England: Schwung und Erschöpfung aus dem Europacup

Die Engländer könnten ein herausragendes Clubfussball-Jahr mit einem Sieg in der Nations League krönen. Doch auch Halbfinalgegner Holland zehrt vom englischen Erfolg.

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Die Schweiz verpasste am Mittwoch mit dem 1:3 gegen Portugal die Chance auf eine Premiere. England wiederum bietet sich heute immerhin die Möglichkeit, eine lange Durststrecke zu beenden. Es sind noch nicht alle so richtig warm geworden mit der Nations League, auch vor dem zweiten Halbfinal am Donnerstagabend in Guimarães zwischen Holland und England (ab 20.45 Uhr im Ticker).

Doch Titel ist Titel, die Auszeichnung ist offiziell, und seit der Weltmeisterschaft 1966 im eigenen Land hat England keinen solchen mehr gewonnen. Nebst der noch titellosen Schweiz warten sie damit am längsten von allen Final-Four-Teams darauf – Holland wurde 1988 Europameister, Portugal ist amtierender Europameister.

Es sind ja gerade durchaus Wochen, die Vertreter des englischen Fussballs mit Stolz zu erfüllen mögen. Die zwei wichtigen europäischen Clubfussball-Titel sind in englischer Hand, das war sogar vor den Endspielen klar. Bei Europa-League-Sieger Chelsea sorgt aktuell der sich anbahnende Wechsel von Eden Hazard zu Real Madrid für Aufsehen, die Ablösesumme dürfte deutlich mehr als 100 Millionen Franken betragen. Und bei Liverpool dürfte nur eine halbe Woche nach dem Triumph im Champions-League-Final von Madrid der Feier-Kater noch immer nicht ganz verflogen sein.

Wie frisch sind die Engländer?

Wie frisch ist da die Nationalmannschaft? Trainer Gareth Southgate könnte einige Rotationen vornehmen. Sieben Nationalspieler waren am Samstag noch mit Liverpool oder Tottenham in Madrid im Einsatz, sie alle könnten zunächst eine Pause erhalten. Allen voran Teamcaptain Harry Kane, der im Final am Samstag überhaupt zum ersten Mal nach seiner Bänderverletzung im April spielte.

«So ein Endspiel in der Champions League ist eine nicht zu unterschätzende mentale Belastung», sagte Southgate an der Pressekonferenz am Mittwoch schon mal in weiser Voraussicht, «egal ob du jetzt gewonnen oder verloren hast.» Kane landet auf der Bank, die Captainbinde übernimmt Raheem Sterling von Manchester City, so wird in den englischen Medien vor dem Anpfiff heute Abend spekuliert.

Mit Holland wartet auf die Engländer ein Nationalteam, das aus der eben beendeten Europacup-Saison ebenso frischen Wind bezieht. Ajax Amsterdam war die angenehme Überraschung in der Champions Leauge – und Matthijs de Ligt ihr Aushängeschild. Der 19-Jährige war der Kopf einer beeindruckenden Talentschaft, welche sich möglicherweise bereits diesen Sommer über halb Europa verstreut – obwohl de Ligt selber nach den jüngsten Gerüchten über einen Transfer zu Barcelona oder Manchester United wieder meinte, ein Verbleib bei Ajax sei ebenso vorstellbar.

Die Holländer stellen am Mini-Turnier Nations League auf jeden Fall die beste Innenverteidigung: Neben de Ligt verteidigt Virgil van Dijk, Champions-League-Sieger, bester Spieler der Premier League und aktuell wohl bester Verteidiger in Europa überhaupt.

Der Sieger trifft am Sonntagabend im Final in Porto auf Portugal, der Verlierer spielt am Sonntagnachmittag in Guimarães gegen die Schweiz um Platz 3. Egal, wie das Spiel ausgeht: Engländer werden auch am Sonntag noch viele dabei sein. 18’000 englische Fans sollen es gemäss dem Fussballverband FA für die beiden Partien sein.

Ausschreitungen in Porto

Mit der portugiesischen Polizei, die für die Nations League in Porto und Guimarães insgesamt fast 10’000 Einsatzkräfte abstellte, kam es am Mittwochabend bereits zu Auseinandersetzungen. Nach Strassenschlachten im Zentrum gab es diverse Festnahmen.

Auch wenn der Titel nicht so viel zähle wie eine WM oder EM: Man wolle wieder «into the habit of winning things» kommen, das Gewinnen zur Gewohnheit werden lassen, sagte Englands Trainer Southgate am Mittwoch noch. Gewöhnen müssen sich noch immer alle an die neue Nations League.

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