Eine Wahl der Vernunft

Das Ende ist kurz und schmerzlos, als die Mitgliedsverbände der Fifa ihre Stimmen abgegeben haben: 134 für United 2026 und 65 für Marokko.

Fifa-Präsident Gianni Infantino (r.) posiert mit Funktionären der Verbände Mexikos, Kanadas und der USA nach der Bekanntgabe des WM-Gastgebers 2026.

Fifa-Präsident Gianni Infantino (r.) posiert mit Funktionären der Verbände Mexikos, Kanadas und der USA nach der Bekanntgabe des WM-Gastgebers 2026. Bild: Getty Images/ Mike Hewitt

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15 Sekunden haben sie Bedenkzeit gehabt, um sich zu entscheiden: für die USA/Mexiko/Kanada oder das nordafrikanische Land. Was sie entscheiden, ist so deutlich wie vernünftig. Die richtige Kandidatur hat sich durchgesetzt, die Kandidatur mit der treibenden Kraft der Amerikaner und mit zwei Nachbarländern, die ihnen helfen, da ihr Image zu verbessern.

United 26 hat alles schon, was es für eine WM braucht, zumal eine mit erstmals 48 Teilnehmern, es hat die Stadien (mit einer durchschnittlichen Kapazität von 68'000 Plätzen), die Trainingseinrichtungen, die Hotels, die Verkehrsinfrastruktur. Natürlich wird dieser Anlass ein Ungetüm sein, in einem Gebiet, das mit knapp 22 Millionen Quadratkilometern noch grösser ist als Russland. Die Distanzen werden gross sein. Aber wenn jemand mit den Ansprüchen fertig wird, die damit verbunden sind, dann sind es vor allem die sportbegeisterten Nordamerikaner.

Nun haben die USA, worauf sie seit dem 2. Dezember 2010 gewartet haben. Damals waren sie chancenlos gegen Katar und seine Hinterzimmer-Absprachen mit dem damaligen Exekutivkomitee. In Moskau waren nicht mehr nur 22 Funktionäre stimmberechtigt, es war der gesamte Kongress. Und nur fünf Minuten nach der Verkündigung des Ergebnisses gab die Fifa bekannt, welches Land wie gestimmt hat, die Schweiz übrigens für die USA. Das ist die Art Transparenz, die dem Weltverband nur gut anstehen kann.

Die Marokkaner sind zum fünften Mal bei einer WM-Vergabe unterlegen. Das mag sie grämen, aber realistisch betrachtet, ist es besser für sie. Die Niederlage bewahrt sie davor, sich in ein Abenteuer zu stürzen, dessen Kosten unabsehbar gewesen wären. 15 Milliarden Dollar hatten sie dafür geplant, aber wofür? Auch für Stadien, die ihr Land nach einer WM niemals mehr gebraucht hätte. Und das Nein des Fifa-Kongresses hindert sie nicht daran, in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Das Leben mit weissen Elefanten kann teuer sein, das wissen Japaner, Koreaner oder Südafrikaner. Vielleicht kommen sie in einem ruhigen Moment auch zu dieser Erkenntnis.

Das Verhalten von Fifa-Präsident Gianni Infantino während des Bewerbungsprozesses war unhaltbar, weil er die Afrikaner am liebsten nicht zur Wahl zugelassen hätte. Er desavouierte sie so ohne jede Berechtigung. Nun hat er ganz legal das erhalten, was er sich gewünscht hat. United 26 verspricht ihm das Geld, das er dringend braucht, um die Kassen der Fifa zu füllen und den Verpflichtungen nachzukommen, an denen er seit seiner Wahl am 26. Februar 2016 gemessen wird. Damals versprach er, dass künftig jeder Verband in einem Zyklus von vier Jahren 5 statt 2 Millionen Dollar erhält.

Die USA und ihre Partner werfen in ihrer Kandidatur mit grossen Zahlen um sich: 14 Milliarden Dollar Einnahmen und 11 Milliarden Gewinn, wovon 5 Milliarden vom Fernsehen, 3,6 vom Marketing und 2,5 von den Ticketverkäufen kommen sollen. Das sind nette Beträge, aber die Frage bleibt, ob sie auch Realität werden. Denn im Endeffekt sind es immer die Gleichen, die TV-Anstalten und Werbepartner, die für den Hauptteil aufkommen müssen. Und deren Mittel sind nicht unbegrenzt.

Zu klären ist auch, in welchem Format diese aufgeblasene WM ausgetragen wird. Im Zentrum steht eine Variante mit 16 Dreiergruppen, der grosse Nachteil dabei ist, dass es zwischen zwei Teams im letzten Gruppenspiel wortlos Absprachen geben kann, wenn sie wissen, welches Resultat sie für ein Weiterkommen benötigen. Die «Schande von Gijon» aus dem Jahr 1982 ist unvergessen, als sich Deutschland und Österreich auf ein 1:0 verständigten, das Algerien aus dem Turnier warf.

Dem wendigen Infantino fällt dafür vielleicht noch eine Lösung ein. Er hat jedenfalls schon angekündigt, sich am 5. Juni 2019 in Paris zur Wiederwahl zu stellen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.06.2018, 14:46 Uhr

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