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«Die sollen jetzt selber schauen»

Ohne Sepp Blatters Anwesenheit wird heute der neue Fifa-Präsident und somit sein Nachfolger gewählt. Am Ende seiner Ära zeigt sich der Walliser erstaunlich abgeklärt.

Knapp 18 Jahre war er Fifa-Präsident. Die Wahl seines Nachfolgers darf er nicht vor Ort verfolgen: Joseph S. Blatter. (Archivbild)
Knapp 18 Jahre war er Fifa-Präsident. Die Wahl seines Nachfolgers darf er nicht vor Ort verfolgen: Joseph S. Blatter. (Archivbild)
Steffen Schmidt, Keystone

Vor zwei Tagen hat die Fifa-Berufungskommission die Einsprüche von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter und Uefa-Chef Michel Platini abgelehnt, deren Sperren allerdings um zwei auf sechs Jahre reduziert. Die beiden dürfen somit bis 2021 keinerlei Ämter im Weltfussball ausüben.

In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» nennt Blatter den Entscheid der Rekurskommission, der ihn auch von der Teilnahme am Kongress ausschliesst, einen «schlechten Witz».

Nichts Gravierendes verbrochen

Alle Fälle, welche die Ethikkommission behandelt habe, hätten Jahre gedauert. Nur jene von Platini, Generalsekretär Jérôme Valcke und ihm seien im Eiltempo durch alle Instanzen gegangen, kritisiert der Walliser das Urteil seiner alten Weggefährten. Er habe nichts Gravierendes verbrochen, sagt Blatter.

Er will, dass der Fussball wieder ins Zentrum rückt. Gianni Infantino bei seiner Antrittsrede als neuer Fifa-Präsident.
Er will, dass der Fussball wieder ins Zentrum rückt. Gianni Infantino bei seiner Antrittsrede als neuer Fifa-Präsident.
AFP
Etwas ungläubiger Dank an alle Anwesenden. Gianni Infantino, bis 2019 gewählt, kann sein Glück kaum fassen.
Etwas ungläubiger Dank an alle Anwesenden. Gianni Infantino, bis 2019 gewählt, kann sein Glück kaum fassen.
AFP
Nicht alle finden den Kongress bisher spannend: Gregory Dyke, Präsident der englischen FA, gönnt sich ein Nickerchen. Vielleicht rechnet auch er mit einem langen, langen Tag.
Nicht alle finden den Kongress bisher spannend: Gregory Dyke, Präsident der englischen FA, gönnt sich ein Nickerchen. Vielleicht rechnet auch er mit einem langen, langen Tag.
Keystone
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Er und Platini waren über eine dubiose Zahlung von 1,8 Millionen Euro gestolpert, die Platini im Jahr 2011 von Blatter angeblich für lange zurückliegende Beratertätigkeiten erhalten hatte. Die Ermittler vermuten Schmiergeld für Blatters Sieg bei der Präsidentschaftswahl im Sommer des gleichen Jahres. Beide hatten immer wieder die Rechtmässigkeit der Zahlung beteuert.

Unter dem Einfluss der US-Justiz

«Ein finanzieller Vorgang, der nichts mit Ethik zu tun hat. Die Kommission kam zum Schluss, dass es sich bei der Zahlung an Michel Platini nicht um Bestechung und Korruption gehandelt hat. Was bleibt dann noch? Ein Geschenk?», rechtfertigte sich Blatter in der «Aargauer Zeitung». Für den im März 80 Jahre alt werdenden Schweizer ist etwas nicht ganz koscher in der Fifa-Ethikkommission.

Für ihn sei klar, dass die Ethikkommission von der vermeintlich unabhängigen Fifa-Administration gesteuert werde. Diese wiederum stehe unter dem Einfluss der US-Justiz, so Blatter.

«Ich bin nicht böse»

Alles in allem sei Blatter nach dem Entscheid der Kommission zwar aufgebracht gewesen, es gebe aber nichts zu bedauern. «Ich bin nicht böse», so Blatter, der sich heute, während der Fifa-Kongress im Gange ist, in Zürich aufhält.

Für die Zukunft der Fifa wünscht sich der Walliser, dass sie sich weiter um die kleinen Verbände kümmert und nicht ziellos Millionen ausschüttet. Angesprochen auf die Wahl des neuen Präsidenten und darauf, ob er den Kongress immer noch beeinflussen könnte, sagt er: «Es wäre wohl schon so, dass mein Wort noch immer Einfluss hätte. Aber ein paar Stunden vor der Wahl? Nein, die sollen jetzt selber schauen.»

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