Das Wichtigste fehlt

Der Kommentar von BZ-Sportredaktor Philipp Rindlisbacher zur Strafe für Sion-Präsident Christian Constantin nach dessen Attacke gegen Rolf Fringer.

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Im April 2016 wurde Christian Constantin zu 5000 Franken Busse verurteilt, nachdem er einen Schiedsrichter massiv verbal bedroht und zur Hetzjagd gegen den Unparteiischen aufgerufen hatte. Das Verdikt war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Und es bestärkte den selbstherrlichen Walliser darin, zu tun und zu lassen, was er will, weiterhin jedem Gremium auf der Nase herumzutanzen.

Mit den Ohrfeigen gegen TV-Experte Rolf Fringer hat Constantin definitiv eine Grenze überschritten. Die Disziplinarkommission der Swiss Football League verhängt gegen ihn die höchste Sanktion in ihrer Geschichte: 100'000 Franken Busse, 14-monatige Platzsperre. Bei der Geldstrafe wurde jeglicher Spielraum aufgebraucht; was das Stadionverbot betrifft, sind in den Regularien gegen oben allerdings keine Grenzen gesetzt.

Ist das Urteil zu mild? Oder gar zu streng? Dass die Meinungen in der für den Entscheid zuständigen Kammer offenbar divergierten, verdeutlicht, wie heikel die Angelegenheit ist. Wer auf der Strasse einen Passanten ohrfeigt, wird wohl mit ein paar Hundert Franken Busse davonkommen. Wenn aber ein Fan im Stadion einen Offiziellen schlägt, darf dieser zwei Jahre lang keine Arena betreten.

Die Verantwortlichen bei der Liga erzählen, diese Beispiele liessen sich mit dem Fall Constantin kaum vergleichen. Mag sein. Doch gerade weil «CC» als Vereinsvorsitzender eine Vorbildfunktion besitzt und die Tat gar glorifizierte, wären mindestens zwei Jahre Sperre angebracht. Das Stadionverbot jedoch ist gar nicht so entscheidend. Wesentlicher ist, dass die Disziplinarkommission eine Chance verpasst hat. Am wichtigsten wäre es gewesen, ein Funktionsverbot auszusprechen. Constantin darf den FC Sion nämlich weiterhin präsidieren – einfach ausserhalb des Tourbillons.

Natürlich geht Constantin in die Offensive, der Liga hat er gewohnt galant mit Krieg gedroht. Auf die Umsetzung der Platzsperre darf man gespannt sein, ist der 60-Jährige doch Mieter des Stadions in Sion. Wird das Verbot missachtet, folgen weitere Strafen – eine juristische Schlammschlacht scheint garantiert zu sein. Womöglich wird Constantin versuchen, Sohn Barthélémy als verlängerten Arm einzusetzen. Weil dieser Fringer vor dem Ausraster des Vaters aufs Heftigste bedroht hatte, wurde ein Verfahren eingeleitet. Auch den Junior gilt es scharf zu sanktionieren.

Erstellt: 12.10.2017, 21:53 Uhr

Philipp Rindlisbacher ist stellvertretender Sportchef. Bild: Christian Pfander

Mail: p.rindlisbacher@bernerzeitung.ch

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