Die Grasshoppers standen am Anfang – und am Ende?

Heute Samstag reist der FC Thun zu GC. Im Letzigrund soll die Serie der Sieglosigkeit enden.

Ein Sieg muss her: Trainer Marc Schneider, Sportchef Andres Gerber und Asistenztrainer Pascal Cerrone (von links).

Ein Sieg muss her: Trainer Marc Schneider, Sportchef Andres Gerber und Asistenztrainer Pascal Cerrone (von links).

(Bild: Christian Pfander)

YB 1., Basel 2., Thun 3. An diese Rangordnung hat man sich in der Super League gewöhnt, hat sie doch seit dem 17. Spieltag ununterbrochen Bestand. An der Belegung der ersten beiden Plätze dürfte sich bis zum Saisonende mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nichts mehr ändern.

Dass die Berner Oberländer die Spielzeit in den Top 3 abschliessen, ist jedoch alles andere als sicher. In den letzten Wochen ist die Konkurrenz näher gerückt. Theoretisch sind von Platz 2 bis 10 noch alle Schlussrangierungen möglich. Ein spätes Überflügeln Basels scheint aber ähnlich unrealistisch wie der plötzliche Fall ans Tabellenende. Das momentan achtplatzierte Luzern ist indes bei sieben ausstehenden Partien nur fünf Punkte entfernt.

Fruchtbare Diskussionen

Andres Gerber kennt die Tabelle gut. Der Thuner Sportchef weiss, dass seine Mannschaft seit acht Spielen nicht mehr gewonnen hat, dass in diesen Partien offensiv meist wenig zusammenpasste und dass sich in dieser Zeitspanne die Absenzen der verletzten Dennis Hediger und Matteo Tosetti immer wieder bemerkbar machten. Gerber spricht von einer «schwierigeren Phase», die der FCT momentan zu durchlaufen habe.

Gerber wäre aber nicht Gerber, wenn er aus solchen Phasen nicht auch Positives ziehen könnte. Er sagt beispielsweise, dass es den Spielern nur guttun könne, wenn sie in Abwesenheit der beiden Teamstützen Hediger und Tosetti mehr Verantwortung übernehmen müssten. Oder dass die Analysen und Diskussionen, die während dieser Zeit in der Mannschaft und im Staff geführt werden, für die Zukunft sehr fruchtbar sein könnten.

Der Kampf der anderen

Das wichtigste Argument, das die Verantwortlichen der Thuner seit Wochen mit einer positiven Grundeinstellung durchs Leben gehen lässt, ist der dritte Tabellenplatz, den die Oberländer trotz aller Schwierigkeiten bisher verteidigen konnten. Die anderen Mannschaften hätten momentan auch zu kämpfen, sagt Gerber. «Das zeigt, dass es nicht einfach ist, in dieser Liga Siege einzufahren.» Der letzte Vollerfolg des FC Thun datiert vom 16. Februar in St. Gallen (3:1).

Auch am letzten Wochenende standen die Thuner den Ostschweizern gegenüber. Und das 0:0 wurde im Team positiv bewertet. Gerber nennt es einen «guten Schritt», weil die Mannschaft erstmals seit längerem wieder defensiv solid gestanden sei und kein Tor zugelassen habe. Es sind solche Dinge, an denen sich die Thuner momentan erfreuen und versuchen, das Selbstvertrauen wiederaufzubauen und zurückzufinden zu ihrem schnellen Angriffsfussball, der sie in der Vorrunde zu einer der spektakulärsten Mannschaften der Liga machte.

Punkten statt rechnen

Über die Chance, sich erstmals seit 2015 wieder für den Europacup zu qualifizieren, verlieren sie zumindest öffentlich nicht viele Worte. «Natürlich wünschen wir uns, dass wir es schaffen, aber wir können nicht den Anspruch stellen», sagt Gerber. Sowieso gibt es momentan noch sehr viele Szenarien bezüglich wer wann und in welchem europäischen Wettbewerb teilnehmen könnte, und da noch zahlreiche Direktduelle anstehen, sind Prognosen nahezu unmöglich.

Gewinnt der FC Basel den Cup, würde beispielsweise der Drittplatzierte direkt in die Europa-League-Gruppenphase einziehen, und Sion könnte aufgrund eines hängigen Disziplinarverfahrens noch ganz von der europäischen Bühne ausgeschlossen werden. Freilich kennt Andres Gerber alle möglichen Szenarien, und er sagt, dass wer nach 29. Runden Dritter sei, natürlich auch nach 36 Runden noch dort stehen wolle. Druck aufsetzen will der 45-Jährige deshalb aber nicht. «Alles Rechnen bringt nichts, wenn wir unsere Punkte nicht holen.»

Nächste Gelegenheit dazu bietet sich heute Samstag (19 Uhr) bei GC. Mit einem 1:1 gegen die Zürcher hat die Thuner Serie der Sieglosigkeit Ende Februar begonnen, seither sind beim Schlusslicht zwei Trainer und ein Präsident ausgetauscht worden. «Ich bin nicht sicher, was uns erwartet», sagt Gerber. Auch wenn GC in den letzten acht Spielen einen Punkt mehr geholt hat als die Thuner, ist er überzeugt, dass die Oberländer vor dem Cuphalbfinal am Dienstag in Luzern im Letzigrund zum Siegen zurückfinden können. Und die Grasshoppers somit vielleicht erneut am Anfang einer Thuner Serie stehen – einer Siegesserie.¨

So könnte Thun spielen: Faivre; Glarner, Sutter, Rodrigues, Joss; Gelmi; Stillhart, Bigler; Schwizer, Sorgic, Spielmann. – Ohne: Hediger, Tosetti, Righetti, Ruberto (verletzt). Fraglich: Kablan. Gesperrt: Karlen.

Berner Zeitung

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