Die Münsinger Aufstiegsfamilie

Der FC Münsingen hat die Überraschung geschafft und gewann das Rückspiel der Aufstiegsbarrage zur Promotion League gegen den favorisierten FC Solothurn 3:0.

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Adrian Lüpold

Es sind Szenen voller Glückseligkeit, die sich am Samstag auf dem Sportplatz Sandreutenen abspielen. Spieler, Vorstandsmitglieder und Freunde des FC Münsingen liegen sich in den Armen, bejubeln den Aufstieg der Aaretaler in die Promotion League frenetisch.

Coach Kurt Feuz ist da schon nass bis auf die Haut, sein T-Shirt klebt am Leib, etliche Bier- und Wasserduschen sind nach dem Schlusspfiff des finalen Aufstiegsspiels gegen Solothurn über dem leicht erröteten Kopf der 65-jährigen Kultfigur ergossen worden. «Es ist wunderbar, ein ­unglaublicher Moment», erklärt Feuz mit heiserer Stimme ins Mikrofon des Speakers, als sich im Hintergrund schon die nächsten «Gratulanten» anschleichen.

Fans und Spieler feiern den Aufstieg. Video: Adrian Lüpold

Es handelt sich um die ehemaligen Fanionspieler Antonio Gambardella und Matthias Hauwirth, die viele Jahre unter Feuz gespielt hatten und die noch heute ab und zu ihre Knochen bei den Senioren 40+ für den FCM hinhalten.

Die mittlerweile leicht ergrauten Männer grinsen wie Kinder in einem Lunapark, Gambardella entleert seinen Bierbecher strahlend über dem Haupt von Feuz und schultert seinen Ex-Trainer, der seit 34 Jahren (!) die Geschicke der ersten Mannschaft leitet. Die Szene mutet rührend an. Sie verdeutlicht, wie es atmosphärisch aussieht im Club. Der FCM funktioniert wie eine Familie.

Taktischer Kniff von Feuz

Jener Spirit war ausschlaggebend, dass es dem FCM vor 1500 Zuschauern gelang, die 1:2-Hypothek aus dem Hinspiel in Solothurn wettzumachen. In der ersten Halbzeit auf Sicherheit bedacht, drehten die Aaretaler nach der Pause gewaltig auf. Natürlich hatte Taktikexperte Feuz die entscheidenden Impulse gegeben.

Er stellte in der Pause um, beorderte mit Michael Erzinger einen Kämpfer mit feinem Füsschen ins rechte Couloir, die hängende Spitze Luca Lavorato wechselte auf die linke Seite. Später wechselte Feuz mit Markus Hubacher auch noch einen technisch beschlagenen Strategen fürs Mittelfeld ein, das nun mehr Substanz aufwies. Und plötzlich lief es. Patric Gasser nickte eine Massflanke von Max Dreier zur Führung ein (56.). Solothurn musste reagieren, was dem konterstarken FCM in die Karten spielte.

Erneut Gasser nach brillanter Vorarbeit von Lavorato (72.) und Erzinger nach einem Konter (83.) besiegelten den Triumph gegen einen Gegner, der finanziell über andere Möglichkeiten als der FCM verfügt, im Rückspiel aber nie jene Leidenschaft an den Tag legte wie die Aaretaler. «Der Plan nach der Pause ist perfekt aufgegangen. Es ist toll, diesen Aufstieg mitzuerleben», sagte Feuz.

Captain Gasser strich derweil den Zusammenhalt heraus: «Der Teamspirit war entscheidend. Wir sind auch neben dem Platz Freunde, unternehmen viel zusammen in der Freizeit, was zusammenschweisst.» Mit dem Aufstieg belohnten sich die Akteure nun gleich selber und sorgten nebenbei wohl auch für eine der feuchtfröhlichsten Partys in der Geschichte der Münsinger Fussballfamilie.

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