Der FC Thun hat genug gelitten

Der FC Thun gewinnt nach elf sieglosen Partien in Serie gegen Lugano 1:0 und erobert sich den dritten Rang zurück. Moreno Costanzo behält vom Penaltypunkt die Nerven.

<b>Endlich gab es für die Thuner wieder etwas zu jubeln:</b> Torschütze Moreno Costanzo lässt sich von seinen Teamkollegen feiern.

Endlich gab es für die Thuner wieder etwas zu jubeln: Torschütze Moreno Costanzo lässt sich von seinen Teamkollegen feiern.

(Bild: Keystone)

Als Marc Schneider am Samstag in den Katakomben der Stockhorn Arena auf dem Podium sitzt, analysiert er das Spiel gegen Lugano so, wie er immer Spiele zu analysieren pflegt: sachlich, ruhig, überlegt. Er sagt, sein Team hätte den Weg in den Strafraum konsequenter suchen können, und bisweilen hätte es den Ball besser in den eigenen Reihen zirkulieren lassen sollen.

Doch der Trainer des FC Thun darf an diesem kalten, verregneten Maiabend auch Wörter in den Mund nehmen, die nach einer Super-League-Partie schon eine ganze Weile nicht mehr über seine Lippen gingen. Er sagt: «Wir mussten den Sieg erleiden.»

Freilich spricht der 38-Jährige in diesem Moment ausschliesslich von der Partie gegen Lugano, einer Partie, zu der die Tessiner mit dem Selbstbewusstsein anreisten, seit zehn Partien nicht mehr verloren zu haben – womit sie im fussballschweizerischen Formspektrum diametral rangiert sind zu den seit elf Spielen sieglosen Thunern.

Schneiders Satz, diese fünf Worte, könnte jedoch auch als Titel über den vergangenen drei Monaten der Saison der Oberländer stehen. Denn das Leid wurde in den Reihen des FCT quasi von Woche zu Woche grösser.

Als Dejan Sorgic im Februar gegen GC einen Penalty verschoss, war Präsident Markus Lüthi nicht unglücklich darüber, dass sein Team in der Folge nicht gewann, da Krawalle der Zürcher Fans befürchtet worden waren. Als Raphaël Nuzzolo Ende März in der Nachspielzeit den Siegtreffer für Xamax erzielte, merkten die Thuner erstmals, dass der einst komfortable Vorsprung auf den Barrageplatz bei anhaltender Sieglosigkeit schnell weg sein könnte.

Und als die Neuenburger am letzten Sonntag in Thun 2:0 gewannen und der Abstand auf vier Punkte zusammenschrumpfte, waren die Oberländer endgültig dort angekommen, wo sie in dieser Saison auf keinen Fall hingewollt hatten und wo sie vor ein paar Wochen auch niemand vermutet hätte: im Kampf um den Ligaerhalt.

Das unbesiegbare Trio

In dieser «schwierigen Phase», wie sie Schneider nennt, bekundeten die Thuner immer wieder mal Pech und Unvermögen, mit späten Gegentoren, unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen oder ungenügender Chancenverwertung. Es sind Faktoren, die gerade in Phasen, in denen es einem Team nicht läuft, ein schier unbezwingbares Trio bilden. Ein Trio, das dem Leid immer auch eine Prise Ohnmacht und Verzweiflung beimischen kann.

Am Samstag ist es jedoch abwesend, und die Thuner gewinnen erstmals seit dem 16. Februar (3:1 in St. Gallen) oder 85 Tagen wieder eine Super-League-Partie. «Ich bin sehr glücklich und extrem stolz auf die Mannschaft», sagt Schneider. Er weiss, dass es auch diesmal hätte herauskommen können wie in den elf Spielen davor.

Wenn Mijat Maric beispielsweise kurz vor der Pause ins Tor statt an die Latte getroffen hätte. Dass seine Mannschaft nach einer schwungvollen ersten halben Stunde und einem Pfostenkopfball von Basil Stillhart vorab in der zweiten Halbzeit nicht mehr die Kontrolle über die Partie hatte, die nötig wäre, um eine Führung sorgenfrei über die Zeit zu bringen.

Dass ohne einen starken Guillaume Faivre wohl das Dutzend voll geworden wäre an sieglosen Spielen und das Barragegespenst immer noch nicht aus der Stockhorn Arena vertrieben wäre. Jetzt trennen die Thuner bei drei verbleibenden Partien sieben Punkte vom neuntplatzierten Xamax, das gegen den FC Zürich 1:2 verlor, und der FCT ist in der äusserst umkämpften Super League auf einmal wieder deutlich näher am Europacup als an der Barrage.

Der umstrittene Pfiff

Schneider will seinen Torhüter nicht aus dem Kollektiv hervorheben. Er sagt, alle Spieler hätten eine gute Leistung erbracht und ihren Teil zum Sieg beigetragen. «Aber klar, Gui hat uns mit seinen Paraden sehr geholfen.» Der Thuner Coach weiss auch, dass die Hilfe nicht nur vom Goalie kam, sondern dass seine Mannschaft für einmal bei einer Schiedsrichterentscheidung wohl bevorteilt worden ist.

Der Penaltypfiff in der 26. Minute zugunsten der Oberländer, nachdem Matteo Tosetti nach einer eigentlich für ihn unerreichbaren Flanke von Marvin Spielmann leicht in den Rücken gestossen worden war, war zumindest nicht zwingend. Doch die Thuner haben genug gelitten. Moreno Costanzo verwertet souverän und bejubelt mit 4567 Zuschauern sein erstes Saisontor und den einzigen Treffer der Partie.

Der St. Galler wird in der Folge von einem Arbeitssieg sprechen, davon, dass in den Kombinationen bisweilen die Sicherheit gefehlt habe. «Aber das Wichtigste ist, dass wir drei Punkte gewonnen haben.»

So banal der Satz auch klingt – aus dem Mund eines Thuner Spielers war er schon lange nicht mehr zu hören.

Thuner Tagblatt

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