Die Schweiz demontiert Island 6:0

Dem WM-Lamento folgt ein Comeback der Sonderklasse: Das Schweizer Nationalteam siegt in der Nations League.

Formsache: Admir Mehmedi trifft nach Zakaria-Vorlage zum 6:0. Video: SRF

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Eine bessere Antwort auf die Krisensymptome und vereinzelt diffusen Vorhaltungen hätte keinem PR-Strategen einfallen können: Die Schweizer Fussballer inszenierten auf dem Weg zum höchsten Heimsieg seit dem 6:0 gegen Panama im letzten März einen imposanten Kürlauf – notabene gegen einen Kontrahenten, der im Sommer vor zwei Jahren in der EM-Knock-out-Runde England eliminiert hatte.

In den letzten zwei Monaten fand im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft eine Dauerdebatte statt – zum Nachteil der Betroffenen drehte sich nahezu alles um Themen, die nicht auf dem Rasen zu lösen waren.

Rückzüge, Missverständnisse, Irritationen ohne Ende, bis die SFV-Auswahl zu Beginn der Woche mit einem solidarischen Auftritt vor den Medien zu einem ersten Schritt aus den nicht nur hausgemachten Turbulenzen ansetzte.

90 vorzügliche Minuten in St. Gallen

Das zweite Signal kam nicht von einem Round Table in lockerer Atmosphäre, das nächste kräftige Statement setzte die Mannschaft dort ab, wo sie bereits vor der wochenlangen Sommerposse imposante Qualitäten demonstriert und nur zwei ihrer letzten 26 Partien verloren hatte: auf dem Rasen in St. Gallen, im höchst einseitigen Duell mit einem Vertreter der Top 12 Europas.

Bildstrecke: Die Schweiz schlägt Island 6:0.

Innerhalb von 90 vorzüglichen Minuten schüttelten die Schweizer die Vorwürfe und Zweifel von Experten restlos aus den Kleidern, die teilweise unappetitlichen Begleiterscheinungen der im schwierigen Nachgang zur WM aufgekeimten Identifikationsdiskussion nicht richtig verkraftet zu haben. A prima vista war nichts mehr von irgendwelchen teaminternen Unebenheiten zu erkennen – im Gegenteil: Das Ensemble funktionierte wie in den besten Tagen der letzten WM-Kampagne.

Und wie es funktioniert: Seferovics Tor zum 4:0 könnte aus einem Lehrbuch stammen. Video: SRF

Und der Rahmen zur Gala passte perfekt. Das Publikum hatte die Mannschaft und ihren Captain Granit Xhaka nicht so empfangen, wie es sich einige scharfzüngige Beobachter und Meinungsmacher vorgestellt hatten. Die Anhänger verhielten sich ausgesprochen wohlwollend, Pfiffe waren keine auszumachen, die 14'912 Zuschauer goutierten Vladimir Petkovics Personalwahl in jeglicher Beziehung. Skepsis? Liebesentzug? Von wegen: donnernder Applaus, euphorische La-Ola-Welle, Respekt für die Protagonisten und eine Ehrenrunde im Kybun-Park.

Zuber-Traumtor, Zakarias wegweisendes 2:0

Am Anfang des sehr guten Auftritts sorgte einer für einen ersten Höhepunkt, der bereits in Russland positive Schlagzeilen produziert hatte: Steven Zuber, der in Hoffenheim wieder auf Touren kommt. Nach seinem Traumtor via Lattenunterkante nahm die Equipe von Petkovic Fahrt auf. Nach 23 Minuten erhöhten die dominanten Gastgeber gegen den Viertelfinalisten der letzten EM dank Denis Zakaria auf die kursweisende Marke von 2:0.

Steven Zubers 1:0: das erste und schönste Tor des Abends. Video: SRF

In der Folge spielte der Favorit so ziemlich das gesamte Repertoire seiner Vorzüge aus: gutes Passspiel, viel Tempo, Druck im gegnerischen Strafraum, Variantenreichtum, taktische Flexibilität. So wie es Petkovic im Vorfeld angekündigt hatte: «Wir wollen weiterhin überall Fortschritte machen und noch besser werden.»

Man müsse sich um die Zukunft des Nationalteams keine Sorgen machen, meldete der Wolfsburger Admir Mehmedi ein paar Tage vor dem Kick-off. Er meinte das frische Personal, dem der Selektionär im Vergleich zur Endrunde in Russland eine erste Chance zur Empfehlung für die Zukunft gewährte. Im Vergleich zum WM-Stamm kamen neu Kevin Mbabu, Denis Zakaria und Breel Embolo zum Zug.

Mbabu leitet Konkurrenzkampf ein

Mbabu, der YB-Aufsteiger des Jahres, hinterliess eine erste Visitenkarte. Der 23-Jährige hat als Rechtsverteidiger einiges zu bieten. Mit seiner Geschwindigkeit und Präzision in der Vorwärtsbewegung könnte der Romand ein Faktor werden. Eindruck hinterliess er auf der Position des wie vereinbart pausierenden Arsenal-Professionals Stephan Lichtsteiner jedenfalls – für den 103-fachen Internationalen bahnt sich ein komplexer Konkurrenzkampf an.

Xherdan Shaqiris Freistoss wird noch abgelenkt, das Tor gehört aber dem Schweizer. Video: SRF

Die personellen Retouchen zeigten Wirkung, der Plan des Strategen Petkovic ging auf. Xherdan Shaqiri entfaltete sich im offensiven Zentrum wie gewünscht. Auch seiner Raffinesse wegen überrollte der Weltranglisten-Achte die chancenlosen Insulaner regelrecht. Aber nicht nur der Liverpooler fiel auf, auch alle übrigen überzeugten. Akanji, der Abwehrpatron, Xhaka und Zakaria, die beiden Kraftwerke im Mittelfeld, Haris Seferovic, der traf und auch sonst brillierte – oder der Basler Nachwuchsstürmer Albian Ajeti, der gleich beim Debüt das 5:0 markierte. (sda)

Erstellt: 08.09.2018, 20:23 Uhr

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