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Remo Meyer, der Beruhiger

Remo Meyer ist seit Sommer Sportchef beim FC Luzern. Der 37-jährige alte Bekannte von Christoph Spycher hat Stabilität in den Klub gebracht. Bald muss er einen wegweisenden Entscheid treffen.

Im Hintergrund: Sportchef Remo Meyer bewegt sich in Luzern fern des Rampenlichts. Er sagt: «Ich bin kein Lautsprecher.»
Im Hintergrund: Sportchef Remo Meyer bewegt sich in Luzern fern des Rampenlichts. Er sagt: «Ich bin kein Lautsprecher.»
Martin Meienberger / Freshfocus

Die Stimmung vor der Swissporarena ist am Donnerstag aufgekratzt. Ein junges Pärchen wartet mit Freunden im Regen vor dem Luzerner Stadion. Sie tragen Kleid und Anzug. Sie sind gekommen, um sich in der Arena für ihre Hochzeit ablichten zu lassen.

Beim FC Luzern kann man zudem auf dem Stadionrasen heiraten. Der FCL kann glücklich machen. Derzeit bereitet er vor allem Sorgen: Zweimal standen die Innerschweizer in dieser Saison am Tabellenende. Sollten sie am Sonntag zu Hause gegen Leader YB verlieren, drohen sie auf dem letzten Platz zu überwintern.

Die Frisur als Signal

Ganz in der Nähe sitzt Remo Meyer in einem Konferenzraum der Swissporarena. Seit dem 1. Juni ist er Sportchef. Seine Wahl kam überraschend, auch für ihn. Auf den Posten hatte er sich nicht beworben. Die Bilanz des 37-Jährigen fällt durchzogen aus. Vielleicht ist sein grösstes ­Verdienst, dass es trotz schwachen Darbietungen relativ ruhig geblieben ist. Sogar der unberechenbare Geldgeber Bernhard Alpstaeg hielt sich zurück. Ein Ziel sei gewesen, Stabi­lität in den Klub zu bringen. Er findet, dies sei ihm nicht schlecht gelungen.

Die Formulierung passt zu Meyer, er ist keiner, der sich zu wichtig nimmt. Als er gefragt wird, wie er sich charakterisieren würde, sagt er zuerst: als «zurückhaltend. Ich bin kein Lautsprecher. Ich muss mich nicht in den Vordergrund drängen.» Der Sportchef wählt seine Worte mit Bedacht, die Haare trägt er lang wie eh und je, aber nicht offen wie früher, als er Spieler in Luzern, Lausanne, München und Salzburg war, sondern akkurat zusammengebunden. Die wilden Zeiten sind vorbei.

Die unvergessliche Saison

Aufgewachsen ist Remo Meyer in Altbüron an der Grenze zum Kanton Bern. Ein bisschen weiter westlich, er würde nun vielleicht YB als Heimatverein bezeichnen. Meyer spielte kurze Zeit im Nachwuchs des FC Langenthal, aber in Altbüron war man als Jugendlicher Fan des FC Luzern. Bei den Innerschweizern lancierte Meyer vor der Jahrtausendwende auch seine Karriere, gemeinsam mit Alex Frei und Christoph Spycher, später schafften es die drei ins Nationalteam und die Bundesliga.

Frei sagte einmal: «In Luzern haben wir es auch mal krachen lassen. Wir haben uns nicht regelmässig alle Sicherungen rausgehauen, aber wir waren Spunde, Meyer, Spycher und ich. Wir hatten keine Familie, keine Freundin, da sind wir schon mal los.» Meyer bezeichnet die da­malige Zeit als unvergesslich. «Wir hatten viele tolle Typen. Nun trifft man sich wieder, in anderen Positionen, das ist schön.»

Frei ist der Götti von einem der drei Söhne Meyers, er ist auch einer seiner Vorgänger als Sportchef in Luzern, ein wichtiger Ansprechpartner. Mit Spycher habe er sich derweil schon länger nicht mehr ausgetauscht. Sobald das Tagesgeschäft in den Hintergrund rücke, sagt Meyer, möchte er das nachholen. Wobei: Seine Winterpause verspricht arbeitsreich zu werden, dringende Dossiers liegen auf dem Schreibtisch des Luzerner Sportchefs.

Der Trainer im Fokus

Da ist etwa die Personalie Reto Ziegler. Dem früheren Nationalspieler hat Remo Meyer Ende September einen Vertrag bis Ende Dezember gegeben. Seit Ende Oktober ist der 31-Jährige Stammkraft, Meyer muss jetzt die Frage beantworten, ob das für eine Weiterbeschäftigung genügt. Und da ist vor allem der Trainer Markus Babbel, dessen Arbeitspapier bis Ende Saison datiert ist.

Babbel polarisiert, er scheint den FC Luzern einerseits nicht voranzubringen. Andererseits: Unter dem deutschen Europameister waren die Innerschweizer am Ende der vergangenen drei Saisons nie schlechter als Fünfter. Und als die Luft für Babbel zuletzt immer dünner wurde, siegte er mit seinem Team gegen Sion und Zürich. Mit einem Erfolg gegen die Young Boys würden die Europacup-Plätze wieder in Reichweite liegen.

Das Jahr der Veränderung

Auf der Position des Trainers kann Meyer erstmals prägend wirken. Vieles war schon aufgegleist, als er im Juni übernahm. Massgebend ist beim FCL die von CEO Markus Källin erstellte Vision 2021. Sie sieht unter anderem vor, viele eigene Spieler ins Fanionteam einzubauen und Ehemalige in Führungspositionen zu installieren. Dieser Punkt war Meyers Chance. Unter einer anderen Führung wäre er wohl nicht zum Job gekommen.

Im Dezember 2016 hatte Meyer noch im kaufmännischen Bereich bei einem Rohstoffhändler gearbeitet. Daneben war er Spielertrainer in der 2. Liga inter bei Hochdorf. Sein Leben hat sich drastisch verändert. «Es ist eine grosse Herausforderung», sagt er. «Aber jetzt kann ich Arbeit und Leidenschaft verbinden.» Er hat sein Glück beim FC Luzern gefunden. Das junge Paar beim Stadioneingang tut es ja vielleicht auch.

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