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Constantin: «Murat ist wie ein kleines Kind»

Sions Chef schickt seinen Trainer in die Ferien. Er kritisiert dessen Arbeitsmoral scharf.

Thomas Schifferle
Murat Yakin ist nicht der erste Super-League-Trainer der in dieser Saison seinen Stuhl räumen musste. (Video: Tamedia)

Am letzten 17. September sagte Christian Constantin über Murat Yakin: «Er ist der beste Trainer in der Schweiz seit 2010.» Das war zur Einführung seines neuen leitenden Angestellten und der Start eines besonderen Experiments, weil es beim FC Sion zwei Alphatiere zusammenführte. Wie soll das gehen, Monsieur Constantin? «On verra …», sagte der Alleinherrscher über den Walliser Verein und lachte lauthals.

Am 28. Januar flog Constantin von Sitten nach Zürich, mit dem Auto fuhr er zum Kaufleuten und wunderte sich über die hohen Parkgebühren. Nachher gab er die Botschaft des Tages bekannt: «Bon, wir verlängern den Vertrag mit Murat um zwei Jahre.»

Jetzt, drei Monate später, sagt er: «Je m’en fous», was damals war, ist ihm herzlich egal. Und darum hat er keine Mühe, den neuesten Entscheid zu treffen: Er schickt Yakin bis zum Saisonende in die Ferien, weil er Angst hat, dass Sion mit diesem Trainer in die Barrage rutscht. Ein Punkt nur beträgt die Reserve auf Xamax, neun waren es noch, bevor eine Serie mit fünf sieglosen Spielen folgte.

Der Chef als Überwacher

Christian Zermatten und Sébastien Bichard kümmern sich ab sofort ums Training. Überwacht werden sie vom Chef. «Wenn sie mir eine Aufstellung zeigen und ich keine Einwände habe, es aber schiefgeht, dann ist es mein Fehler», sagt Constantin.

Im Moment geht es ihm nur um eines: «Um die Mannschaft, um nichts sonst.» Wer für Sion nicht genügend Leidenschaft aufbringt, hat es schwer mit ihm. Darum stört er sich daran, dass Yakin vor dem Auswärtsspiel beim FCZ (und auch schon vorher) nicht im Teamhotel übernachtete. Dass für Yakin mit seinem Staff kein Platz mehr gewesen sei, ist für ihn nur eine faule Ausrede. Dass der Trainer die Vorwürfe zuerst bestritt, macht es für ihn auch nicht besser. Darum sagt Constantin: «Murat ist wie ein kleines Kind, das mit verschmiertem Mund bestreitet, Nutella gegessen zu haben.» Und bittet: «Schreiben Sie das so!»

«Ich zahle, und ich zahle gut», sagt CC. Deshalb erwartet er von seinen Angestellten eine entsprechende Arbeitsmoral. Bild: Keystone
«Ich zahle, und ich zahle gut», sagt CC. Deshalb erwartet er von seinen Angestellten eine entsprechende Arbeitsmoral. Bild: Keystone

Der Präsident ist ein Schwerarbeiter, er will darum Leute mit der gleichen Mentalität um sich herum haben. «Ich bin der Arbeitgeber», sagt er, «ich zahle, und ich zahle gut. Wer bei mir ist, muss sich anpassen.» Seine Diagnose bei Yakin heisst: «Ihm fehlt der nötige Willen für die Arbeit.»

Darum will er sich eingehend kümmern, wenn die Saison zu Ende ist. Er will Yakin nicht aufgeben, er will ihn formen und aus ihm einen Leader machen. Yakin soll intensiv Französisch lernen. «Wenn nicht zum selbst reden, dann nur schon, um mich zu verstehen», sagt Constantin.

Die Zeit im Wallis ist für Murat Yakin vorerst vorbei: Der FC Sion beurlaubt den 44-Jährigen bis Ende Saison. Präsident Christian Constantin hat ihn aber noch nicht aufgegeben und will ihn formen.
Die Zeit im Wallis ist für Murat Yakin vorerst vorbei: Der FC Sion beurlaubt den 44-Jährigen bis Ende Saison. Präsident Christian Constantin hat ihn aber noch nicht aufgegeben und will ihn formen.
Pascal Muller/freshfocus
Die Grasshoppers präsentieren Yakin Ende August 2017 als Nachfolger von Carlos Bernegger. Der Coach kommt vom Partnerclub Schaffhausen, den er aus der Abstiegszone an die Spitze der Challenge League geführt hat. Er sagt: «Ein Muri gehört in die Super League.» Im Gegenzug wechselt Boris Smiljanic von der GC-U-21 zu Schaffhausen.
Die Grasshoppers präsentieren Yakin Ende August 2017 als Nachfolger von Carlos Bernegger. Der Coach kommt vom Partnerclub Schaffhausen, den er aus der Abstiegszone an die Spitze der Challenge League geführt hat. Er sagt: «Ein Muri gehört in die Super League.» Im Gegenzug wechselt Boris Smiljanic von der GC-U-21 zu Schaffhausen.
Keystone
Die GC-Verantwortlichen decken den Hoffnungsträger mit salbungsvollen Worten ein. Sportchef Mathias Walther (l.) sagt: «Wir bauen voll auf Yakin, auch mittelfristig.» Mit Yakin sind auch die Ambitionen zurück. Walther: «GC ist ein Club, der europäisch spielen muss.»
Die GC-Verantwortlichen decken den Hoffnungsträger mit salbungsvollen Worten ein. Sportchef Mathias Walther (l.) sagt: «Wir bauen voll auf Yakin, auch mittelfristig.» Mit Yakin sind auch die Ambitionen zurück. Walther: «GC ist ein Club, der europäisch spielen muss.»
Keystone
Es herrscht Aufbruchstimmung in Niederhasli, als der Basler die ersten Trainings leitet.
Es herrscht Aufbruchstimmung in Niederhasli, als der Basler die ersten Trainings leitet.
Keystone
Yakin erfüllt, was von ihm erwartet wird: Er macht die Mannschaft besser. Der Erfolg stellt sich schnell ein, GC bleibt in den ersten acht Spielen (6 Super League, 2 Cup) unter ihm ungeschlagen und rückt von Tabellenplatz 9 auf 5 vor. Höhepunkt ist der 4:0-Sieg am 21. Oktober 2017 im Derby gegen den FCZ.
Yakin erfüllt, was von ihm erwartet wird: Er macht die Mannschaft besser. Der Erfolg stellt sich schnell ein, GC bleibt in den ersten acht Spielen (6 Super League, 2 Cup) unter ihm ungeschlagen und rückt von Tabellenplatz 9 auf 5 vor. Höhepunkt ist der 4:0-Sieg am 21. Oktober 2017 im Derby gegen den FCZ.
Keystone
Ende Oktober endet die schöne Serie, Yakin muss in St. Gallen erstmals einem Coach eines Konkurrenten – Giorgio Contini – zum Sieg gratulieren. Weil GC nach dem 1:3 in der Ostschweiz aber gegen Lausanne und Thun gewinnt, klettert es sogar auf Rang 3.
Ende Oktober endet die schöne Serie, Yakin muss in St. Gallen erstmals einem Coach eines Konkurrenten – Giorgio Contini – zum Sieg gratulieren. Weil GC nach dem 1:3 in der Ostschweiz aber gegen Lausanne und Thun gewinnt, klettert es sogar auf Rang 3.
Keystone
In dieser Zeit tut Yakin, was er bei jeder seiner Trainerstationen getan hat: Er legt sich mit einem Schlüsselspieler an. Diesmal trifft es Runar Mar Sigurjonsson (r.). Yakin kritisiert den Isländer öffentlich, sagt über ihn: «Er ist mehr Einzelspieler als Teamplayer.» Der Nordländer kommt bis zum Ende der Hinrunde nur noch sieben Minuten zum Einsatz und flüchtet zu St. Gallen.
In dieser Zeit tut Yakin, was er bei jeder seiner Trainerstationen getan hat: Er legt sich mit einem Schlüsselspieler an. Diesmal trifft es Runar Mar Sigurjonsson (r.). Yakin kritisiert den Isländer öffentlich, sagt über ihn: «Er ist mehr Einzelspieler als Teamplayer.» Der Nordländer kommt bis zum Ende der Hinrunde nur noch sieben Minuten zum Einsatz und flüchtet zu St. Gallen.
Keystone
Im Winter krempelt Yakin die von Sportchef Walther zusammengestellte Mannschaft im grossen Stil um. Sieben Spieler müssen gehen, sieben kommen, darunter Bujar Lika (Bild) vom Partnerclub Schaffhausen.
Im Winter krempelt Yakin die von Sportchef Walther zusammengestellte Mannschaft im grossen Stil um. Sieben Spieler müssen gehen, sieben kommen, darunter Bujar Lika (Bild) vom Partnerclub Schaffhausen.
Keystone
Der Verdacht liegt nahe, dass Yakins Ziehvater Erich Vogel beim personellen Umbau seine Finger im Spiel hat.
Der Verdacht liegt nahe, dass Yakins Ziehvater Erich Vogel beim personellen Umbau seine Finger im Spiel hat.
Keystone
Der ewige GC-Einflüsterer fädelt die Transfers zusammen mit Yakin und GC-Vizepräsident Roland Klein ein, der seine Kompetenzen überschreitet, indem er ins Tagesgeschäft eingreift. Sportchef Walther spielt kaum mehr eine Rolle.
Der ewige GC-Einflüsterer fädelt die Transfers zusammen mit Yakin und GC-Vizepräsident Roland Klein ein, der seine Kompetenzen überschreitet, indem er ins Tagesgeschäft eingreift. Sportchef Walther spielt kaum mehr eine Rolle.
Keystone
Zum Ende der Winterpause degradiert Yakin den nächsten Führungsspieler. Er setzt Abwehrchef Milan Vilotic als Captain ab.
Zum Ende der Winterpause degradiert Yakin den nächsten Führungsspieler. Er setzt Abwehrchef Milan Vilotic als Captain ab.
Keystone
Im März 2018 geht es Schlag auf Schlag in Niederhasli.Sportlich ist GC weiter im Sinkflug. Nach dem 0:0 am 3. März gegen Lausanne sagt Yakin: «Ich kann ja nicht mich und Hakan aufstellen. Und dazu noch den gesamten Staff.» Es ist nicht gerade ein Vertrauensbeweis an seine Spieler. Im selben Match beleidigen Yakin und sein Bruder-Assistent den Schiedsrichter, wofür sie gesperrt werden.
Im März 2018 geht es Schlag auf Schlag in Niederhasli.Sportlich ist GC weiter im Sinkflug. Nach dem 0:0 am 3. März gegen Lausanne sagt Yakin: «Ich kann ja nicht mich und Hakan aufstellen. Und dazu noch den gesamten Staff.» Es ist nicht gerade ein Vertrauensbeweis an seine Spieler. Im selben Match beleidigen Yakin und sein Bruder-Assistent den Schiedsrichter, wofür sie gesperrt werden.
Keystone
Im Bestreben, den internen Strömungen entgegenzuwirken, suspendiert GC am 9. März 2018 Vizepräsident Klein. Präsident Stephan Anliker (Bild) spricht von einer «Schattenorganisation», die sich gebildet habe.
Im Bestreben, den internen Strömungen entgegenzuwirken, suspendiert GC am 9. März 2018 Vizepräsident Klein. Präsident Stephan Anliker (Bild) spricht von einer «Schattenorganisation», die sich gebildet habe.
Keystone
Acht Tage später verliert GC 1:2 in St. Gallen. Der Matchwinner für die Ostschweizer heisst Runar Sigurjonsson (u.), der das erste Tor schiesst und das zweite vorbereitet. Nach dem Sieg gegen seinen ehemaligen Verein sagt er im «St. Galler Tagblatt»: «Yakin spielt ein Kindergartenspiel. Seit er im Club ist, geschieht Seltsames. Das wiederum beeinflusst die Spieler, weil sie über die negativen Dinge reden, die ständig passieren.»
Acht Tage später verliert GC 1:2 in St. Gallen. Der Matchwinner für die Ostschweizer heisst Runar Sigurjonsson (u.), der das erste Tor schiesst und das zweite vorbereitet. Nach dem Sieg gegen seinen ehemaligen Verein sagt er im «St. Galler Tagblatt»: «Yakin spielt ein Kindergartenspiel. Seit er im Club ist, geschieht Seltsames. Das wiederum beeinflusst die Spieler, weil sie über die negativen Dinge reden, die ständig passieren.»
Keystone
Ende März 2018 verkündet der enttäuschte Schaffhausen-Präsident Aniello Fontana (r.) das Ende der Zusammenarbeit mit GC. Den Grund erläutert er in den «Schaffhauser Nachrichten»: «Auch wenn mit dem Abgang von Murat Yakin klar abgemacht war, dass keine Spieler des FCS abgezogen werden, hielt sich unser Vertragspartner nicht daran.» Er spricht von Jean-Pierre Rhyner und Bujar Lika, die im Winter zu GC wechselten.
Ende März 2018 verkündet der enttäuschte Schaffhausen-Präsident Aniello Fontana (r.) das Ende der Zusammenarbeit mit GC. Den Grund erläutert er in den «Schaffhauser Nachrichten»: «Auch wenn mit dem Abgang von Murat Yakin klar abgemacht war, dass keine Spieler des FCS abgezogen werden, hielt sich unser Vertragspartner nicht daran.» Er spricht von Jean-Pierre Rhyner und Bujar Lika, die im Winter zu GC wechselten.
Keystone
Zwei Tage später publiziert der «Blick» Auszüge aus dem internen Team-Chat. Dort schiesst Vilotic scharf gegen den Trainer, wirft ihm auf Englisch «schamlose Spielchen» vor. Yakin fällt dazu vor dem Match gegen Thun folgender Satz ein: «Meine Spieler können das ausblenden. Die eine Hälfte kann nicht lesen. Die andere Hälfte versteht es nicht einmal.» GC verliert im Letzigrund 0:2.
Zwei Tage später publiziert der «Blick» Auszüge aus dem internen Team-Chat. Dort schiesst Vilotic scharf gegen den Trainer, wirft ihm auf Englisch «schamlose Spielchen» vor. Yakin fällt dazu vor dem Match gegen Thun folgender Satz ein: «Meine Spieler können das ausblenden. Die eine Hälfte kann nicht lesen. Die andere Hälfte versteht es nicht einmal.» GC verliert im Letzigrund 0:2.
Keystone
Es scheint bereits klar, dass Yakin keine Zukunft mehr hat bei GC. Und auch sonst brodelt es weiter. Der «Blick» veröffentlicht am 4. April eine Lohnliste mit der Schlagzeile: «Lohn-Wahnsinn bei GC». Die Zahlen, die dort zu finden sind, verweist CEO Manuel Huber ins Reich der Fabeln.
Es scheint bereits klar, dass Yakin keine Zukunft mehr hat bei GC. Und auch sonst brodelt es weiter. Der «Blick» veröffentlicht am 4. April eine Lohnliste mit der Schlagzeile: «Lohn-Wahnsinn bei GC». Die Zahlen, die dort zu finden sind, verweist CEO Manuel Huber ins Reich der Fabeln.
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