Der FCB plant – und verhandelt mit Barça

Basels Sportchef bastelt an einem spektakulären Beispiel eines bisher nebulösen Begriffs.

Hat eine Zusammenarbeit mit Barcelona im Kopf: FCB-Sportchef Marco Streller.

Hat eine Zusammenarbeit mit Barcelona im Kopf: FCB-Sportchef Marco Streller. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Ein Blumenstrauss, von Captain Marek Suchy kurz vor dem Anpfiff hastig in die Hände seines Antipoden Steve von Bergen gedrückt. Mehr an Ehrerbietung gab es nicht vonseiten des FC Basel, als er am Donnerstag den neuen Meister aus Bern zu Gast hatte. Lieber nutzten die Basler die Chance, sich den Frust über ihre verlorenen Titel von der Seele zu schiessen.

Das 5:1 gegen die Young Boys mag in der Endabrechnung der Saison ein komplett bedeutungsloses Spiel sein. Für die Basler aber war der Auftritt wichtig. Schliesslich ist der entthronte Serienmeister dabei, sein Comeback in der kommenden Saison zu planen. Da sind ein paar positive Gefühle zumindest nicht hinderlich.


Bilder: Basel demontiert YB


Wobei der FCB vor einem nicht einfach zu deutenden Phänomen steht. Seit YB als Meister feststeht, spielen die Basler wie entfesselt. 15 Tore haben sie in den drei folgenden Partien erzielt. Plötzlich fliegen die Spieler wieder so über das Feld, wie sie das im Herbst in einer starken Kampagne in der Champions League getan haben.

Ist diese Basler Mannschaft also dann besser, wenn sie siegen darf – aber nicht unbedingt muss? So, wie in der Champions League, in der die Spieler mehr zu gewinnen als zu verlieren hatten? Oder wie jetzt, da klar ist, dass in der Tabelle weder nach vorne noch nach hinten etwas geht?

Wicky möchte kaum Änderungen

Wenn es so ist, wenn der FCB ein mentales Problem hat, dann müsste er darauf in der Sommerpause mit Transfers reagieren. Aber in Basel sehen sie die Dinge anders. Nach einem Jahr der vielen Umbrüche sowohl in der Führung als auch in der Mannschaft wollen sie nun neue Kraft in der Ruhe finden.

Trainer Raphael Wicky etwa hat die vielen Transfers in der Winterpause als Hauptursache für den vermasselten Start in die entscheidende Phase der Meisterschaft ausgemacht. Seine logische Forderung an den Club: «Ich wünsche, dass wir an diesem Kader so wenig als möglich ändern.»

Sportchef Streller war in Barcelona: Folgt bald eine Kooperation?

Mit seiner Forderung stösst der Trainer bei der sportlichen Führung auf offene Ohren. Geplant sind möglichst wenige Transfers. Schliesslich wurden Spieler wie Fabian Frei, Samuele Campo oder Valentin Stocker auch deswegen schon im Winter geholt, damit sie integriert sind, wenn es nach der Sommerpause darum geht, sofort bereit zu sein. Dann geht es nicht nur um einen guten Start in die Super League. Sondern auch darum, die Qualifikation für die Champions League zu bestehen.

Veränderungen aber wird es auch in diesem Sommer geben. Sportchef Marco Streller weilte zuletzt kurz in Barcelona. Es ging dabei um eine Kooperation mit dem katalanischen FCB, um vereinfacht an Leihspieler aus der Nachwuchsakademie von Barça zu gelangen. Kommt der Deal zustande, wäre das ein erstes, durchaus spektakuläres Beispiel dafür, was die neue Führung unter ihrem bislang stets etwas nebulösen Begriff der «Internationalisierung» versteht.

Was machen Lang und Elyounoussi

Und natürlich weiss auch Trainer Wicky, dass es manchmal unmöglich ist, Spieler in Basel zu halten, wenn grosse Clubs mit ebenso grossem Geld winken. Also ruft er am Donnerstag nach dem YB-Spiel in Richtung Mohamed Elyounoussi: «Hast du ihnen schon gesagt, dass du bleibst?» Es ist just der Moment, in dem der norwegische Offensivspieler den Journalisten zum x-ten Mal erklären muss, dass er einerseits einen noch bis Juni 2021 dauernden Vertrag in Basel hat. Und dass es gleichzeitig «reges Interesse an mir gibt, das wisst ihr doch alle auch».

Elyounoussi ist nicht der Einzige, den es in eine grössere Liga ziehen könnte. Michael Lang lacht kurz auf. Eben erst hat der Rechtsverteidiger erklärt, wie wichtig es wäre, wenn «90 bis 95 Prozent des Teams zusammenbleiben». Lang weiss, dass nun sofort die Frage kommen wird, ob er denn selbst bleibe. Er umdribbelt sie einmal. Und auch noch ein zweites Mal. Ein klares Bekenntnis klingt anders.

«Wir werden einen ganz anderen FCB sehen»

Aber trotz seiner offenen Zukunft platziert Lang eine Botschaft an YB und an die restliche Liga: «Nächste Saison werden wir einen ganz anderen FCB sehen. Einen, der hungrig ist, nachdem wir es jetzt titelmässig verbockt haben.» Und vielleicht ist das sogar die grösste Hoffnung, die sie in Basel haben: dass diese Spielzeit dazu beiträgt, dass die Mannschaft in der kommenden Saison wieder mit einer anderen Mentalität ans Werk gehen wird.

Sportchef Streller jedenfalls glaubt, «dass der Meistertitel von YB bei uns etwas bewegt hat». Und er hofft: «Vielleicht hatte diese Saison ohne Titel sogar eine reinigende Wirkung.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.05.2018, 10:04 Uhr

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