Der erstaunliche Transfer des FC Thun

Innenverteidiger Roy Gelmi wechselt von St. Gallen nach Thun. Die Verpflichtung des 22-Jährigen schien für die Oberländer bis vor kurzem unrealistisch.

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Dominic Wuillemin

Die Parteien waren sich seit Tagen einig, die Bekanntgabe des Transfers von St. Gallens Innenverteidiger Roy Gelmi zum FC Thun aber zog sich hin. Dem Vernehmen nach sollen sich die Ostschweizer schwergetan haben, den Wechsel zu kommunizieren, sie befürchteten negative Rückmeldungen der Fans. Gelmi, der einen Vertrag für drei Jahre plus Option auf ein weiteres Jahr erhält, hatte sich aus dem St. Galler Nachwuchs hochgearbeitet, er kam in den letzen zwei Jahren zu 59 Einsätzen in der Super League. Der 22-Jährige war zwischenzeitlich Captain, U-21-Nationalspieler, beliebt beim Anhang. So einer wechselt in der Regel von Thun nach St. Gallen. Und nicht umgekehrt.

In den letzten Jahren waren die Thuner Zugänge meist jung und unerfahren, sie wurden aus der Challenge League und der 1. Liga geholt. Und kam ein Akteur ­ausnahmsweise aus der Super League, dann entweder leihweise von YB oder mit dem Wunsch, seine Karriere in Thun neu zu lancieren. Matteo Tosetti etwa, letztes Jahr aus Lugano verpflichtet, hatte im Tessin keine Perspektiven mehr. Gelmi aber bestritt in der Rückrunde 16 von 18 Partien von Beginn an.

Er war zwar nicht unumstritten, sehr wohl aber ein geschätztes Teammitglied. «Roy spielt seit über zwei Jahren in der Super League und bringt viel Erfahrung auf der höchsten Spielstufe mit. Gleichzeitig ist er aber noch immer jung und passt damit zu unse­rer Transferpolitik», sagt Thuns Trainer Marc Schneider. Mit 22 Jahren ist Gelmi jetzt der älteste der vier Thuner Innenverteidiger. Und mit Abstand der erfahrenste. Eineinhalb Wochen vor Saisonstart ist die Kaderplanung nun abgeschlossen.

Transfer als Zeichen

Sportchef Andres Gerber hatte in den letzten Wochen betont, im Abwehrzentrum nachbessern zu wollen, sofern sich eine Gelegenheit ergäbe. Jetzt sagt Gerber, dass er vor nicht allzu langer Zeit eine Verpflichtung Gelmis nicht für möglich gehalten hät­te. Als der 188 Zentimeter gros­se schweizerisch-holländische Doppelbürger aber offenbar das Gefühl bekam, nicht mehr erste Wahl zu sein, und durchblicken liess, sich nach einem neuen Klub umsehen zu wollen, sah Thuns Sportchef seine Chance gekommen.

Zumal Gelmis Vertrag in einem Jahr ausgelaufen wäre, er die Ostschweizer ablösefrei hätte verlassen können. Nun überweisen die Thuner einen tiefen sechsstelligen Betrag. Der FC St. Gallen wird zudem an einem allfälligen Verkauf partizipieren. Gerber zeigt sich sehr zufrieden, er findet, das Geschäft belege die Ambitionen des Klubs, der Ende 2016 ums Überleben gekämpft hatte. Der Sportchef erhofft sich auch eine Signalwirkung an Fans und Sponsoren.

St. Gallens CEO Ferruccio Vanin lässt derweil verlauten: «Wir hätten Gelmi sehr gerne bei uns behalten, da er sich bei uns ­hervorragend entwickelt hat.»

Berner Zeitung

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