Die fünf wichtigsten Antworten vor dem Spiel in Irland

Wer ersetzt Shaqiri – und was macht er jetzt eigentlich? Kennt jemand einen Iren? Und wie gewinnt die Schweiz in Irland?

Er bezeichnet es als «Schlüsselspiel»: Nationaltrainer Vladimir Petkovic vor der Partie in Dublin.

Er bezeichnet es als «Schlüsselspiel»: Nationaltrainer Vladimir Petkovic vor der Partie in Dublin.

(Bild: Jan Kruger/Getty Images)

Thomas Schifferle@tagesanzeiger
Florian Raz@razinger
1. Wer ersetzt Xherdan Shaqiri?
Elf Freunde müsst ihr sein. Oder zumindest elf Spieler, die während 90 Minuten eine Einheit bilden. (Foto: Keystone)

Rein nominell, also vom Platz auf dem Matchblatt her? Da ist es wohl Denis Zakaria, der Shaqiris Platz einnimmt. Aber natürlich hat die Schweiz keinen Spieler in ihren Reihen, der vom Stil her auch nur annähernd ähnlich wie Shaqiri wäre. Zakaria mag viele Qualitäten haben, auf sein erstes Seitfallzieher-Tor aus 17 Metern dürften wir trotzdem noch ein wenig warten.

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Mick McCarthy hat es ganz schön zusammengefasst. Irlands Trainer erklärte, ohne Shaqiri sei es einfacher, sein Team auf das EM-Qualifikationsspiel gegen die Schweizer vorzubereiten: «Weil er einfach manchmal Dinge tut, die niemand voraussehen kann.»

Die (zugegeben) langweilige Antwort auf die Frage, wer Shaqiri ersetzt, lautet: das Team. Vladimir Petkovic sagt: «Wir haben ein System, dank dem wir nicht von einzelnen Spielern abhängig sind.» Und der Schweizer Nationaltrainer hat recht. Seine Mannschaft hat gegen Dänemark während 80 Minuten hervorragend gespielt – ganz ohne Shaqiri.

Nur den Einbruch am Ende, den dürfen die Schweizer heute gerne auslassen.

2. Und was macht Xherdan Shaqiri heute?
Was Xherdan Shaqiri so postet, während die Schweiz in Irland trainiert. (Foto: Instagram)

Es mag Sie vielleicht überraschen. Aber ganz genau wissen wir nicht, was Xherdan Shaqiri derzeit so treibt. Anfragen hat sein Bruder und Manager Erdin zuletzt recht unbeantwortet gelassen.

Wir wissen aber sehr gut, was Xherdan Shaqiri gestern Mittwoch gemacht hat, während sich die Schweiz auf die Partie in Dublin vorbereitet hat: Er hat ein Foto seiner beiden Champions-League-Medaillen auf Instagram gestellt. Und dazu die Trophäen seiner beiden gewonnenen Super Cups. Versehen mit einem Herzchen-Smiley.

Was das genau bedeuten sollte? Tja, da haben Sie uns schon wieder erwischt. Vielleicht, dass nicht alle Aktivitäten auf den sozialen Medien Sinn machen müssen?

Wir wissen aber sehr gut, wie viele Minuten Xherdan Shaqiri für die vier Medaillen arbeiten musste, die er da präsentierte.

2019 waren es 196 Minuten in der Champions League, null davon im Final. Dazu null Minuten im Super Cup. 2013 waren es 209 Minuten in der Champions League, null davon im Final. Und im Super Cup 26 Minuten plus den entscheidenden Elfmeter zum Sieg der Bayern über Chelsea.

Was bleibt, ist die Hoffnung, dass Shaqiris Ausharren in Liverpool wenigstens irgend einen Effekt hat. Dass er also demnächst ein paar Minuten Einsatzzeit erhält beim FC Liverpool.

3. Wie dramatisch wäre eine Schweizer Niederlage?
Hat lieber Punkte als Rechenübungen: Vladimir Petkovic. (Foto: Keystone)

«Die Tabelle kann man nicht gut lesen», sagt der Schweizer Nationalcoach Vladimir Petkovic. Was er damit meint: Irland hat wohl sechs Punkte mehr als die Schweiz, aber auch schon zwei Spiele mehr bestritten.

Der Vorteil der «Boys in Green» ist der Spielplan, dank dem sie die einfachsten Aufgaben schon hinter sich haben. Das sind das Heimspiel gegen Georgien und die beiden Partien gegen Gibraltar. Mit Ach und Krach haben sie diese ohne Schaden erfüllt: Die entsprechenden Resultate heissen 1:0, 1:0 und 2:0.

Natürlich liegt die Schweiz bei einer Niederlage heute Abend neun Punkte zurück, aber sie hat in dem Fall noch immer alle Zeit, um den Schaden zu beheben: Sie hat die beiden Pflichtaufgaben gegen Gibraltar ebenso noch vor sich wie das Heimspiel gegen Georgien. Und eben auch das Heimspiel gegen Irland. Nicht zu vergessen ist: Die Iren haben ein drängendes Problem, und das ist das seit langem das Toreschiessen.

«Seit der Gruppenauslosung wissen wir, dass das einer der Schlüsselspiele ist», sagt Petkovic sagt zum Match von heute. Und nimmt ihm im nächsten Atemzug gleich wieder die Bedeutung: «Aber es ist kein entscheidendes Spiel.»

4. Wie gewinnt die Schweiz dieses Spiel?
Immer hilfreich bei Fussballspielen: Stürmer, die das Tor treffen. Im Bild jubelt Haris Seferovic. (Foto: Keystone)

Die Iren sind nicht berühmt dafür, den feinen Fussball zu pflegen. Und auch wenn sie es versuchen, stossen sie an Grenzen, die im letzten Drittel des Spielfeldes beginnen. Ihre Stärke ist die Physis, die Leidenschaft. Fabian Schär sagt: «Kämpferisch und körperlich sind sie sehr präsent.» Die meisten irischen Spieler kennt er aus der Premier League, aus Spielen gegen Burnley, Brighton oder Everton. Granit Xhaka sagt: «Irland ist vom Physischen her besser als wir.»

Die Gefahr ist erkannt, die Schweizer können sich nicht einfach darauf verlassen, was sie vom Gegner abhebt, und nicht vom Spielerischen allein leben. Sie müssen mit der richtigen Einstellung auf den Platz geben, dass sie ein harter, unangenehmer Kampf erwartet. Die Erkenntnis muss sein: Punkte sind wichtiger als ein Schönheitspreis.

Coach Petkovic hat den letzten Besuch im Aviva Stadium von Dublin im März 2016 noch im Kopf. Es war von Unterhaltung und Qualität her ein grässlicher Abend, eines ist ihm trotzdem zur Lehre geworden: «Wir müssen schon vor dem Anpfiff bereit sein.» Damals verlor die Schweiz ein Testspiel auf dem Weg an die EM in Frankreich durch ein Gegentor in der 2. Minute 0:1.

5. Kennt man eigentlich einen dieser Iren?
Seamus Coleman, mit geschätzten 15 Millionen Euro Marktwert der wertvollste des irischen Kaders. Und Captain der Iren dazu. (Foto: Keystone)

Der Nation fehlen die grossen Namen von einst, ein Given, Stapleton, Quinn, Aldridge, Givens, Duff, Brady, und es fehlen die Keanes: Robbie, der Rekordtorschütze mit langer Vergangenheit bei Tottenham, und erst recht Roy, der Mittelfeldarbeiter, der mit seiner fanatischen Art Manchester United in den Neunzigerjahren zu Titeln in Serie trieb.

Heute heissen die Spieler Randolph, Coleman, Duffy, Keogh, Judge, O’Dowda, Stevens, Hendrick, Hourihane, Robinson (Callum, nicht Crusoe) oder McGoldrick. Die Namen mögen in Irland bestens bekannt sein, auf dem europäischen Festland verlieren sie jeden Klang.

Den bekanntesten Namen hat der Coach. Das ist Mick McCarthy, der Haudegen an der Seitenlinie. Er steht für die Erinnerung an die schönen alten Zeiten, als Irland 1988 erstmals an eine EM und zwei Jahre später erstmals an eine WM fuhr. Damals war er der Abwehrchef.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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berneroberlaender.ch/Newsnetz

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