Der Jungstar und die Alten

ZSKA Moskau, heutiger Gegner von YB in den Playoffs zur Champions League, ist routiniert und robust. Nicht nur deshalb ist Alexander Golowin eine Ausnahmeerscheinung.

Grosses Talent: Alexander Golowin beim Abschlusstraining in Bern.

Grosses Talent: Alexander Golowin beim Abschlusstraining in Bern.

(Bild: Keystone)

Dominic Wuillemin

Als Wassili Beresuzki im Juni 2003 beim 2:2 gegen die Schweiz für Russland debütierte, standen ihm unter anderem Murat Yakin, Raphael Wicky und Stéphane Chapuisat gegenüber. Für das Team von Trainer Köbi Kuhn traf Alex Frei doppelt, der Basler avancierte später zum Schweizer Rekordtorschützen. Längst ist Frei auf die Karriere nach der Karriere fokussiert, wie sämtliche anderen Schweizer, die 2003 dem Nationalteam angehörten. Beresuzki aber spielt immer noch, unermüdlich wie ein Perpetuum mobile.

Bei ZSKA Moskau hat er auch 14 Jahre später eine tragende Rolle inne. Mit Zwillingsbruder Alexei, der ein paar Monate vorher seine Premiere für Russland gefeiert hatte, und Wiktor Wassin dürfte er ­heute Abend im Stade de Suisse (20.45 Uhr) die Dreierabwehr bilden. Im Tor wird Igor Akinfejew stehen, der wie Wassili Beresuzki über 100 Länderspiele absolviert hat. Der russische Hunderterklub hat ein weiteres ZSKA-Mitglied: Sergei Ignaschewitsch (38), Rekordnationalspieler (120 Länderspiele). Er ist mittlerweile meistens Ersatz, als Führungsfigur dennoch wertvoll. Damals im Juni 2003 gegen die Schweiz traf Ignaschewitsch doppelt.

«Es ist wunderbar»

ZSKA Moskau also ist eine sehr erfahrene Mannschaft, einerseits. Anderseits auch eine sehr robuste. Auf dem Podium im Medienzentrum des Stade de Suisse hat gestern Abend Wiktor Wassin Platz genommen, mit 28 Jahren der Jungspund in der Defensive. Er ist wie seine Nebenleute in der Abwehr um die 190 Zentimeter gross, breitschultrig. Und er spricht, wie man sich sein Spiel vorstellt: humorlos. Nur einmal huscht Wassin ein Lächeln über die Lippen. Als er gefragt wird, wie es denn sei, neben zwei so routinierten Akteuren wie den Beresuzkis zu spielen, antwortet er kurz und knapp: «Es ist wunderbar.» Sich im Verkürzen selbst zu übertreffen, bereitet dem Nationalspieler offenbar Spass.

Ravet im Aufgebot

In dieser nüchternen Equipe bildet Alexander Golowin die Ausnahme. Er ist einer der wenigen Künstler unter Arbeitern, der feingliedrige Jungstar unter den alten Schlachtrössern. Golowin, Jahrgang 1996, ist vielleicht das grösste Talent im russischen Fussball. Am Samstag im Derby gegen Spartak bereitete er den Ausgleich mit einem herrlichen Dribbling vor. «Er ist hoch begabt, ein unglaublich guter Spieler», sagt YB-Trainer Adi Hütter über den Mittelfeldakteur.

«Er ist hoch begabt, ein unglaublich guter Spieler.»YB-Trainer Adi Hütter über Alexander Golowin

Die italienische Sportzeitung «Tuttosport» kürte Alexander Golowin im vergangenen Jahr zu einem der vierzig grössten Talente Europas. Zuletzt wurde er mit einem Wechsel zu Borussia Dortmund in Verbindung gebracht. Auch wegen Golowin findet Adi Hütter, ZSKA sei deutlich spielstärker als der letzte Gegner Dynamo Kiew. Er hebt auch Alan Dsagojew sowie die Brasilianer Vitinho und Mario Fernandes hervor. «ZSKA ist ein Spitzenteam», sagt der Österreicher. «Aber wir greifen dennoch nach den Sternen.» Er habe seine Mannschaft im Kopf, Fragezeichen gebe es nicht mehr viele, meint Hütter weiter. Yoric Ravet, der zuletzt zweimal nicht im Aufgebot stand und Ende August zum SC Freiburg wechseln könnte, werde dem Kader angehören. Mehr will er dazu nicht sagen.

Bei der Medienkonferenz sitzt neben Trainer Adi Hütter Linksverteidiger Loris Benito. Er ist neben Guillaume Hoarau und Miralem Sulejmani nur einer von drei YB-Akteuren, die eine Partie in der Champions League bestritten haben. Seine Augen leuchten, als er auf seinen einzigen Einsatz 2014 mit Benfica gegen Lever­kusen angesprochen wird, er schwärmt von einer grossartigen Erfahrung. Was wohl Wassili Beresuzki dazu sagen würde? Er hat allein in der Champions League 47 Spiele bestritten.

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