«Der finanzielle Aspekt wird leider immer wichtiger»

Wie üblich sind Bestechungen im Juniorenfussball? Experten nehmen Stellung.

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GC hat einen Trainer freigestellt, der Geld von Eltern annahm. Die Eltern wollten damit ihren Kindern Vorteile erkaufen. Es ging um Probetrainings, Plätze in Juniorenteams, aber auch Einsatzzeiten. Es ist der Tiefpunkt einer längeren Entwicklung, wie GC-Nachwuchschef Roman Hangarter sagt: «Es gibt im Nachwuchsbereich eine spürbare Tendenz, dass Eltern und immer häufiger auch Spielerberater ihre eigenen Söhne und Spieler pushen, damit diese im Junioren-Spitzenfussball Fuss fassen. Es sind ihnen dabei viele Mittel recht.»

Auch Heinz Russheim, seit 2013 Leiter der FCZ-Nachwuchsabteilung «FCZ Academy», zeigt sich vom Bestechungsfall nicht überrascht: «Im Fussball ist viel Geld im Spiel, im Juniorensport wird der finanzielle Aspekt leider immer wichtiger.» Das grosse Problem: «Viele Väter definieren sich über den Erfolg des eigenen Kindes und erhoffen sich für sie eine bessere Zukunft», sagt Russheim. Werde das Kind aber zum wirtschaftlichen Faktor, tue man ihm keinen Gefallen.

So wird Einfluss einzelner Personen reduziert

D. A.*, ein früherer Nachwuchstrainer bei mehreren Super-League-Clubs, hält es für nahezu ausgeschlossen, dass solche Bestechungen gängige Praxis sind: «Gerade bei Stufen ab U-15 und U-16 sind dafür zu viele Personen involviert.» Schon bei jüngeren Kindern entscheide ein Gremium, welche Nachwuchsfussballer ins Team integriert würden. So reduziere sich der Einfluss einzelner Personen. Russheim ergänzt: «Dass Trittbrettfahrer Kontrolllücken ausnutzen, kann man nie ganz ausschliessen.» Der Leistungsdruck habe beim Nachwuchs in den letzten 10 bis 15 Jahren deutlich zugenommen. Dabei komme der Druck nicht nur vom Verein, sondern auch von den eigenen Eltern.

Doch nicht nur Super-League-Clubs scheinen betroffen. Wie Leser M. B.* schreibt, habe er in der Challenge League ähnliche Erfahrungen gemacht. Zehn Jahre lang habe er bei einem Verein gespielt, von Junioren bis erste Mannschaft. «Es gab Eltern, die haben Trainingslager und Trikots bezahlt, damit ihre Kinder spielten», erzählt er.

Beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) war der Fall um GC noch nicht bekannt. Gemäss Raphael Kern, Ressortleiter Breitenfussball, wird er aber aufgearbeitet: «Wir müssen wir diesen Fall ernst nehmen».

*Namen der Redaktion bekannt

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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