Die Könige Europas

Der Europameister gewinnt auch die Nations League. Portugal ist im Final gegen Holland beim 1:0-Sieg deutlich überlegen.

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Frankreich ist Weltmeister. Italien und England, Spanien und Deutschland sind die grössten Fussballnationen des Kontinents. Die Könige Europas aber sind die Portugiesen. Der EM-Sieger 2016 setzt sich auch bei der ersten Austragung der Nations League durch.

Nach dem 3:1 im Halbfinal des Final Four gegen die Schweiz gewinnt er am Sonntagabend das Endspiel gegen Holland 1:0 - und ist das deutlich bessere Team. Nicht nur wegen Starstürmer Cristiano Ronaldo. Sondern auch, weil die Portugiesen stilsicher auftreten, in der Defensive um den starken Jungverteidiger Ruben Dias stabil sind, im Mittelfeld ballsicher, im Angriff variantenreich.

Fernandes und Silva überzeugen

Vor dem Final versuchten beide Trainer, dem Gegner die Favoritenrolle zuzuschieben. Portugals Fernando Santos meinte, Holland habe in der Gruppenphase Frankreich und Deutschland geschlagen und im Halbfinal England bezwungen. «Wer das schafft, muss Favorit sein.»

Sein Gegenüber Ronald Koeman dagegen fand, Portugal sei als Gastgeber und als Europameister jene Mannschaft, die höher einzuschätzen sei. «Die Schweiz war zwar im Halbfinal stärker, aber die Portugiesen sind schwierig auszurechnen, sie haben nicht nur Ronaldo.»Manchmal sei es zudem unmöglich, Ronaldo zu verteidigen. «Das Beste, was wir tun können, ist den Ball zu haben. Denn wenn wir den Ball haben, kann er uns nichts antun», sagte Koeman.

Hollands Plan geht nicht auf

Diesen Matchplan setzen die Holländer in Porto nicht unbedingt konsequent um. Nach einer ordentlichen Startphase schleichen sich bei ihnen überraschend viele Ballverluste ein, auch der brillante Stratege Frenkie de Jong, ab Sommer beim FC Barcelona, vermag dem Aufbau für einmal kaum Struktur zu verleihen. Er steht deutlich im Schatten von Bruno Fernandes, dem Regisseur Sporting Lissabons, der in den nächsten Wochen ebenfalls zu einem internationalen Topclub wechseln wird.

Sein neuer Arbeitgeber ist noch nicht bekannt,freuen kann sich dieser auf einen torgefährlichen, kreativen, fleissigen Spielmacher. Fernandes ist der prägendste Akteur des Finals, Ronaldo bereitet Hollands Abwehrtalent Matthijs de Ligt einige Probleme, der flinke Bernardo Silva stiftet mit seinen Dribblings Verwirrung.

Guedes Siegtor

Ein Tor allerdings gelingt Portugal lange Zeit nicht. Bis zur 60. Minute. Fernandes orchestriert den Angriff, nach blitzschneller Kombination taucht Silva in Hollands Strafraum auf, bedient mit viel Übersicht den zuvor blassen Angreifer Goncalo Guedes, der von der Strafraumgrenze aus freie Schussbahn hat. Hollands Goalie Jasper Cillessen ist mit der Hand zwar noch am Ball, vermag das Gegentor aber nicht zu verhindern.

Hier schiesst Guedes Portugal ins Glück. (Quelle: SRF)

Im Zentrum des Finals stehen mit Cristiano Ronaldo sowie Virgil van Dijk auch der beste Stürmer Europas (oder der Welt) und der beste Verteidiger Europas (und der Welt). Ronaldo enttäuscht keineswegs und wird dank seinen drei Treffern gegen die Schweiz Torschützenkönig des Finalturniers. Er steht aber für einmal im Schatten seiner Mitspieler Ruben Dias, Bruno Fernandes sowie Bernardo Silva, der als wertvollster Spieler des Final Four ausgezeichnet wird. Und van Dijk ist dominant und überzeugend wie gewohnt, seine Teamkollegen in der Offensive dagegen sind auch während des Sturmlaufs in der Schlussphase zu wenig zwingend.

Zweiter Titel für Portugal

Holland fehlte zuletzt an der EM 2016 sowie an der WM 2018 und ist auf dem allerbesten Weg, den personellen Umbruch im Nationalteam erfolgreich zu moderieren. Am Sonntag reicht es in Porto jedoch nicht für den Coup - und den zweiten Titelgewinn in der Geschichte nach der EM 1988. Es sind die Portugiesen, die zum zweiten Mal eine Trophäe gewinnen. Drei Jahre nach dem Triumph an der Euro in Frankreich, als sie den Gastgeber im Final 1:0 nach Verlängerung besiegten.

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