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Eine Brille und härtere Waffen für die Liga

Der Totalschaden von Neuchâtel-Xamax ist Tatsache. Schuld sind Bulat Tschagajew, Ex-Präsident Sylvio Bernasconi und die blauäugige Swiss Football League.

Kaum beachtet: Ein kleines Grüppchen von Xamax-Fans protestiert am 11. Mai 2011 gegen den Verkauf des Klubs an Tschagajew.
Kaum beachtet: Ein kleines Grüppchen von Xamax-Fans protestiert am 11. Mai 2011 gegen den Verkauf des Klubs an Tschagajew.
Keystone
Verhängnisvoller Handschlag: Der bisherige Xamax-Präsident Sylvio Bernasconi (r.) übergibt am 12. Mai 2011 die Amtsgeschäfte an Tschagajews ersten Präsidenten Andrej Rudakow.
Verhängnisvoller Handschlag: Der bisherige Xamax-Präsident Sylvio Bernasconi (r.) übergibt am 12. Mai 2011 die Amtsgeschäfte an Tschagajews ersten Präsidenten Andrej Rudakow.
Keystone
Ganz unten: Tschagajew muss am 24. November in Genf vor Gericht antraben, nachdem die Büros von Xamax und seiner Firma durchsucht wurden.
Ganz unten: Tschagajew muss am 24. November in Genf vor Gericht antraben, nachdem die Büros von Xamax und seiner Firma durchsucht wurden.
Keystone
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Nun ist es also Gewissheit: Neuchâtel-Xamax verliert seine Lizenz. Obwohl die Super League ihren Betrieb Anfang Februar deshalb mit einer Mannschaft weniger aufnehmen muss, hat die Swiss Football League (SFL) das einzig Richtige getan. Die Spieler, die im Trainingslager in Dubai noch immer auf die Überweisung der Novemberlöhne warten, können so wenigstens ohne vertragliche Hindernisse bei einem neuen Verein unterkommen. Zurück bleiben die bitter enttäuschten Fans, ein schmuckes Stadion, das keiner mehr braucht, und die Ruinen des Lebenswerks von Monsieur Xamax, Gilbert Facchinetti.

Wer aber sind die Hauptschuldigen an der Misere auf der Maladière? Zum einen natürlich Bulat Tschagajew selbst, der von märchenhaften Reichtümern aus 1001 Nacht spricht und gefälschte Bankgarantien aus dem Ärmel schüttelt, am Ende aber doch nicht zahlen kann oder will. Zum anderen der frühere Xamax-Besitzer Sylvio Bernasconi, der den Klub ausgerechnet an Tschagajew verhökerte. An einen Mann, der sich damals noch mit der Freundschaft des tschetschenischen Gewaltherrschers Ramsan Kadyrow schmückte, was nicht unbedingt Vertrauen erweckt. An einen Mann, dessen Motivation für den Einstieg bei Xamax mindestens so nebulös war wie seine finanziellen Verhältnisse.

Der einzige positive Punkt an der Verbannung von Xamax ist die Tatsache, dass der absurde und von der Fifa erpresste 36-Punkte-Abzug gegen den FC Sion nun nicht mehr zum direkten Abstieg der Walliser führen kann. Zyniker könnten noch fordern, das Stade de la Maladière wie ein Weihnachtsguetsli aus dem Boden auszustechen und nach Zürich zu befördern, um dem FCZ und GC endlich eine taugliche Fussballarena zu bescheren.

Will die Swiss Football League ihr arg ramponiertes Ansehen wieder einigermassen aufpolieren, muss sie bei Klubverkäufen in Zukunft weit wachsamer sein und die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie im Zweifelsfall ihr Veto einlegen kann. Die Juristen der Fussballweisen zu Muri bei Bern sind nach den peinlichen Geschehnissen im bisherigen Saisonverlauf ja bestens trainiert. Dass ein Präsident der Swiss Football League wie der inzwischen zurückgetretene Thomas Grimm öffentlich sagt, er habe keine Ahnung, ob Tschagajew den Betrieb von Xamax finanzieren könne, sein Konzept habe aber verlockend ausgesehen, darf nicht wieder vorkommen. Die Swiss Football League braucht eine Brille und härtere Waffen.

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