Der Einheitsball rollt bald auch in der Schweiz

Ab der kommenden Saison wird in den beiden höchsten Spielklassen ausschliesslich mit dem Molten-Ball gespielt.

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Sie erfüllen alle die Fifa-Normen, aber dennoch unterscheiden sie sich doch in ihren Eigenschaften. Der eine flattert mehr, der andere weniger. Einer ist glatt, der andere hat eine raue Oberfläche, unterscheidet sich in Gewicht und Beschaffenheit und beschreibt dadurch eine andere Flugbahn. Für die Torhüter ist die Umstellung auf Spielgeräte verschiedener Hersteller nicht immer einfach. Und auch die Freistossspezialisten mit feiner Technik müssen sich stets arrangieren.

In England, Spanien und Italien wird längst mit einem einheitlichen Ball gespielt. In Deutschland präsentierte die Deutsche Fussball Liga (DFL) 2010 den ersten offiziellen und einheitlichen Ball. «Ich glaube, dass wir damit ein Stück Wettbewerbs-Gleichheit herstellen», sagte der damalige DFL-Präsident Reinhard Rauball. Was in der Bundesliga längst erfolgreich praktiziert wird, führt zehn Jahre später die Swiss Football League (SFL) als Premiere ein: Ab der Saison 2020/21 rollt auch in der Super und Challenge League der Einheitsball.

Schweizer Design und Europa-League-Qualität

Die Ausschreibung der Liga gewann die japanische Firma Molten, die bereits heute den FC Sion und den FC Lugano ausrüstet. Molten wird ein Modell liefern, dessen Qualität und Verarbeitung dem Molten-Ball der Europa League entspricht. Der offizielle Matchball erhält ein individuelles Schweizer Design. Der Vertrag läuft über drei Saisons. Die Clubs sowie die Liga erhalten neben den Matchbällen auch Winterbälle und Replikas in ausreichender Anzahl für eine Saison.

«Die Einführung des einheitlichen Matchballs ist eine Premiere in der Geschichte des Schweizer Fussballs», sagt Claudius Schäfer und spricht von einem grossen Schritt. Der CEO der SFL weiter: «Wir sind stolz, dass sich alle 20 Clubs für die zeitgleiche Einführung im Sommer 2020 ausgesprochen haben.» Selbstverständlich ist diese übereinstimmende Einigung nicht. Die Clubs mussten bestehende Verträge mit ihren Ausrüstern nach- oder neu verhandeln und diese ohne Ball neu abschliessen.

In Europa ist die Ausklammerung des Balls in den Ausrüsterverträgen bereits die übliche Praxis. Die Premier League kassiert als Ball-Marktführer pro Saison kolportierte sieben Millionen Euro von Nike, das die englische Liga seit 20 Jahren beliefert. Der US-amerikanische Hersteller stellt auch für die Serie A und LaLiga den offiziellen Spielball. Allerdings werden die Spanier nach 23 Jahren auf die Saison 2020/21 zu Puma wechseln. Der Verband soll fünf Millionen Euro dafür erhalten.

In dieser Höhe schätzt man auch die Einnahmen beim DFL, nachdem die langjährige Liaison mit Adidas zu Ende ging und Derbystar der neue Bundesliga-Lieferant für die nächsten drei Jahre wurde. Der Ballspezialist beliefert zudem bis 2021/22 auch die niederländische Eredivisie. Mit Millionen kann die SFL nicht rechnen. Der Deal beinhaltet hauptsächlich Sachleistungen. Die Liga partizipiert am Merchandising-Erlös. Gewinne ausserhalb des Budgets gehen aber, wie bei allen Erlösen der Liga, vollumfänglich wieder an die Clubs.

Die Goalies sind dankbar

Zudem entlastet der Einheitsball die Clubs, die jeweils für die Vorbereitungstrainings die Bälle von anderen Ausrüstern besorgen mussten. Schon der FC Basel trainierte unter Christian Gross unter der Woche mit dem Ausrüster-Ball des kommenden Gegners. Murat Yakin lässt zwei, drei Tage vor einem Spiel mit dem Matchball-Modell des Gegners trainieren. Bei sechs verschiedenen Bällen bei zehn SL-Clubs ging das bisher ins Geld. Für Clubs mit knappem Budget ein nicht zu unterschätzender Ausgabeposten pro Saison.

In erster Linie soll die Vereinheitlichung des Balls aber für sportliche Fairness sorgen. «Mit dem Einheitsball schaffen wir ausgeglichene Bedingungen für alle. Vor allem die Torhüter hatten mit der Bälle-Vielfalt zu kämpfen, da jeder Ball unterschiedliche Flugeigenschaften besitzt,» sagt Adrian Knup, Chief Sports Officer der Liga. Schon vor Jahren haben sich sechs von zehn Torhütern in der Super League für einen Einheitsball ausgesprochen. Nati-Goalie Yann Sommer sagte 2014 zu dieser Zeitung: «Man gewöhnt sich an unterschiedliche Bälle, aber ein Ligaball würde uns das Leben einfacher machen – und auch dem Materialwart.» Sechs Jahre später ist es so weit: Die Materialwarte können aufatmen.

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