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Der FC Thun hat ein Park-Problem

Die Oberländer sind bei Aufsteiger Servette chancenlos und verlieren 0:2. Die Leistung gibt den Verantwortlichen zu denken.

Jung-Bin Park (rechts) lässt sich auch von Thuns Captain Stefan Glarner nicht aufhalten.
Jung-Bin Park (rechts) lässt sich auch von Thuns Captain Stefan Glarner nicht aufhalten.
Freshfocus

Der Mann schrieb die vielleicht schönste Geschichte der Vorrunde, sein Arbeitgeber sicherlich die überraschendste: Aufsteiger Servette galt im Sommer als Abstiegskandidat, steht nun aber auf Rang 4. Auch dank seinem Flügel Jung-Bin Park, den ebenso niemand auf der Rechnung hatte: Der Südkoreaner war bis im November vertragslos. In seinem ersten Startelfeinsatz für die Genfer am 8. Dezember beim Duell mit dem Tabellennachbarn FC Zürich gelang Park ein Hattrick. Servette gewann – wie es das seither mit dem 25-Jährigen immer tat.

Die Genfer tun es auch am Sonntag gegen Thun. Und Park schreibt erneut an seiner kitschigen Aufsteigergeschichte. Die Gäste bekommen den quirligen Offensivspieler nie in den Griff. Er ist es, dem in der 79. Minute mit einem Schlenzer von der Strafraumgrenze aus das 2:0 und somit die Entscheidung gelingt.

Das ist hochverdient: Servette agiert von der ersten Minute an dominant, gewinnt mehr Zweikämpfe, ist ideenreicher und zielstrebiger und kommt zu 12:3 Torschüssen. Als sich Thuns Stürmer Simone Rapp die erste nennenswerte Chance bietet, läuft schon die Nachspielzeit. Dass der Tessiner das Tor mit dem Kopf verfehlt, passt zum Auftritt der Oberländer. Sportchef Andres Gerber bezeichnet nicht das Resultat, aber den schwachen Auftritt als Dämpfer.

Und Trainer Marc Schneider sagt: «Wir waren in der Defensive zu zögerlich und am Ball zu wenig clever.» Servette sei allerdings auch ein starker Gegner. Die Genfer würden ihn an seine Equipe aus der vergangenen Saison erinnern, sagt Schneider. «Sie gehen mit der Überzeugung auf den Platz, jedes Team bezwingen zu können.»

Tadel für Tosetti

Dass Schneiders Mannschaft nicht mit einer solchen Selbstsicherheit auftreten kann, leuchtet ein nach einer Vorrunde, in der lediglich zwei Ligaspiele gewonnen wurden. Dass sie den Genfern aber nichts entgegenzusetzen hatte, war dann doch eher verblüffend.

Schliesslich gelang vor Wochenfrist der Rückrundenauftakt mit dem ersten Heimsieg der Saison gegen den FC Sion. Ein Ereignis, das hätte Aufschwung geben können. Stattdessen sind die positiven Gefühle schon verflogen, ist der kleine Aufschwung gebremst, wurde es verpasst, zu Xamax auf Rang 9 aufzuschliessen. «Wir konnten nicht damit rechnen, nun jedes Spiel zu gewinnen», sagt der Trainer.

«Ich erwarte mehr von ihm. Gerade auch, was die Laufbereitschaft betrifft.»

Thun-Trainer Marc Schneider über Flügelspieler Matteo Tosetti

Schneider kommt bei seiner Analyse auch auf Park zu sprechen: Diesem und dessen Konterpart Miroslav Stevanovic sei am Ball immer etwas eingefallen. «Die Flügel machten den Unterschied.» Für seine Aussenspieler hat Schneider hingegen keine lobenden Worte übrig. Vor allem nicht für Matteo Tosetti, den er schon nach 57 Minuten vom Platz nahm. «Ich erwarte mehr von ihm. Gerade auch, was die Laufbereitschaft betrifft.»

Aber die Auswechslung des Tessiners zeigte keine nachhaltige Wirkung, auch wenn der eingewechselte Hiran Ahmed auffälliger agierte als Tosetti. Zu gross war die Differenz zwischen den Teams. «Wir kamen in der Offensive nicht zur Entfaltung», sagt Flügel Dennis Salanovic.

Miguel Castromann spricht derweil von einem unschlüssigen Auftritt im Angriff und bemängelt, dass der Ball kaum in den eigenen Reihen gehalten werden konnte und stattdessen mit langen Bällen operiert wurde. «So fehlte es an Zeit aufzurücken. Dementsprechend hing Rapp in der Luft.»

Der Rasen als Politikum

Doch – egal ob Schneider, Salanovic oder Castroman – keiner der Thuner kommt auf den Rasen im Stade de Genève zu sprechen. Dieser ist zu einem Politikum geworden und bei Gastmannschaften gefürchtet, weil er seit Monaten in einem schlechten Zustand ist. Der Aufsteiger hat sich damit arrangiert, die Schwergewichte YB und Basel daheim bezwungen. Geht es nach der Clubführung, soll das braune Grün bald einem Kunstrasen weichen, damit die erste Mannschaft im Stadion trainieren und dieses auch für Konzerte genutzt werden kann.

Länderspiele würden dann in Genf keine mehr stattfinden. Gegen den Plan protestierten die Fans am Sonntag mit Plakaten.

Servettes starke Saison auf den Rasen zu reduzieren, wäre aber nicht nur unfair, sondern auch falsch. Heim- wie Auswärtsbilanz sind ähnlich. Gegen Thun zeigt das Team von Alain Geiger sein ganzes Können. Hinten agiert es abgeklärt, in der Mitte ballsicher, und vorn wirbeln Stevanovic, Varol Tasar und immer wieder Park.

Der südkoreanische Flügel hat seine Füsse natürlich auch beim 1:0 im Spiel, als Gaël Ondoua seinen Schuss ins Thuner Tor lenkt. Es ist der Anfang vom Ende für die Gäste, die sich bei ihrem Goalie Guillaume Faivre bedanken können, dass sie nicht höher verlieren.

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