Die Schweizer WM-Rechnung

Die Schweizer Fussballer sind nach dem 3:2-Sieg in Ungarn auf dem besten Weg, die WM 2018 in Russland zu erreichen. Ihnen bietet sich eine verlockende Ausgangslage – mit einer interessanten Rechnung.

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Wer einen EM-Achtelfinalisten auswärts bezwingt, darf von einem Big Point sprechen. Und das tun die Schweizer Nationalspieler nach dem 3:2-Sieg am Freitagabend in Budapest gegen Ungarn auch. «Das ist natürlich nun ein perfekter Start in die WM-Qualifikation», sagt Xherdan Shaqiri. «Aber das Spiel hat ganz schön viel Nerven gekostet.»

Valentin Stocker, der in der 90. Minute das Siegtor erzielte, meint, er habe darauf gehofft, nach seiner Einwechslung kurz vor Spielende eine Torchance zu erhalten. «Zum Glück kam der Ball dann vor meine Füsse, und es war ein grossartiges Gefühl, als er im Tor landete.»

Das entscheidende 3:2 durch Stocker. Video: SRF

Nationaltrainer Vladimir Petkovic wiederum behält im grossen Trubel nach dem Last-Minute-Erfolg die Übersicht. Er spricht davon, dass seine Mannschaft «mal wieder Charakter» gezeigt und die Gegentore gut weggesteckt habe. Der Coach schien in der Schlussphase mit dem 2:2 zufrieden zu sein, ersetzte er doch zehn Minuten vor Schluss Offensivkünstler Shaqiri mit dem soliden Gelson Fernandes. Erst in der 88. Minute schickte Petkovic den Edeljoker Stocker aufs Feld. Es war sein Glücksgriff.

Behramis Trick

Am späten Samstagnachmittag fliegt die Schweizer Delegation nach Barcelona, nach der Landung folgt eine etwas mehr als dreistündige Busfahrt nach Andorra, wo es am Montagabend gegen den krassen Aussenseiter der Gruppe geht.

Nicht mehr dabei ist Valon Behrami: Der beeindruckende Kämpfer im Aufbau und Watford-Akteur verabschiedete sich am Samstagmorgen von den Mitspielern und flog nach London.

Behrami ist gegen Andorra gesperrt, weil er in Budapest in der Nachspielzeit einen Einwurf so lange verzögert hatte, bis er verwarnt wurde. Das war dreifach clever, weil sich der schon lange an den Knien angeschlagene Routinier damit schonen kann, seine Sperre gegen den schwächsten Gegner der Gruppe absitzen darf – und die Partie auf dem für seine Gesundheit nicht angenehmen Kunstrasen auslassen kann.

Behrami erklärte nach dem Spiel, er habe die gelbe Karte absichtlich genommen, das sei mit dem Trainer abgesprochen gewesen. Möglicherweise ist es nicht besonders schlau, so etwas zuzugeben, selbst wenn die Aktion smart gewesen ist.

Am Samstag nominierte Petkovic neben Flügelspieler Shani Tarashaj mit Edimilson Fernandes einen zweiten U-21-Nationalspieler für den Trip nach Andorra nach. Fernandes trifft dabei auf seinen Cousin Gelson Fernandes, der wie YB-Youngster Denis Zakaria ein Kandidat ist, um Behrami zu ersetzen.

Viele Pflichtsiege erwartet

Nach sechs grossen Spielen ohne Niederlage in den letzten vier Monaten ist das Selbstvertrauen bei den Schweizern riesig. Das verlorene Elfmeterschiessen im EM-Achtelfinal gegen Polen trübt die starke Bilanz zwar, doch nach dem 2:0-Sieg gegen Europameister Portugal zum Auftakt der WM-Qualifikation setzte die Nationalmannschaft am Freitag in Ungarn ein weiteres Ausrufezeichen.

Nun folgen sechs Pflichtspiele, in denen man von der Schweiz sechs Siege erwarten darf – in den Partien zu Hause und auswärts gegen Andorra, Färöer und Lettland. Und wer Ungarn in Budapest schlägt, ist natürlich auch im Heimspiel im nächsten Herbst favorisiert.

Der Spielplan der Schweiz:

«Bonusspiel» in Andorra

Das vielleicht schwierigste Spiel bis zum Auftritt gegen Ungarn wartet auf die Schweizer am Ende einer langen Saison im nächsten Juni auf den Färöer-Inseln, die am Freitag Lettland auswärts 2:0 schlugen. «Es ist nicht einfach dort oben», sagte Ungarns Nationaltrainer Bernd Storck nach dem enttäuschenden 0:0 seiner Auswahl vor einem Monat auf der Schafsinsel. Auch die Schweizer taten sich auf den Färöern schon sehr schwer.

Vorerst aber folgt für die Schweiz am Montag eine Art «Bonusspiel» in Andorra. Bei Punktgleichheit zwischen zwei Mannschaften entscheidet am Ende zuerst die Tordifferenz. Die Portugiesen siegten am Freitag gegen Andorra 6:0, Superstar Ronaldo traf viermal. Nur 6:0, darf man festhalten, angesichts von nicht weniger als 36 Schüssen (!) auf das andorranische Tor sowie zwei roten Karten gegen den Fussballexoten.

Mit dem Tabellenrechner von weltfussball.com können Sie die Schweizer Gruppe B schon einmal durchspielen.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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