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Ein Verband im Tief

Die Schwächen des SFV in der Kommunikation sind offensichtlich.

«Wollen wir Doppelbürger?»: Nach dieser Frage von Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands, übt sich der SFV in Schadensbegrenzung. Foto: Samuel Schalch
«Wollen wir Doppelbürger?»: Nach dieser Frage von Alex Miescher, Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbands, übt sich der SFV in Schadensbegrenzung. Foto: Samuel Schalch

Das Communiqué des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) vom Samstagabend hat vermutlich Rekordlänge. Es ist 3100 Zeichen lang, nur ein paar weniger als diese Analyse. Das legt den Schluss nahe: Es muss etwas Ernsthaftes passiert sein im SFV. Es ist etwas passiert: Alex Miescher hatte am Freitag ein Interview gegeben, in dem er zentral die Frage stellte: «Wollen wir Doppelbürger?»

Jetzt macht der Verband, bei dem der frühere Militärpilot Miescher Generalsekretär ist, den Eindruck, als sei er über den eigenen Mut erschrocken; oder als sei er sich bewusst geworden, welchen Unsinn da der leitende Angestellte in die Welt hinausposaunt hat. Und darum stellt er die Verlautbarung auf seine Website und will den Eindruck vermitteln: alles nicht so gemeint.

Es wird nur noch schlimmer

Dabei hat er es genau so gemeint. Miescher trägt die Idee schon länger mit sich herum, die Mehrfachnationalität zu unterbinden. Schliesslich sagt er auch im Interview, auf das er selbst drängte: «Oder der Verband könnte sagen, dass die Türen in die Förderprogramme nur jenen Nachwuchsspielern offen stehen, die auf eine Doppelbürgerschaft verzichten.»

Der Verband übt sich in Schadensbegrenzung. Und erinnert ganz an Oliver Bierhoff. Der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft hat in der Aufarbeitung ihres Debakels in Russland Mesut Özil frontal angegriffen – um im gleichen Interview zu sagen, es würden jetzt nicht einzelne Spieler an den Pranger gestellt; und um Stunden später dann über die eigenen Aussagen so erschrocken zu sein, dass er sie rechtfertigen will. Bierhoff und der SFV haben eines gemeinsam: Ihr Versuch zur Korrektur macht alles nur noch schlimmer.

Im neunten von zehn Punkten des Verbandsschreibens steht: «Im Wesentlichen wünscht der SFV einen fairen und respektvollen Umgang mit seinen Nationalspielerinnen sowie Nationalspielern.» Er kann einmal bei Granit Xhaka nachfragen, wie er Mieschers Kommentare empfindet, wie fair und respektvoll. Xhaka ist einer der vielen Doppelbürger, die ihren Beitrag leisteten, dass die Schweiz überhaupt in Russland war und Miescher mit seinem Russisch glänzen konnte.

Viele Widersprüchlichkeiten

Irgendwie passt alles zusammen: diese Sache mit Miescher und die Kommunikation des Verbands an dieser WM. Dabei geht es nicht einmal um die latente Unpünktlichkeit bei ­Medienkonferenzen, mit dem Rekordwert von 52 Minuten Verspätung bei einem Termin mit Miescher und dem Teamdelegierten Sulser. Vielmehr geht es um die Widersprüchlichkeiten, die immer wieder hochkamen. Xhaka sollte vor dem Serbien-Spiel zur Presse reden. Kurzfristig wurde er auf Wunsch von Coach Vladimir Petkovic abgezogen. Es sei besser, er rede vor diesem Spiel nicht, hiess es. Dann tauchte die Version auf: Xhaka sei nervös gewesen, er habe selbst nicht reden wollen.

Vor der WM sagte Petkovic: «Wir sind mit dem Achtel­final nicht zufrieden.» Vor dem Spiel gegen Costa Rica: «Ich habe nie deutliche Ziele gesetzt.» Und vor Schweden wieder: «Das muss man 1000-mal betonen: Wir sind mit dem Achtelfinal nicht zufrieden.» So war das in diesen Wochen, die Petkovic mit der Fehlleistung garnierte, dass er am Tag nach dem Aus nicht mehr öffentlich reden wollte. So war das mit dem SFV, der übers ­Wochenende nicht aus seinem Tief gefunden hat.

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