Gut für den FC Thun, gut für die Liga

Dominic Wuillemin, Sportredaktor, zum Ligaverbleib des FC Thun.

Die Saison, die Thun so viele Nerven gekostet hat wie keine seit dem Aufstieg 2010, endet versöhnlich. Es passt, schafften die Oberländer den Klassenerhalt am Mittwoch nicht im ersten Versuch aus eigener Kraft, sondern profitierten sie am Donnerstag von der Niederlage Lausannes in Lugano.

Das soll ihr Erreichtes nicht schmälern: Den Ligaverbleib vorzeitig gesichert zu haben, obwohl man vor knapp zwei Monaten am Tabellenende lag, ist rühmlich. Zumal sich die Liga so ausgeglichen präsentiert wie lange nicht. Lausanne ist kein Schlusslicht, wie es letzte Saison Vaduz gewesen war. Die Romands richteten im Winter mit der grossen Kelle an.

Wie Thun die Herausforderung gemeistert hat, verdient ein Sonderlob. Denn als der FCT Mitte März in Sitten 2:7 verlor und auf den letzten Platz abrutschte, hätten neun von zehn Clubs in derselben Lage den Trainer gewechselt.

Doch Thun ist kein gewöhnlicher Verein, er rückte noch enger zusammen und stärkte Trainer Marc Schneider den Rücken. Dieser traf die richtigen Entscheidungen, liess defensiver agieren und brachte so sein Team auf Kurs. Er hat im ersten Jahr als Chef bewiesen, über das nötige Rüstzeug für die Super League zu verfügen.

Dennoch sollte diese Saison für Thun eine Warnung sein. Weil sich andere Geschäftsfelder nicht recht entwickelten, musste der Club im Sport die Schraube noch einmal anziehen.

Er ging das Risiko ein, im Winter den besten Torschützen Simone Rapp an einen Konkurrenten zu verkaufen. Der Transfer zahlte sich für die Thuner aus, sie strichen eine Million Franken ein, derweil steht Lausanne mit Rapp vor dem Abstieg.

Doch es hätte nicht viel gebraucht, und es wäre anders gekommen, einen verwandelten Penalty von Lausannes Kololli im Direktduell vielleicht. Das Eis, auf dem sich Thun bewegt, wird unter diesen Umständen dünn bleiben.

Dass Thun in der Super League bleibt, ist gut für den Schweizer Fussball. Der FCT ist ein Vorzeigeclub. Weil er sich nicht von den gängigen Mechanismen in der Branche leiten lässt. Nebst Thun haben nur die Spitzenteams YB und Basel den Trainer in dieser Saison nicht gewechselt.

In Zeiten, in denen Clubs im Halbjahresrhythmus Strategien ändern, halbe Teams austauschen, Trainer, Präsidenten und Sportchefs entlassen und anheuern, ist es schön, wird bodenständiges und unaufgeregtes Schaffen belohnt.

dominic.wuillemin@tamedia.ch

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