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Der Charaktertest nach der Ära Yakin

In einem aussergewöhnlich heiklen Moment wartet eine an sich schöne Herausforderung auf den FC Luzern. Die Zentralschweizer spielen im ersten Match nach der Entlassung von Murat Yakin gegen Genk ab 19.30 Uhr um den Einzug in die Europa League.

«Ich hätte gern eine Woche Zeit gehabt»: Luzerns neuer Trainer Ryszard Komornicki musste innerhalb von 48 Stunden Videomaterial des Gegners beschaffen.
«Ich hätte gern eine Woche Zeit gehabt»: Luzerns neuer Trainer Ryszard Komornicki musste innerhalb von 48 Stunden Videomaterial des Gegners beschaffen.
Keystone

Es klingt alles so, wie es eben bei einem Neuanfang klingt. Der Umgangston ist ruhig, überlegt, freundlich und von Vorsicht geprägt. Eine Polemik will Ryszard Komornicki bewusst verhindern. Der neue Luzerner Trainer redete davon, wie sein Team versuchen solle, Sicherheit zu gewinnen, wie es sich wieder finden müsse. Dass er seinen Job sogleich mit der Vorbereitung des Hinspiels einer K.o.-Runde antrat, sieht er nicht unbedingt als Vorteil. «Ich hätte gerne eine Woche Zeit gehabt.» So aber musste Komornicki innerhalb von 48 Stunden Videomaterial des Gegners auftreiben, sichten und den FCL auf den belgischen Champions-League-Teilnehmer der Vorsaison einstellen.

Die schwierigen Wochen mit der himmeltraurigen Leistung gegen die Grasshoppers (0:2) als Tiefpunkt und Yakins Freistellung am Tag danach haben im FCL Spuren hinterlassen. Wie tief diese sind, will niemand so recht sagen. «Für die Spieler war die Entlassung sicher eine Überraschung. Es war eine spezielle Situation, leider Gottes gehören Trainerwechsel zum Geschäft dazu. Wir haben das zu akzeptieren», sagte Goalie David Zibung. «Doch wir dürfen uns nicht damit beschäftigen, sondern müssen die Situation, die wir uns selber eingebrockt haben, wieder ausbaden.»

Es soll vorwärts gehen, finden die Beteiligten unisono. Der erste Europacup-Auftritt seit dem Ausscheiden vor zwei Jahren in der dritten Qualifikationsrunde zur Europa League gegen Utrecht soll «Freude, keine Angst machen», forderte Zibung. Unabhängig davon, wer nun an der Seitenlinie steht. «Das Ziel, ein gutes Resultat zu erreichen, bleibt das Gleiche.» Bei seinem internationalen Debüt als Trainer will Komornicki «nicht nur ein gutes Spiel, sondern auch resultatmässig etwas Positives» liefern. Das Wort «Sieg» nimmt er bewusst mehrmals in den Mund. «Sonst hätten wir den Beruf verfehlt.»

Keine Wechsel zu erwarten

Die schwierige Aufgabe, den dreifachen belgischen Meister zu eliminieren und in die Gruppenphase der Europa League einzuziehen, wird Komornicki mit dem gleichen Personal in Angriff nehmen wie es wohl auch Yakin getan hätte. «Ich bin kein Fan von grossen Veränderungen», sagte er. «Es wird keine Revolution geben, weder betreffend System noch betreffend Namen. Egal, was in den kommenden paar Spielen passiert, ich werde auf keinen Fall etwas ändern.»

Komornickis Taktik besteht vielmehr darin, vorsichtig zu agieren. «Psychologisch gesehen wäre es katastrophal, ein frühes Gegentor zu bekommen.» In fünf der bislang sechs Super-League-Partien mit drei Remis und drei Niederlagen rannte Luzern jeweils einem Rückstand hinterher, zuletzt gegen die Grasshoppers bereits ab der vierten Minute. «Das warf den ganzen Plan über den Haufen und nagt am Selbstvertrauen», erklärte Zibung. «Wir haben es bislang nie geschafft, Lösungen zu finden.»

Genk noch ungeschlagen

Auch Genk reiste nicht gerade mit einem optimalen Saisonstart in die Innerschweiz. Nach vier Runden ist das Team aus der einstigen Bergbaustadt in der flämischen Provinz Limburg zwar noch ungeschlagen, hat aber erst einmal gewonnen. Dennoch sind die Belgier für das Duell mit Luzern zu favorisieren. Für den holländischen Trainer Mario Been wäre ein Out gegen den Schweizer Cupfinalisten der Vorsaison eine «grosse Enttäuschung». Er hütet sich allerdings davor, den FCL zu unterschätzen. «Das Team hat gerade einen schlechten Moment. Es ist besser als es sich derzeit darstellt.»

Genk verfügt über wesentlich mehr internationale Erfahrung als Luzern. Captain Jelle Vossen etwa, der erst am Samstag seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert hat, erzielte in der letzten Saison die beiden Treffer in der Gruppenphase der Champions League. Valencia (0:0), Chelsea und Bayer Leverkusen (jeweils 1:1) trotzte der Aussenseiter im Heimspiel jeweils ein Unentschieden ab, auswärts setzte es aber klare Niederlagen ohne eigenen Torerfolg ab.

Dank der zweiten Champions-League-Teilnahme der Klubgeschichte und den Verkäufen von Goalie-Talent Thibaut Courtois und Offensiv-Allrounder Kevin de Bruyne an Chelsea steht der KRC Genk finanziell sehr solid da. Seit dem letzten Sommer flossen bei einem Budget von 19 Millionen Euro auch dank der guten Nachwuchsarbeit nicht weniger als 34 Millionen in die Klubkasse. Zahlen und Ligen, von denen der FCL nur träumen kann. Der Einzug in die Gruppenphase der Europa League wäre ein erster kleiner Schritt in diese Richtung. Er ist aber noch mindestens 180 Minuten entfernt.

Die voraussichtlichen Aufstellungen

Luzern: Zibung; Thiesson, Stahel, Puljic, Lustenberger; Muntwiler, Wiss; Winter, Lezcano, Gygax; Rangelov. Abwesend: Renggli und Sorgic (verletzt).

Genk: Köteles; Fernandez, Anele, Nadson, Tshimanga; Buffel, Hyland, Gorius, Joseph-Monrose; Vossen, Benteke. Abwesend: Ayub, Barda, Joneleit, Simaeys (verletzt).

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