Ein Paragrafenreiter bringt Schweizer Clubs in Nöte

Seit zehn Jahren reist der FC Basel nach Rottach-Egern ins Trainingslager. Dann kommt Paragraf 32, Absatz 2.

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Am Mittwochabend testet der FC Basel in Unterpfaffenhofen gegen den TSV 1860 München. Seit zehn Jahren bereiten sich die Basler in Oberbayern auf die Saison vor, die Spiele gegen den deutschen Drittligisten sind dabei Tradition. In Rottach-Egern, wo der FCB quartiert, lassen die Trainingsbedingungen kaum Wünsche offen. Und das Idyll der Ortschaft am Tegernsee macht sich auf jeder Postkarte gut. Auch Bayern München oder Borussia Mönchengladbach fahren in der Zwischensaison dorthin, Liverpool war 2017 dort. Rottach-Egern ist dermassen beliebt, dass die Gemeinde dieses Jahr Atlético Madrid und Liverpool eine Absage erteilen musste.

Für den FCB ist Rottach-Egern eine paradiesische Sommerresidenz. Noch. Denn der Deutsche Fussball-Bund (DFB) erschwert den Testspielbetrieb für ausländische Vereine. Der FCB hatte Partien gegen Wacker Innsbruck und Rubin Kasan geplant. Beide wurden abgesagt, wegen des Paragrafen 32, Absatz 2 der DFB-Spielordnung. Dieser besagt zusammengefasst: Zwei ausländische Mannschaften dürfen auf deutschem Boden gegeneinander antreten, aber die Partie darf nicht von einem Verein veranstaltet werden, der dem DFB angehört. De facto fallen damit praktisch alle Fussballplätze weg, die den Qualitätsanforderungen eines Profibetriebs entsprechen.

Zwar kann der DFB Ausnahmen gewähren. Aber grundsätzlich darf der FC Basel während seines Trainingslagers nur gegen deutsche Vereine spielen, wie eben den TSV 1860 München. Das macht den FCB nicht glücklich. Denn die Teams aus der 1. Bundesliga sind zu der Zeit noch in den Ferien. Deutsche Gegner von hoher Qualität fehlen also.

Plötzlich wird der Paragraf strenger angewendet

In den letzten Jahren haben die Basler in Deutschland immer wieder gegen ausländische Teams gespielt. Trotz Paragraf 32, Absatz 2, der inzwischen offenbar strenger angewendet wird. Beim FCB versteht diesen Paragrafen niemand. Folgerichtig überlegt sich der Verein, ob ein Trainingslager in Deutschland unter diesen reglementarischen Bedingungen überhaupt noch Sinn macht.

Ohnehin ist der FCB der einzige Super-Ligist, der sich in Deutschland vorbereitet. 2018 war der FC Zürich in Deutschland und hatte einen Test gegen den FC Vaduz geplant. Dieser musste nach Liechtenstein verlegt werden, wegen Paragraf 32. Inzwischen hält der FCZ sein Trainingslager im österreichischen Oberinntal ab, nicht nur wegen dieses Paragrafen.

In der Schweiz gibt es keinen Paragrafen 32. Wenn alle Anforderungen erfüllt sind, zum Beispiel an die Sicherheit, bewilligt der Schweizerische Fussballverband Spiele zwischen ausländischen Teams auf Schweizer Boden. Sofern sie zeitlich keine Partien mit Schweizer Beteiligung konkurrieren.

Die Basler haben übrigens vorerst eine Lösung gefunden. Nächste Woche testen sie möglicherweise gegen den Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg. Und am Sonntag spielt der FCB innerhalb des Kaders ganz einfach gegen sich selbst. Wenn der DFB das mal nur nicht als Spiel zwischen zwei ausländischen Mannschaften auslegt.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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