Ein wichtiges und richtiges Signal

Sportchef Adrian Ruch zur Verurteilung eines Fussballfans wegen Petardenwürfen.

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Eine Genugtuung von 12'000 Franken für eine irreversible Schädigung des Gehörs ist lächerlich; es gibt gar nicht so wenige Leute in diesem Land, die im Monat mehr verdienen. Trotzdem ist es in Zusammenhang mit dem Urteil gegen den 24-jährigen Werfer von Knallpetarden verfehlt, das Modewort «Kuscheljustiz» zu benutzen, wie es viele Kommentarschreiber auf Online­portalen getan haben. Immerhin hat das Bundesstrafgericht endlich dafür gesorgt, dass ein sogenannter Fussballfan, der mit Pyrotechnik hantiert hat, eine Freiheitsstrafe verbüssen muss. Das ist ein wichtiges und richtiges Signal.

Der Unterschied zu einer bedingten Haftstrafe ist massiv, für den Betroffenen, aber auch in Bezug auf die Ausstrahlung. Der Täter verliert für anderthalb Jahre seine Freiheit und dadurch wahrscheinlich sogar seine Arbeitsstelle. Die abschreckende Wirkung dürfte also bedeutend höher sein als beim Urteil gegen den Zürich-Anhänger, der im Oktober 2011 eine Leuchtpetarde in den GC-Sektor geworfen hatte und lediglich eine bedingte Strafe kassierte.

Damit die Wirkung nicht verpufft, ist es jedoch unabdingbar, dass die angezogene Schraube auf juristischer Ebene nicht gelockert, sondern noch fester angezogen wird. Es sollten nicht nur unbedingte Freiheitsstrafen ausgesprochen werden, wenn Menschen aufgrund des Verhaltens von Personen im Umfeld von Sportveranstaltungen massiv zu Schaden kommen, sondern bereits wenn eine ­starke Gefährdung besteht.

Wenn Pyro­fackeln innerhalb einer Fangruppe geschwenkt werden, reichen saftige Bussen. Doch sind die Petarden, Knallkörper oder Rauchtöpfe geworfen oder ist körperliche Gewalt angewendet worden, müssen die Täter mit schmerzhaften Strafen zur Rechenschaft gezogen werden – mit Freiheitsentzug und hohen Genugtuungssummen.

Harte Strafen sind keine Allzweckmittel. Selbst in jenen rückständigen Ländern, welche nach wie vor die Todesstrafe verhängen, werden noch Morde begangen. Insofern werden ungeachtet der Massnahmen nicht alle gewaltbereiten Menschen aus den Arenen verschwinden. Aber es muss der Anspruch der Justiz und der Stadionverantwortlichen sein, das Problem so weit wie möglich einzudämmen – damit die vielen unbescholtenen Sportfans die Matchs ihres Lieblingsteams ohne Angst geniessen können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2017, 07:25 Uhr

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