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Die Hetzjagd gegen Ballack-Treter Boateng

Nach seiner rüden Attacke gegen Opfer Michael Ballack wird Kevin-Prince Boateng zur Zielscheibe der deutschen Fussball-Fans. Auf Online-Plattformen hat die Hatz gegen ihn üble Formen angenommen.

Nach der rüden Foul: Kevin-Prince Boateng kümmert sich um sein Opfer Michael Ballack.
Nach der rüden Foul: Kevin-Prince Boateng kümmert sich um sein Opfer Michael Ballack.
Reuters

Nach dem Foul Boatengs im FA-Cupfinal vom letzten Samstag und dem anschliessenden WM-Forfait von Ballack ist der Schrei der Empörung in der Bundesrepublik laut. Im Internet ist gar eine regelrechte Hetzjagd entstanden. «Die Intensität der Diskussion war zu erwarten, aber die auftretende Brutalität ist schockierend», erklärt Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Uni Hamburg gegenüber welt.de. Die Facebook-Gruppe «82'000'000 gegen Boateng!!!!» zählte nur einen Tag nach der Absage des Nationalmannschafts-Regissseurs für die WM in Südafrika 60'000 Mitglieder. Ausdrücke wie «Penner» oder «Schwein» sind noch Beleidigungen der gehobeneren Sorte, die man auf Twitter, Facebook oder diversen anderen Foren-Einträgen lesen kann.

Internet-User schrecken dabei vor rassistischen Beschimpfungen gegen Boateng nicht zurück. Der Spieler, dessen Vater aus Afrika stammt und der für die Nationalmannschaft Ghanas an der WM antreten möchte, ist gewiss kein Musterprofi. Schon bei Hertha Berlin fiel er durch Eskapaden auf. Der 23-jährige Mittelfeldspieler ist überdies auf Jobsuche, sein Vertrag bei Pourtsmouth läuft diesen Sommer aus. Der Vorfall vom Wembley sowie sein befleckter Ruf auf und neben dem grünen Rasen sind für die Arbeitssuche gewiss nicht förderlich.

Gefahrenherd Internet

Dennoch wird bei den bösen Kommentaren gegen Boateng der Bogen überspannt. «Solche Anfeindungen hat es schon immer gegeben, nur wurden sie früher am Stammtisch der Kneipe oder am Rande des Spielfelds geäussert», bemerkt Soziologe Schmidt. Via Internet würden nun Hetzparolen schneeballartig verbreitet und für viele sichtbar. Ausserdem würden in Foren häufig Pseudonyme genutzt. «Es liegt aber an den Forenbetreibern zu reagieren, wenn die Nutzer deutlich über das Ziel hinausschiessen.»

Das mediale «Boateng-Bashing», vom nationalen Boulevard zusätzlich geschürt, führt auch zu Protesten. Eine Facebook-Gruppe namens «GEGEN die Hetzjagd auf Kevin-Prince Boateng» ist inzwischen ins Leben gerufen worden. Diese schämt sich für die vielen beleidigenden Kommentare. «Für alle, die nicht auf diese widerliche Medienhetze aufspringen wollen», heisst es dort. «Fouls gehören zum Fussball (leider) dazu.» Dieses Grüppchen hatte bis am Dienstagnachmittag lediglich 100 Mitglieder.

Prominente haben das Internet entdeckt

Im Internet-Zeitalter sei es für Prominente besonders schwer, sich zu schützen. «Sie können lediglich versuchen, mit der neuen Öffentlichkeit umzugehen.» Viele Sportler nutzen diese Gelegenheit, um Imagepflege beim Fussvolk zu gestalten. «Ein gutes Beispiel ist Radprofi Lance Armstrong. Er hat das Phänomen erkannt und sich selbst eine eigene Öffentlichkeit geschaffen», meint der Experte.

Kritiker sprechen bei Armstrongs Netz-Auftritten allerdings von einer raffiniert aufgebauten PR-Strategie in eigener Sache, die begangene Sünden an der Doping-Front reinwaschen oder in Vergessenheit bringen sollen.

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