Der Zwischenschritt des Cupsiegers

In Abwesenheit von Dennis Hediger ist Stefan Glarner Captain beim FC Thun. Auch heute im Cupviertelfinal gegen Lugano.

Neu die Binde am Arm: Stefan Glarner vertritt Dennis Hediger als Captain.

Neu die Binde am Arm: Stefan Glarner vertritt Dennis Hediger als Captain.

(Bild: Freshfocus/Marc Schumacher)

Als Stefan Glarner am Sonntagabend in den Katakomben der Stockhorn-Arena steht, sind die Mikrofone auf ihn gerichtet, und Journalisten kritzeln eifrig in ihre Notizblöcke. Seine Analyse vom 1:1 zwischen Thun und GC ist gefragt, also sagt Glarner, die Zürcher hätten es ihnen extrem schwer gemacht. Und er konstatiert: «Ein Punkt ist für uns definitiv zu wenig.»

Eigentlich ist Glarner der ruhige, zuverlässige Arbeiter, der seine Aufgaben auf der rechten Abwehrseite unaufgeregt erledigt. Die mediale Aufmerksamkeit ziehen eher seine Teamkollegen auf sich. Seit dem Ausfall von Leitwolf und Wortführer Dennis Hediger, der als extrovertierter, bisweilen impulsiver Zweikämpfer mit beeindruckenden Massen so ziemlich das Gegenteil vom ruhigen, schmächtigen Meiringer verkörpert, ist Glarner aber zum Captain aufgestiegen.

Entsprechend ist er nicht nur erster Ansprechpartner für die Schiedsrichter auf, sondern auch für die Berichterstatter neben dem Feld. «Meine Rolle hat sich nicht verändert», beteuert Glarner. «Der einzige Unterschied ist, dass ich jetzt die Binde am Arm trage.» Als erfahrener Spieler habe er schon immer versucht, die jungen Spieler zu führen und mit gutem Beispiel voranzugehen.

«Ich muss nicht in die Rolle von Dennis schlüpfen. Jeder Spieler ist anders und übernimmt auf seine Weise Verantwortung.» Trainer Marc Schneider bezeichnet Glarner als Leader auf dem Feld, der seine Worte mit Bedacht wähle, aber in der Kabine schon auch etwas sage. Überhaupt sei Mannschaftsführung nicht nur die Aufgabe einzelner Spieler, sondern alle im Team müssten ihren Beitrag leisten.

Kreativität ist gefragt

Glarner hat all seinen Teamkollegen etwas voraus. Als einziger aktueller Thun-Spieler hat er den Schweizer Cup gewonnen. 2014 mit dem FC Zürich. Auch wenn er einen Grossteil der Saison auf der Bank oder der Tribüne verbrachte, hat der 31-Jährige gute Erinnerungen an diesen Erfolg mit den Zürchern. Auf dem Weg zum Titel schaltete der FCZ damals auch den FC Thun aus, zu dem Glarner dann im Sommer zurückkehren sollte.

Nach einem dramatischen 5:4 im Penaltyschiessen. Es war das zweite und bisher letzte Mal, dass die Oberländer bis in den Halbfinal vorstiessen. Heute Donnerstag (19.30 Uhr) bietet sich im Heimspiel gegen Lugano erneut die Chance, unter die besten vier zu kommen. Die Tessiner waren in den letzten knapp zwei Jahren nicht die Lieblingsgegner der Thuner. In dieser Zeitspanne resultierte nämlich für den FCT gerade einmal ein Sieg. Dieser überzeugende 3:1-Erfolg vor drei Wochen im Cornaredo ist es denn auch, der Glarner mit einem positiven Gefühl in die Partie gehen lässt. «Wir müssen allerdings kreativer spielen als am Wochenende gegen GC.»

Damals liessen sich die Thuner vorab in der zweiten Halbzeit vom kompakt organisierten und tief stehenden Gegner verunsichern, was die zweitproduktivste Offensive der Liga ins Stocken brachte. Auch Lugano dürfte sein Heil heute kaum mit bedingungslosem Offensivdrang suchen. Glarner erwartet eher eine defensiv orientierte Mannschaft, die mit Kontern versuchen wird, gefährlich zu werden, während das Spieldiktat vorab den Thunern überlassen wird. Doch ungeachtet aller taktischen Mutmassungen – der Aushilfscaptain stellt klar: «Wir müssen Lösungen parat haben, egal, wie der Gegner spielt.»

Die Entschlossenheit ist in seinen Worten spürbar. Diesmal soll der Viertelfinal nicht Endstation sein – schon gar nicht dann, wenn die Thuner wie im letzten Jahr gegen den FCZ in der 85. Minute 3:1 führen sollten. Diesmal soll die Reise weitergehen. Nicht bis in den Halbfinal, sondern bis in den Final. «Entweder man scheidet aus, oder man spielt im Final. Alles andere gibt es im Cup nicht.»

Berner Zeitung

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