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Neymar schürt die WM-Euphorie

Die Seleção, der erste Gruppengegner der Schweiz, ist in bestechender Form. Das liegt auch an Brasiliens Star. Nach seiner Verletzung schiesst er bereits wieder sagenhafte Tore.

Javier Cáceres
Daumen hoch: Neymar ist in WM-Form
Daumen hoch: Neymar ist in WM-Form
Nelson Almeida, AFP

Die Musik begleitet die Brasilianer auf allen erdenklichen Wegen, das war bei der Reise ins russische Sotschi nicht anders. Der Flug an sich sei ruhig gewesen, berichtete Verteidiger Miranda, nachdem die Mannschaft gegen 2.45 Uhr am Schwarzen Meer gelandet war, aber in der Flugkabine habe es auf dem Weg ins WM-Quartier durchaus «Animation» gegeben. Erst recht, weil Fágner, ein Ersatzverteidiger, der mal beim VfL Wolfsburg eine einzige Enttäuschung war, 10 000 Meter über der Erde seinen Geburtstag feierte: «Wir haben ihm alle singend gratuliert», berichtete Miranda bei Fox Sports.

Die gute Laune folgte nicht nur dem Klischee, das von den Brasilianern allgemein voherrscht – sie war auch dem letzten WM-Test geschuldet: Im Ernst-Happel-Stadion in Wien hatte Brasilien die gleiche österreichische Mannschaft, die neulich erst gegen Weltmeister Deutschland 2:1 gewonnen hatte, klar und deutlich mit 3:0 Toren besiegt. «Alles scheint perfekt zu sein», schrieb Tostão, einer der Weltmeister von 1970, in seiner sonst oft naserümpfenden Kolumne der Zeitung Folha de São Paulo.

Wo liegen Neymars Grenzen?

«Es ist nicht verboten zu träumen», bestätigte Neymar Jr., der ein sagenhaftes Tor zum zwischenzeitlichen 2:0 erzielt hatte. In der Heimat des Walzers verdrehte der Stürmer von Paris Saint-Germain dem ehamligen FCB-Verteidiger Aleksandar Dragovic so lange mit Samba-Bewegungen die Hüften, bis dieser im Strafraum auf dem Hosenboden landete; danach tunnelte Neymar den Torhüter. «Ich weiss nicht, wo die Grenzen von Neymar liegen. Seine technischen und kreativen Fähigkeiten sind beeindruckend. Wenn wir ihn auf dem letzten Drittel des Feldes in Aktion bringen können, ist er tödlich», sagte Brasiliens Nationaltrainer Tite nach einem Spiel, das die Seleção endgültig zum WM-Topfavoriten stilisierte.

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Bilder: Die Testspiele der Schweizer WM-Gruppengegner

Der Torhüter im Mittelpunkt: Costa Ricas Kult-Goalie Keylor Navas stoppt den Versuch des Belgiers Thorgan Hazard. (11. Juni 2018)
Der Torhüter im Mittelpunkt: Costa Ricas Kult-Goalie Keylor Navas stoppt den Versuch des Belgiers Thorgan Hazard. (11. Juni 2018)
Emmanuel Dunand, AFP
...Dries Mertens (v.) sowie ein Doppelpack von...
...Dries Mertens (v.) sowie ein Doppelpack von...
Geert Vanden Wijngaert, Keystone
...Starstürmer Romelu Lukaku (9) stellen das Skore in Brüssel bald einmal auf 3:1.
...Starstürmer Romelu Lukaku (9) stellen das Skore in Brüssel bald einmal auf 3:1.
Emmanuel Dunand, AFP
Michy Batshuayi (r.) schliesslich stellt mit dem 4:1 das Schlussresultat her.
Michy Batshuayi (r.) schliesslich stellt mit dem 4:1 das Schlussresultat her.
Emmanuel Dunand, AFP
Glänzend von seiner Blessur erholt: Mit Brasiliens grossem Star (l.) muss an der WM gerechnet werden. (10. Juni 2018)
Glänzend von seiner Blessur erholt: Mit Brasiliens grossem Star (l.) muss an der WM gerechnet werden. (10. Juni 2018)
Ronald Zak, Keystone
Neymar tanzt und trifft: Der Profi von Paris Saint-Germain erzielt das 2:0 gegen Österreich in Wien.
Neymar tanzt und trifft: Der Profi von Paris Saint-Germain erzielt das 2:0 gegen Österreich in Wien.
Joe Klamar, AFP
Gabriel Jesus ist für das 1:0 der Südamerikaner besorgt.
Gabriel Jesus ist für das 1:0 der Südamerikaner besorgt.
Ronald Zak, Keystone
Philippe Coutinho erzielt das 3:0. Der WM-Mitfavorit schein gut gerüstet für das Turnier in Russland zu sein.
Philippe Coutinho erzielt das 3:0. Der WM-Mitfavorit schein gut gerüstet für das Turnier in Russland zu sein.
Joe Klamar, AFP
Die Schweiz ist für das WM-Duell gegen die Seleção gewarnt.
Die Schweiz ist für das WM-Duell gegen die Seleção gewarnt.
Joe Klamar, AFP
Serbischer Jubel auf Grazer Rasen: Das will das Schweizer Nationalteam in Russland vermeiden. ( 9. Juni 2018)
Serbischer Jubel auf Grazer Rasen: Das will das Schweizer Nationalteam in Russland vermeiden. ( 9. Juni 2018)
Dominik Angerer, Keystone
Niederlage noch abgewehrt: Der französische Star Kylian Mbappé (M.) bewahrt Frankreich mit seinem Treffer von einem unangenehmeren Abend gegen die USA.
Niederlage noch abgewehrt: Der französische Star Kylian Mbappé (M.) bewahrt Frankreich mit seinem Treffer von einem unangenehmeren Abend gegen die USA.
Jeff Pachoud, AFP
Der französische Stürmer Olivier Giroud muss mit einer Wunde am Kopf vom Platz geführt werden.
Der französische Stürmer Olivier Giroud muss mit einer Wunde am Kopf vom Platz geführt werden.
Laurent Cipriani, Keystone
Einziger spanischer Torschütze: Iago Aspas (r.) freut sich in Krasnodar über sein Goal gegen Tunesien.
Einziger spanischer Torschütze: Iago Aspas (r.) freut sich in Krasnodar über sein Goal gegen Tunesien.
Pierre-Philippe Marcou, AFP
Nullnummer in Kopenhagen: Der Däne Thomas Delaney scheitert an Mexikos Keeper Guillermo Ochoa.
Nullnummer in Kopenhagen: Der Däne Thomas Delaney scheitert an Mexikos Keeper Guillermo Ochoa.
Lars Möller (AP), Keystone
Nullnummer auch in Göteborg: Schweden und Peru trennen sich torlos.
Nullnummer auch in Göteborg: Schweden und Peru trennen sich torlos.
Pontus Lundahl, Keystone
Klare Sache in Brüssel: Romelu Lukaku (M.) hat die Gastgeber gegen Ägypten in Führung gebracht. (6. Juni 2018)
Klare Sache in Brüssel: Romelu Lukaku (M.) hat die Gastgeber gegen Ägypten in Führung gebracht. (6. Juni 2018)
Geert Vanden Wijngaert, Keystone
Eden Hazard (M.) ist für das 2:0 besorgt. Die Belgier unterstreichen ihre Ambitionen für das grosse Turnier in Russland.
Eden Hazard (M.) ist für das 2:0 besorgt. Die Belgier unterstreichen ihre Ambitionen für das grosse Turnier in Russland.
Emmanuel Dunand, AFP
Marouane Fellaini (M.) hat soeben das 3:0 erzielt. Die Nordafrikaner sind ohne ihren Star Mo Salah wirkungslos.
Marouane Fellaini (M.) hat soeben das 3:0 erzielt. Die Nordafrikaner sind ohne ihren Star Mo Salah wirkungslos.
Geert Vanden Wijngaert, Keystone
Nigerias Alex Iwobi (l.) wird vom Tschechen Vladimir Coufal gestoppt. Die Afrikaner verlieren den Tets mit 0:1.
Nigerias Alex Iwobi (l.) wird vom Tschechen Vladimir Coufal gestoppt. Die Afrikaner verlieren den Tets mit 0:1.
Vladimir Simicek, AFP
Auch WM-Teilnehmer Panama bleibt sieg- und torlos. Der Norweger Joshua King freut sich über den einzigen Treffer in Oslo.
Auch WM-Teilnehmer Panama bleibt sieg- und torlos. Der Norweger Joshua King freut sich über den einzigen Treffer in Oslo.
NTB Scanpix/Hagan/Fredrik, AFP
Viele Baustellen: Alexander Samedow wird von Coach Stanislavw Tschertschessow verbal in die Zange genommen. (5. Juni 2018)
Viele Baustellen: Alexander Samedow wird von Coach Stanislavw Tschertschessow verbal in die Zange genommen. (5. Juni 2018)
Pawel Golowkin, Keystone
Auch gegen die Türkei kann Russland nicht gewinnen. Am Ende heisst es in Moskau 1:1.
Auch gegen die Türkei kann Russland nicht gewinnen. Am Ende heisst es in Moskau 1:1.
Pawel Golowkin, Keystone
Kampf um die Lufthoheit in der Steiermark: Der Serbe Aleksandar Mitrovic (M.) wird von zwei Chilenen bedrängt. (4. Juni 2018)
Kampf um die Lufthoheit in der Steiermark: Der Serbe Aleksandar Mitrovic (M.) wird von zwei Chilenen bedrängt. (4. Juni 2018)
Joe Klamar, AFP
Es geht recht zur Sache in Graz: Mitrovic (g. l.) wird auf unartige Weise gestoppt.
Es geht recht zur Sache in Graz: Mitrovic (g. l.) wird auf unartige Weise gestoppt.
Joe Klamar, AFP
Der einzige Treffer der Partie: Chiles Maripan (Nummer 6) trifft.
Der einzige Treffer der Partie: Chiles Maripan (Nummer 6) trifft.
Joe Klamar, AFP
Dem Schweizer WM-Gegner Serbien gelingt in den wenigen Minuten bis zum Schlusspfiff der Ausgleich nicht mehr – am Ende jubeln die Südamerikaner.
Dem Schweizer WM-Gegner Serbien gelingt in den wenigen Minuten bis zum Schlusspfiff der Ausgleich nicht mehr – am Ende jubeln die Südamerikaner.
Joe Klamar, AFP
Zwei grosse Fussball-Nationen, die nicht in Russland dabei sind: Italien und Holland lecken Wunden und testen in Turin. Zaza (r.) bringt die Azzurri in Front, aber...
Zwei grosse Fussball-Nationen, die nicht in Russland dabei sind: Italien und Holland lecken Wunden und testen in Turin. Zaza (r.) bringt die Azzurri in Front, aber...
Alessandro Di Marco, Keystone
...der holländische Offensivverteidiger Nathan Ake (g. l.) erzielt in der 88. Minute mittels Kopfball das 1:1. Dabei bleibt es.
...der holländische Offensivverteidiger Nathan Ake (g. l.) erzielt in der 88. Minute mittels Kopfball das 1:1. Dabei bleibt es.
Marco Bertorello, AFP
WM-Teilnehmer Marokko tritt in Genf auf und schlägt die Slowakei 2:1. Younes Belhanda (2. v. r.) freut sich über den Siegtreffer.
WM-Teilnehmer Marokko tritt in Genf auf und schlägt die Slowakei 2:1. Younes Belhanda (2. v. r.) freut sich über den Siegtreffer.
Salvatore Di Nolfi, Keystone
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Denn in Wien wurde deutlich, dass es bei den Brasilianern passt, hinten wie vorne. Nachdem die Abwehr bei der WM 2014 steter Quell der Sorge war, ist es nun so, dass Tites Team in 21 Spielen nur fünf Gegentreffer kassierte – halb so viele wie in den letzten beiden WM-Spielen 2014 (1:7 gegen Deutschland; 0:3 gegen Holland im Spiel um Platz drei). In den 21 Spielen unter Tite holte Brasilien 86 Prozent aller möglichen Punkte. Eine solche Bilanz hatte zuletzt die Weltmeistermannschaft von 1970 vor einem WM-Turnier aufzuweisen (87 Prozent) – jenes legendäre Team also, das vom grossen Pelé kommandiert wurde und mit insgesamt fünf «Zehnern» antrat: Rivelino, Tostão, Gérson, Jairzinho und Pelé.

Euphorie gepaart mit und Lockerheit

Nun schält sich bei den Brasilianern vor dem WM-Auftakt gegen die Schweiz eine neue, einschüchternde Offensiv-Maschine heraus. Gegen die Österreicher standen Brasiliens vier Tenöre erstmals zusammen in der Startelf: Neymar, Willian (FC Chelsea), Philippe Coutinho (FC Barcelona) und Gabriel Jesus (Manchester City). Zwar war das Führungstor von Gabriel Jesus (36. Minute) wegen einer Abseitsstellung irregulär, es war aber das Ergebnis der brasilianischen Dominanz in Wien. Coutinho wiederum traf auf Vorlage des eingewechselten Firmino (69.). Mit diesem Treffer schraubte Brasilien unter dem seit 2016 amtierenden Tite den Schnitt auf 2,23 Tore pro Partie; Brasilien hat in 18 der jüngsten 21 Spiele getroffen. Und Neymar kommt in 85 Länderspielen nun auf so viele Nationalmannschaftstore wie Romário: 55 Treffer in 74 Partien. «Ich habe so gejubelt, wie Romário es immer tat, um ihn zu ehren», berichtete ein sichtlich vergnügter Neymar nach der Partie.

Der Superstar weiss, dass er für besonders viel Euphorie im brasilianischen Lager sorgt; seine Form ist erstaunlich. Neymar hatte Ende Februar einen Mittelfussbruch erlitten. Erst in der Vorwoche bestritt er wieder ein Spiel und erzielte gegen Kroatien sogleich ein Tor. «Das Spiel heute war gut für das Selbstvertrauen, ich bewege mich mit grösserer Lockerheit», sagte Neymar.

«Die werden Weltmeister»

Angesichts der Gangart der Österreicher verspürte Brasiliens Stürmerstar offenbar doch ein wenig Angst. Es sei viel «geklopft» worden, sagte er, insgesamt wurden acht Fouls gegen ihn gepfiffen, Prödl und Schöpf sahen nach Attacken auf Brasiliens «Nummer 10» Gelb. «Das war heute auch eine Vorbereitung auf die UFC», die Ultimate-Fighting-Championship, eine US-Kampfsportserie der härten Art, sagte Neymar: «Aber es war gut.»

Das wiederum fanden die Österreicher nicht so amüsant. Sie warfen Neymar nachvollziehbarer Weise vor, zu leicht zu Boden zu gehen. Und überhaupt: Derlei «erwartet ihn auch bei der WM», sagte Österreichs deutscher Trainer Franco Foda, der nach fünf Siegen unter seiner Regie erstmals im Amt verlor. Laut ÖFB-Stürmer Marko Arnautovic stehen Brasilien in Russland sieben Spiele bevor, denn Neymars Team sei das beste der Welt: «Wir brauchen nicht zu diskutieren, was der Fehler war und was nicht. Die werden der nächste Weltmeister – fertig», sagte der frühere Bremer.

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Video: Brasilien-Legende spricht über Neymar und die Schweiz.

Roberto Carlos schwärmt von der Schweiz. Video: Tamedia

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