Die weite Reise von Maurizio Jacobacci

Der 56-Jährige kehrt ins Schaufenster zurück: Heute gibt er in Luzern seinen Einstand als Trainer des FC Lugano.

Gibt neu in Lugano die Richtung vor: Maurizio Jacobacci.

Gibt neu in Lugano die Richtung vor: Maurizio Jacobacci.

(Bild: Keystone Alessandro Crinari)

Peter M. Birrer@tagesanzeiger

Zwischen dem Dörfchen Origlio und Luganos Stadion Cornaredo liegen sechs Kilometer – oder aus Sicht von Maurizio Jacobacci: 15 Trainerstationen. In Origlio startete er 1995 seine Karriere als Coach in der 3. Liga. Danach war er bei Monte Carasso, Mendrisio, Chiasso, GC, Delémont, Baden, Wil, Vaduz, Sion, Kriens, Schaffhausen, Wacker Innsbruck, Wil, Sion, Bellinzona. Und Anfang dieser Woche rief nun also der FC Lugano.

Jacobacci lernte Amateurligen kennen, verbrachte die meiste Zeit in der Challenge League, war in allen Landesteilen, einmal kurz auch im Ausland, wurde gelobt und entlassen. Und er musste 55 werden, bis er erstmals in der Super League eine Chance bekam. 2018 war das bei Sion.

Vor fast 14 Monaten endete sein Aufenthalt im Wallis. Aus der erhofften kurzen Pause wurde eine längere Auszeit. Jacobacci hielt sich im Gespräch mit Gastauftritten als Experte bei Teleclub in der Romandie und Deutschschweiz. Als sich Bellinzona in diesem August zum zweiten Mal meldete, der Club aus der 1. Liga Promotion, dachte der 56-Jährige: «Es ist besser, wieder etwas zu machen, als auf einen Anruf zu warten.» Er pendelte zwischen seinem Wohnsitz Zug und dem Tessin. Vertraglich liess er sich zusichern, innert drei Tagen aussteigen zu können, falls ein höherklassiger Arbeitgeber ruft. Das war jetzt der Fall.

Clubbesitzer Renzetti: «Kann das Glück leider nicht kaufen»

Luganos Präsident Angelo Renzetti entliess am Montag Trainer Fabio Celestini nach 17 Wettbewerbsspielen mit nur drei Siegen. Er fragt: «Was blieb mir anderes übrig?» Der Clubbesitzer, der sich intensiv nach einem Käufer für den FC Lugano umsieht, spürt den Unmut unter den Zuschauern. 3429 sind im Schnitt bei den Heimspielen gezählt worden, das bedeutet auch: mit Abstand schlechtester Wert der Liga. «Ich kann das Glück leider nicht kaufen, und ich kann nicht die Spieler auswechseln», sagt Renzetti, «aber ich glaube, dass Jacobacci für uns die beste Lösung in dieser Situation ist.»

Der Neue hat beim Tabellenvorletzten einen Vertrag bis Ende Saison erhalten. Das ist nichts Langfristiges, aber doch reizvoll genug, weil er sich ins Schaufenster stellen kann. Jacobacci sagt, er habe in den vergangenen Monaten nie gezweifelt: «Ich weiss, was ich geleistet habe, und darf von mir behaupten, das Handwerk zu verstehen. Jetzt kann ich mich präsentieren. Und wer weiss: Vielleicht geht es im nächsten Sommer in Lugano für mich weiter.»

Heute kann er mit seiner Bewerbung in der Zentralschweiz anfangen: Gegen Luzern coacht er die Tessiner zum ersten Mal.


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