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Constantin holt Gattuso ins Wallis

Christian Constantin hat einen veritablen Transfercoup realisiert. Für zwei Jahre verpflichtete der Präsident des FC Sion den italienischen Mittelfeldspieler Gennaro Gattuso.

Spielt schon bald in der Super League: Gennaro Gattuso.
Spielt schon bald in der Super League: Gennaro Gattuso.
Keystone

Weltmeister 2006, Champions-League-Sieger 2003 und 2007, Klub-Weltmeister 2007 und italienischer Meister 2004 und 2011: Noch nie machte ein Spieler mit diesem Palmarès Halt in der Schweizer Liga. An die Erfolge von Gennaro Gattuso kommen auch Giancarlo Antognoni, Marco Tardelli und Karl-Heinz Rummenigge nicht heran, die in den Achtzigerjahren den Schweizer Fussball beehrten. Am Freitagnachmittag wird Gattuso im Wallis anlässlich einer Pressekonferenz offiziell vorgestellt.

Der letzte Weltmeister in der Schweiz war der Franzose Christian Karembeu, der 2004/2005 für Servette spielte. Sein Engagement in der Schweiz endete mit dem Konkurs der Genfer. Ein solches Szenario hat Gattuso in Sitten mutmasslich nicht zu befürchten. Nach langen Gesprächen konnte Constantin den hemdsärmligen Mittelfeldspieler, der aus Kalabrien, im tiefen Süden Italiens, stammt, von den Vorzügen des Wallis, des FC Sion und der Schweizer Super League überzeugen.

Gattuso hatte seit 1999 für Milan gespielt und gewann mit dem Mailänder Grossklub alle Titel, die es zu gewinnen gibt. Nach 13 Jahren wurde sein Vertrag bei Milan infolge eines radikalen Generationenwechsels vor wenigen Wochen nicht mehr verlängert. Nicht nur er, auch Filippo Inzaghi, Alessandro Nesta, Mark van Bommel, Gianluca Zambrotta und Clarence Seedorf verlängerten ihre Verträge nicht mehr.

Mit 34 Jahren machte Gattuso kein Geheimnis aus seinen Absichten. Er hatte als zweifacher Familienvater keinen Bock mehr auf den mentalen Stress der italienischen Serie A. Gattusos Frau kommt aus Schottland, der Wunsch der Familie war es, zu den Glasgow Rangers zurückzukehren, für die Gattuso schon 1998/99 gespielt hatte. Der Transfer scheiterte an den finanziellen (Un-)möglichkeiten der Schotten. Die Rangers standen lange vor dem Konkurs, ihre Zukunft ist weiterhin ungewiss. Die Verhandlungen mit Galatasaray Istanbul führte Gattuso ebenfalls nicht zu Ende.

Ob Gattusos Verpflichtung einen sportlichen Mehrwert darstellt, bleibt abzuwarten. Nach einem Kreuzbandriss im Dezember 2008 kam Gattuso nie mehr ganz zurück. In der Saison 2010/2011 war er zwar nochmals Stammspieler, doch dann warf ihn eine mysteriöse Augenverletzung erneut aus der Bahn. Gattuso fiel Monate lang aus und kam erst in der Endphase der Saison noch zu sechs Teileinsätzen.

Sicher ist, dass Gattuso der Super League aber einen unerwarteten Glamourschub verleihen wird. Seine harten und emotionalen Auftritte sind mitreissend. Obwohl er über ein Jahrzehnt lang für einen Grossklub engagiert gewesen war, erreichte Gattuso in Italien landauf, landab hohe Sympathiewerte. Gattuso war auf dem Spielfeld nie ein Blender. Er spielte das, was er konnte. Er hielt jahrelang dem Regisseur Andrea Pirlo den Rücken frei. Gattuso war ein harter Kämpfer, der aber auch ohne Augenzwinkern einstecken konnte. Das wurde bei Freund und Feind selbst im heiklen Klima des Calcio respektiert.

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