, um die Fifa in eine transparente Zukunft zu führen, ja überhaupt die Zukunft des Weltverbandes zu sichern? In seinem asiatischen Verband AFC betrachtet er sich zwar als Reformer, das hat er den Uefa-Delegierten in Zürich auch nochmals erzählt. Tatsache aber ist, dass die zahlreichen Korruptionsvorgänge im AFC-Reich bis heute nicht rigoros aufgearbeitet worden sind.

Bis zum Donnerstag durfte Scheich Salman einige der mächtigsten Figuren des olympischen Weltsports zu seinen Unterstützern zählen: Russlands Präsident Wladimir Putin, der vor wenigen Tagen erst einen Pakt mit Bahrains König Hamad bin Isa Al Khalifa geschlossen hat, Emir ­Tamim aus Katar und Scheich Ahmad al-Fahad al-Sabah aus ­Kuwait. Der kuwaitische Scheich, der auch eine gigantische halbe Milliarde Dollar aus dem IOK-Entwicklungshilfetopf verwaltet, hat Scheich Salman schon bei anderen Gelegenheiten unterstützt.

In Zürich wird Salman auf Schritt und Tritt von Helfern des Scheichs begleitet. Wichtige Wahlen im Weltsport wurden schon oft in der Nacht vor der Wahl entschieden, oft genug wechselten Geldbündel den Besitzer. Scheich Salman konnte in der Nacht zum Freitag nur alles verlieren – aber warum sollten seine Unterstützer plötzlich moralische Bedenken bekommen und die Seiten wechseln?

Infantino: Rasante Karriere

Gianni Infantino (45) aus Brig ist der einzige Kandidat, der den Sieg von Scheich Salman verhindern kann. Gelingt dies, dann wäre das weniger ein Verdienst Infantinos als vielmehr glückliche Fügung. Auch müsste seriös ermittelt werden, mit welchen Mitteln dieser Last-Minute-Sieg ge­gen eine einflussreiche Allianz von Ölscheichs zustande gekommen sein würde.

Er wurde von der gesamten Uefa-Administration unterstützt, inklusive der einst für die Fifa-Kandidatur von Michel Platini angeheuerten PR-Leute und Spindoktoren. Infantinos Aufstieg vom Uefa-Generalsekretär zum Fifa-Präsidenten wäre eine der rasantesten, überraschendsten Karrieren in der Geschichte des Weltsports – Plan B eben, Plan A hiess schliesslich Michel Platini. Bis vor wenigen Wochen war der sprachgewandte Schweizer noch treuer Diener des suspendierten Uefa-Präsidenten Platini.

Der ausgeschlagene Deal

Einen Fifa-Deal mit Scheich Salman, an dem offenbar die Russen und der kuwaitische Stimmendealer Scheich al-Sabah mitgewirkt haben, hat Infantino ausgeschlagen – so erzählte es jedenfalls Russlands Sportminister Witali Mutko, der dem Fifa-Exekutivkomitee angehört: Infantino sollte aufgeben und unter dem Fifa-Präsidenten Salman stattdessen Generalsekretär werden. Als Erfüllungsgehilfe Platinis sorgte Infantino in den vergangenen Jahren dafür, dass Europas Verbände sich wichtigen Fifa-Reformen verweigerten. Ausgerechnet er gibt nun den Reformer und behauptet, er sei der richtige Mann, der die Fifa aus der existenziellen Krise zu führen vermöge.

Im Wahlkampf wirbt er unentwegt mit Geld: Einerseits erzählt er die Erfolgsgeschichte der Uefa und ihrer Champions League. Die Umsätze des drittreichsten Verbandes der Welt (nach Fifa und IOK) haben sich in den vergangenen Jahren verdreifacht, die Ausschüttungen an die Nationalverbände verfünffacht. Den 209 Fifa-Mitgliedsnationen versprach er die Ausschüttung von 1,5 Milliarden Dollar pro Vierjahreszyklus – woraufhin Scheich Salman öffentlich vorrechnete, dass die Fifa pleiteginge, sollten derlei Planspiele Wirklichkeit werden.

Mit einer Erhöhung der jährlichen Tantiemen und Sonderausschüttungen an Nationalverbände kann man immer punkten. Infantino ist nicht der einzige Kandidat, der mehr Geld verspricht. Letztlich sind derlei Versprechen ein Eckpfeiler des Systems Blatter, eines Systems, das doch eigentlich überwunden werden soll. So sehr unterscheidet sich Gianni Infantino da gar nicht von seinem berühmten Walliser Landsmann. Infantino hat die Unterstützung grosser europäischer Verbände – etwa aus Deutschland und England.

Doch was Zentraleuropa als gemeinsamen Willen formuliert, kam in der Fifa selten durch. Infantinos Aussagen zum teilweise kriminellen System in der grossen Fifa-Familie sind inhaltlich dünn. Im Rahmen der Uefa machten er und Platini in der Korruptionsaufklärung nie eine gute Figur – einige drängende Fragen und Vorwürfe blieben unaufgeklärt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch