Der einstige Weltklasse-Torhüter

Manuel Neuer ist Teil der Misere der deutschen Fussballnationalmannschaft. Sein Glanz früherer Zeiten bröckelt.

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Keine Frage: Manuel Neuer kann mit seinen Paraden gegnerische Stürmer immer noch zum Verzweifeln bringen. Nur gelingt das dem 32-jährigen Torhüter nicht mehr so oft wie zu seinen Glanzzeiten.

Jüngstes Beispiel ist der Auftritt mit der deutschen Nationalmannschaft am Samstag gegen Holland. Beim 0:1 nach 30 Minuten macht Neuer nicht den sichersten Eindruck. Beim Eckball von Memphis Depay will er zuerst aus dem Tor herausstürmen. Dann zögert er, womit er seine Vorderleute verwirrt. Ryan Babel köpfelt an die Latte, Virgil van Dijk staubt ab zum Führungstreffer für Holland. Das Fiasko nimmt seinen Lauf. Am Ende steht es 3:0 für Holland. Oder 0:3 aus deutscher Sicht. Oranje besiegt und demütigt Deutschland erstmals seit 16 Jahren.

Neuer gibt zu, dass er beim ersten Gegentreffer nicht gut aussah. Aber: «Die anderen Defensivspieler tragen natürlich auch eine Mitschuld», sagt der Torhüter. Einer davon ist Mats Hummels. Der 29-jährige Verteidiger bildete zusammen mit dem ein Jahr älteren Jérôme Boateng die Innenverteidigung. Alle drei wurden vor vier Jahren Weltmeister. Alle drei spielen bei Bayern München.

Der Club-Absturz vor der Nationalmannschaftspause

Auch beim deutschen Rekordmeister läuft es derzeit nicht nach Wunsch. Ja, er befindet sich gleich wie die deutsche Nationalmannschaft in einer Krise. Vier Spiele nicht gewonnen, in der Tabelle auf Rang 6 abgerutscht, vier Punkte Rückstand auf Leader Borussia Dortmund. Ein Grund dieses Absturzes: Neuer. Der Torhüter ist auch bei den Bayern nicht mehr der grosse Rückhalt. Beim 1:1 gegen Augsburg unterlief dem 1,92 m grossen Schlussmann ein ähnlicher Fehler wie gegen Holland.

Neuer fehlt es sicher auch an Selbstvertrauen. Schliesslich war der Torhüter bis vor der WM in Russland während knapp eines Jahres verletzt. Dass er in der Nationalmannschaft trotzdem wieder als Nummer 1 auflaufen durfte, passte deshalb nicht allen. Wegen seiner durchzogenen Leistungen wird der Ruf nach Veränderung laut. «Irgendwann muss sich Jogi Löw (Bundestrainer, Red.) überlegen, wie lange es für ihn noch Sinn macht, den etablierten Spielern das Vertrauen zu schenken», sagte der ehemalige Weltklasse-Torhüter Oliver Kahn im ZDF.

Ohne Boateng und mit ter Stegen gegen Frankreich?

Am Dienstag gegen Weltmeister Frankreich hat sich eine Personalie für Löw bereits erledigt. Boateng ist wegen einer Wadenblessur aus der Nationalmannschaft abgereist. Ob es im Tor zu einem Wechsel kommt, ist noch unklar. Mit Lothar Matthäus fordert ein ehemaliges deutsches Fussball-Schwergewicht genau einen solchen. «Neuer hat aktuell nicht die Form und Sicherheit, die er vor seiner schweren Verletzung gehabt hat», sagt der deutsche Rekord-Nationalspieler zu Sky. «Barcelona-Torhüter Marc-André ter Stegen ist seit Jahren Weltklasse und hätte langsam eine Chance verdient.» Es wäre eine Wachablösung auf dieser Position nach neun Neuer-Jahren.

Nicht nur im Tor sieht Matthäus Handlungsbedarf. Auch über andere arrivierte Spieler müsse nachgedacht werden. «Die Achse, auf die Löw vertraut, funktioniert aktuell nicht. Diese Spieler haben mit sich und mit Problemen in ihren Vereinen zu kämpfen. Als da wären: Neuer, Hummels, Kroos, Müller. Sie sind die Erfahrensten, haben den Laden aber aktuell überhaupt nicht im Griff.»

heg

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