Das fröhliche FCZ-Casting

Vor dem Spiel in Basel ist Trainer Magnin bester Laune – ein paar Punkte täten seinem FCZ trotzdem gut.

Ludovic Magnin. Foto: Merz (Keystone)

Ludovic Magnin. Foto: Merz (Keystone)

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Ludovic Magnin ist jetzt schon ein Sieger. Noch bevor der Klassiker zwischen dem FC Basel und seinem FC Zürich auch nur angepfiffen ist. Denn der FCZ-Trainer hat nach dem Stromausfall vom 3. März darauf gewettet, dass die Partie an einem anderen Datum nachgeholt werden würde. Damit hat er gegen einen Freund ein Essen gewonnen: «Mit den Kindern, das wird richtig teuer!» Magnin reibt sich begeistert die Hände.

Sowieso ist der 38-Jährige an diesem Montag blendend gelaunt. Würde sein Team so spielen, wie Magnin an diesem Pressegespräch auftritt – die FCZ-Spiele wären ein Spektakel. Der Fussball wäre frech, mutig, mit Witz – und das alles gewürzt mit einer Portion unkon­trollierter Tollkühnheit, bei der nie ganz sicher ist, ob sie nicht irgendwann einmal zu einem Eigentor führt.

Magnin legt die Messlatte hoch

Eigentore hat der FCZ in den sechs Spielen unter Magnin keine geschossen. Dafür hielt sich aber auch der Unterhaltungswert der Partien meist in engen Grenzen. Das war zwar unter Vorgänger Uli Forte oft auch der Fall. Aber war es nicht Magnin, der sich selbst die Messlatte so hoch wie nur möglich legte, als er bei seinem Amtsantritt eifrig erklärte, Fussball spielen lassen zu wollen wie der frühere Zürcher Meistermacher und Clubheilige ­Lucien Favre?

Auch vor der Partie in Basel lässt ­Magnin einen Satz fallen, der ihm irgendwann um die Ohren fliegen könnte. Letzte Woche war er im Rahmen seiner Trainerausbildung in Nizza, um von ebendiesem Vorbild Favre zu lernen. Und dann sagt er über den Besuch in ein Radiomikrofon: «Es ist interessant, jemandem zuzuschauen, der die gleiche Idee von Fussball hat wie ich.»

Stammspieler gesucht

Von dieser Idee ist beim FCZ bislang nicht viel zu sehen. Was auch daran liegt, dass Magnin noch keine Stammformation gefunden hat. Er selbst verweist auf gesperrte und verletzte Spieler, wenn er auf die vielen Wechsel angesprochen wird, die er bislang nach fast jedem Spiel vorgenommen hat. Aber er gibt auch zu: «Ein neuer Trainer ist zunächst immer erst auf der Suche nach seiner Stammmannschaft.» Also führt Magnin nun eine Art Fussballercasting durch. «Ich muss einen Spieler dreimal in einem Match beobachtet haben, um zu wissen, was er kann», sagt er, «es bringt mir nichts, wenn einer bloss ein Trainingsweltmeister ist.»

Magnin wechselt aber nicht nur stets die Spieler seiner Startaufstellung, er ändert auch häufig seine taktische Formation. Vom 3-5-2 über ein 4-1-4-1 bis zum 4-2-3-1 war alles dabei. Und wenn sich einer als Stammspieler fühlen darf wie Kevin Rüegg, dann heisst das noch lange nicht, dass er auch eine angestammte Position hat. Der 19-jährige ­Rüegg spielte unter Magnin als Aussenverteidiger, als Flügel und als defensiver Mittelfeldspieler.

«Es ist so schwierig, zu sagen, wie sie spielen werden.»Raphael Wicky

Positiv formuliert, wirbelt Magnin sein Team so häufig durch, dass ein gegnerischer Trainer wie der Basler ­Raphael Wicky nicht entschlüsseln kann, in welcher Aufstellung die Zürcher heute in Basel wohl auftreten: «Es ist so schwierig, zu sagen, wie sie spielen werden.»

Auf der negativen Seite hat der FCZ bislang aber auch noch nicht zu einer Einheit gefunden. Fünf Punkte aus fünf Ligaspielen sind eine magere Bilanz. Als Höhepunkt steht noch immer der Sieg im Cup-Halbfinal gegen die ­Grasshoppers in der Bilanz. Das war das zweite Spiel unter Magnin.

Von oben abgesegnetes Pröbeln

Sein Pluspunkt ist, dass er die Club­führung in seinem Pröbeln hinter sich weiss. FCZ-Präsident Ancillo Canepa ­erklärte nach dem Trainerwechsel von Forte zu Magnin im Februar, die restliche Saison solle auch genutzt werden, um die nächste Spielzeit vorzubereiten.

Bloss sollte darüber der Blick auf die Tabelle nicht gänzlich vergessen gehen. Noch liegt der FCZ auf Rang 5, der zur Qualifikation zur Europa League berechtigt, weil der designierte Meister YB im Cupfinal steht. Aber nun treffen die Zürcher in zwölf Tagen auf die ersten vier der Super League. Ein happiges Programm würden einige sagen. Andere, wie Optimist Magnin, erklären: «Wenn wir in Basel punkten, ist das die Chance, Luzern und St. Gallen anzugreifen.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2018, 23:18 Uhr

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