Die Krux mit der Klimasolidarität

Ronaldo, Neymar, Tom Brady – kaum ein Sportstar, der nichts zu den Waldbränden am Amazonas postet. Was für eine Solidarität ist das?

Kollektive Betroffenheit: Die Fussball-Grossverdiener Neymar und Cristiano Ronaldo (Mitte).

Kollektive Betroffenheit: Die Fussball-Grossverdiener Neymar und Cristiano Ronaldo (Mitte).

(Bild: Reuters)

Er ist so etwas wie der Übervater unter den Prominenten, die sich fürs Klima engagieren: Leonardo di Caprio ist dieser Tage wieder fleissig im Internet unterwegs. Im Amazonas brennt es seit Wochen, zusammen mit einer andauernden Dürre sorgen Brandrodungen der Landwirte für riesige Feuer, die kaum mehr unter Kontrolle zu bringen sind. Im Regenwald wüten Brände – und auf den Sozialen Medien laufen heisse Debatten.

Auch die Sportprominenz ruft über ihre Kanäle, auf denen sie längst mehr Leute erreicht, als jedes Newsportal auch nur im Ansatz, zum Bewusstsein für die Probleme im Regenwald auf, dafür, etwas zu tun. Nur: was? Und: wie?

«Es ist unsere Verantwortung, dem Planeten zu helfen», schreibt Ronaldo. Er tut das auf seinem Instagram-Account, 180 Millionen Menschen folgen ihm alleine da. Fussballer aus Europa reagieren auf den Aufruf und das Bild mit Emojis, es ist in diesen Kommentarspalten auch ein sehen und gesehen werden. Enzo Zidane, der Sohn des grossen Zinédine, tut es, Gary Lineker meint «Well said» und irgendein Fan schreibt nur: «Bitte hör auf, zu politisieren.»

Es ist die immergleiche Frage: Inwiefern sollen sich Spitzensportler politisch äussern? Früher, da war es simpel: Reporter stellten eine Frage, Sportler beantworteten sie mehr oder weniger gekonnt, je nach je stand der Wortwechsel dann in der Zeitung oder fand den Weg ins Fernsehen.

Auf Medien können die Superstars heute getrost verzichten. Sie erreichen über Social Media mit einem Post die ganze Welt, Football-Star Tom Brady (6,4 Millionen Follower) verbreitet auf Instagram die Posts seiner Frau, dem Top-Model Giselle Bündchen aus Brasilien (15,4 Millionen Follower) weiter. Wenn auch nicht alles immer so ganz ungefiltert in die Welt hinaus geht – gerade hinter Figuren wie etwa Ronaldo oder Neymar ganze PR-Abteilungen stehen, die genau taktieren, welche Nachrichten sie wie an die grosse Gefolgschaft senden.

Auch Häme, Wut und Unverständnis

Auch Neymar, der Brasilianer, in dessen Heimat es gerade akut ist mit den Waldbränden, hat sich dem Hashtag #prayforamazonia angeschlossen und in seiner Instagram-Story gefordert: «Wir müssen kämpfen, wir dürfen nicht aufhören, auch wenn der Wald Jahr für Jahr wieder aufs Neue brennt.»

Neymars Story auf Instagram.

Dass die Aufrufe der Grossverdiener an ihr Millionenpublikum nicht eines gewissen Zynismus entbehren, ist klar. Unter den Applaus aus dem Publikum an die Spitzenverdiener im Fussball, die sich Woche für Woche im Privatjet an ihre Destinationen fliegen lassen, mischt sich bisweilen auch Häme, Unverständnis und Wut.

mrm

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