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Eier kraulen und bei Edeka einkaufen

Lukas Podolski nahm das ganze Brimborium im Fussball so, wie er das Leben nimmt: nicht ganz so ernst.

Podolski hat unfassbare 130 Länderspiele bestritten und 49 Tore erzielt.
Podolski hat unfassbare 130 Länderspiele bestritten und 49 Tore erzielt.
Keystone

Es ist kaum Zufall, verschwinden Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger gleichzeitig von der grossen Fussballbühne. Vor 13 Jahren tauchten sie als Poldi und Schweini im deutschen Nationalteam auf und symbolisierten die neue deutsche Fussballlust. Der eine stieg zum Strategen von Weltrang auf, der andere blieb: Prinz Poldi. Ein Lausbub, dem man nie böse sein konnte, weil er das ganze Brimborium im Fussball so nahm, wie er das Leben nimmt: nicht ganz so ernst.

Podolski hat unfassbare 130 Länderspiele bestritten und 49 Tore erzielt, Bundestrainer Joachim Löw hat den immer noch erst 31-Jährigen jahrelang als gut gelauntes Maskottchen mitgezogen, schenkte ihm jede Menge Kurzeinsätze. Selbst Kanzlerin Angela Merkel suchte die Nähe zum Weltmeister 2014. Poldi ist wie eine Kunstfigur, die aus der abgeschliffenen Fussballzeit gefallen ist: offen, unverstellt, witzig.

Dutzende grossartige Episoden prägen sein Wirken, herrlich unverkrampft ist sein Wesen, unvergessen etwa jener Spruch, als Löw an der Euro 2016 von Kameras erwischt worden war, wie er seine Hose richtete. Am nächsten Tag meinte Podolski an der Pressekonferenz: «80 Prozent von euch und ich kraulen sich schon mal an den Eiern.»

Hach, wie schade, gibt es nicht mehr solche Typen. Es sei noch eine von vielen wunderschönen Geschichten erwähnt. Als Podolski 2009 von Bayern in die geliebte Heimat Köln zurückkehrte, beteiligte sich schier die ganze Stadt an der Ablösesumme von rund 12 Millionen Franken. Die Supermarktkette Rewe war besonders spendabel und firmierte als Partner bei der Präsentation. Die Frage kam, welche Beziehung der Fussballer zu Rewe pflege: «Ich kaufe immer bei Edeka.»

Ein echter Poldi! Und überhaupt: Köln! Dort ist der «Kölsche Jung» mit polnischen Wurzeln ein Superstar. Bei Bayern, Inter und Arsenal setzte er sich nicht durch, derzeit spielt er bei Galatasaray. Trotz allem kein schlechter Werdegang für einen, dessen Karrierestandbein der grossartige linke Fuss darstellte.

Am Mittwoch durfte Podolski im Test gegen England die Captainbinde tragen, es war sein Abschiedsländerspiel, er erzielte ein Traumtor zum 1:0-Sieg. Linke Klebe in den rechten Winkel.

Ende Saison geht Podolski nach Japan. Authentisch, wie er ist, gibt er zu, dass eher nicht sportliche Gründe zum Wechsel führten. Schweinsteiger dagegen, der diese Woche den Transfer von Manchester United zu Chicago in die MLS verkündete, spricht von einer «Vision», die er in den USA verfolge. Podolski würde das nie einfallen.

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