Das neue Bümpliz

Nach der turbulenten letzten Saison wagt der SC Bümpliz einen Neuanfang in der regionalen 2. Liga.

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(Bild: Raphael Moser)

Simon Scheidegger@@theSimon_S

Manchmal geschehen sie noch, die Fussballwunder. Vorzugsweise spät, tief in der Nachspielzeit, und vorzugsweise dann, wenn niemand damit rechnet. Am 12. Juni letzten Jahres ist auf dem Sportplatz Lamm in Schwanden die reguläre Spielzeit vorbei. Das Heimteam des FC Rothorn führt 1:0 und verwehrt seinem Gegner Bümpliz den sicher geglaubten Aufstieg.

Doch in der Nachspielzeit geschehen nicht nur Wunder, sondern es ist auch die Zeit, in der Helden geboren werden. Sekunden später avanciert David Eduardo Rosas Perez mit zwei Toren zu ebendiesem für den SCB, der so mit den Konkurrenten aus Allmendingen nach Punkten gleichzieht und dank der geringeren Anzahl an Strafpunkten in die interregionale 2. Liga aufsteigt.

Auch Beat Ma­thys erinnert sich noch gut an diesen Tag, spricht von «Emotionen pur», die er und seine Vereinskollegen damals erlebt hätten. Mit einem Jahr Abstand sagt der Präsident aber: «Der Aufstieg kam zu früh.» 14 Punkte holten die Bümplizer letzte Saison in den 26 Partien in der fünfthöchsten Spielklasse, 23 Zähler zu wenig für den Klassenerhalt. Dass zum zweiten Mal in Folge nach dem Aufstieg der direkte Wiederabstieg verarbeitet werden muss, hat jedoch nicht nur sportliche Gründe.

Veränderung der Mentalität

Vielmehr sahen sich die Exponenten des SCB immer wieder auch mit anderen Problemen konfrontiert. Dass beispielsweise nur eine Handvoll Spieler einem Training beiwohnte, war keine Seltenheit, was einen geregelten Trainingsbetrieb zu einem Ding der Unmöglichkeit verkommen liess. ­

Zudem mussten die Verantwort­lichen mehrmals auf unvorhergesehene Abgänge reagieren, wenn Spieler dem Lockruf finanzstärkerer Vereine folgten. Am Ende der Vorrunde schloss sich Stammtorhüter Petar Marinkovic dem FC Langenthal an, und da seine beiden Vertreter aus verschiedenen Gründen ebenfalls nicht mehr für einen Einsatz zur Verfügung standen, fand sich der SC Bümpliz auf einmal nicht nur mit lediglich acht Punkten auf dem zweitletzten Platz wieder, sondern auch ohne Torhüter – keine optimale Ausgangslage für eine Aufholjagd.

Die Suche nach einem Ersatz gestaltete sich schwierig. Schliesslich erklärte sich Carlo Sigrist, der bereits vor vier Jahren das Bümplizer Tor gehütet hatte, bereit dazu, vorübergehend zurückzukehren.

Der SC Bümpliz blickt auf turbulente Monate zurück. Nun, zurück in der regionalen 2. Liga, soll es im Klub wieder ruhiger werden. «Wir haben viel gelernt», sagt Mathys. Er spricht von einem «Neuanfang», davon, dass behutsam gearbeitet und eine gute Basis für eine nachhaltige Zukunft geschaffen werden soll.

Diese Strategie brachte auch im Kader der ersten Mannschaft beträchtliche Veränderungen mit sich. Mehr als zehn Spieler haben den Verein verlassen, ähnlich viele neue, junge Spieler sind dazugestossen. Die Mentalität in der Mannschaft soll verändert werden. Für Mathys ist zentral: «Jeder muss sich mit dem SC Bümpliz identifizieren können.»

Diese Maxime gilt sowohl für die Spieler als auch die Trainer. Mit Rolf Rotzetter und Hans Andreas Brechbühler steht beim SCB in dieser Saison ein erfahrenes Trainerduo an der Seitenlinie. Rotzetter verkörpert für Mathys die Extreme, die im Fussball erlebt werden können. Im März wurde er beim Promotion-Ligisten Köniz entlassen, gut einen Monat später kehrte er als Hoffnungsträger zum FC Wabern zurück und bewahrte diesen vor dem Abstieg in die 3. Liga.

Längerfristiges Projekt

Nun soll Rotzetter, assistiert vom langjährigen Kirchberg-Trainer Brechbühler, aus einer Ansammlung von Spielern ein Team formen. Mathys attestiert den beiden Fussballlehrern eine hohe Fachkompetenz und die Fähigkeit, junge Spieler zu fördern und weiterzuentwickeln. «Ich glaube nicht, dass das Projekt Bümpliz in einem Jahr abgeschlossen ist», sagt Rotzetter, der seine Spielerkarriere einst in Bümpliz lancierte.

Auch wenn die Erinnerungen an den Aufstieg vor einem Jahr noch frisch sind – von der neuerlichen Promotion spricht beim SCB niemand. Man will es ruhig angehen. Beat Mathys hofft auf eine Rangierung in den Top 6. Daran ändert auch die sonntägliche Niederlage im Auftaktspiel gegen Spiez (2:3) nichts. Das Tor von David Eduardo Rosas Perez, dem letztjährigen Aufstiegshelden, blieb für einmal ohne Wert.

Berner Zeitung

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