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FC Thun: Lost in Translation

Der FC Thun pendelt zwischen den Welten: Nach dem 1:2 bei Spartak gastieren die Oberländer am Sonntag (15 Uhr) bei Bernex-Confignon.

Dominic Wuillemin
Guillaume Faivre.
Guillaume Faivre.
Getty Images

Als die Thuner in der Donnerstagnacht die Otkrytije-Arena in Moskau verliessen, stand für sie der Bezug eines neuen Hotels an. Nicht, dass sie unzufrieden gewesen wären mit ihrer Unterkunft. Nein, es waren logistische Gründe, die für den Standortwechsel Ausschlag gaben.

Ihr Flug LX 1325 mit der Swiss ist am Freitagmorgen auf 9.05 Uhr angesetzt, vom Flughafen Domodedovo aus, einem der zwei grossen Moskauer Airports. Dieser liegt 40 Kilometer ausserhalb des Zentrums.

Wird die Verkehrslage addiert, kann die Fahrt rasch einmal zwei Stunden dauern. Heisst: Die Oberländer hätten derart früh aufstehen müssen, dass sie – wenn überhaupt – nur sehr kurz zum Schlafen gekommen wären. Deshalb entschieden sie sich, in einem Flughafenhotel zu logieren.

Dem einen oder anderen wird es auch so schwergefallen sein, zur Ruhe zu kommen. Stürmer Simone Rapp etwa, der zweimal allein vor Torhüter Aleksandr Maksimenko scheiterte. Sein Trainer Marc Schneider sagte dazu: «Uns war klar gewesen, fürs Weiterkommen brauchen wir Glück und eine grausame Effizienz.»

Ersteres hatte Thun beim frühen Lattenschuss von André Schürrle gehabt, Letzteres hatte Rapp vermissen lassen. «Mindestens eine dieser Chance hätten wir nutzen müssen, hätte uns die Sensation gelingen wollen», sagte Schneider.

Faivre macht ratlos

Wohl noch weniger als Rapp wird Guillaume Faivre geschlafen haben. Der Goalie ist zu Beginn dieser Saison die Schwachstelle im Oberländer Konstrukt, sein Malheur beim Ausgleich zum 1:1 (52. Minute), als er einen harmlosen Schuss Schürrles nicht hatte festhalten können, war sein dritter folgenschwerer Fehler im sechsten Spiel. «Wir lenken das Spiel selbst in die falschen Bahnen, das macht es so enttäuschend», sagte Schneider.

Als es darum ging, den Patzer Faivres zu erklären, wirkte der Trainer das einzige Mal an diesem Abend ratlos. «Es gibt keine Erklärung für so etwas. Ausser, dass Menschen Fehler machen. Wir müssen damit umgehen.»

Wie Schneider dies zu tun gedenkt, wird spannend zu verfolgen sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass Faivre seinen Stammplatz verlieren würde. Mit An­dreas Hirzel scheint ein valabler Nachfolger bereitzustehen.

Eine schlüssige Antwort auf die Goaliehierarchie wird dieses Wochenende jedoch kaum bringen: Die Thuner gastieren am Sonntag (15 Uhr) in der ersten Runde des Cups beim FC Bernex-Confignon aus der 2. Liga interregional. Solche Partien werden oft dazu genutzt, Kräfte zu schonen. Zumal hinter Thun ein strenges Programm liegt. Körperlich wie mental.

Achtung, Verletzungsgefahr

Das Spiel im Vorort Genfs wird das fünfte innert fünfzehn Tagen sein. Dazu kommt, dass Schneiders Auswahl seit Saisonstart durch etliche Ausfälle dezimiert ist, der Trainer nicht rotieren kann, wie er das gern möchte.

Die Zugänge Nias Hefti und Miguel Castroman beispielsweise, zwei der überzeugendsten Thuner in diesen Wochen, kamen in jedem Spiel von Beginn an zum Einsatz. Es ist nicht das Belastungsmanagement, das der Club für sie vorgesehen hatte. Die Offensivkräfte sind aus der Challenge League einen anderen Rhythmus gewohnt, die Verletzungsgefahr dementsprechend höher.

Entscheidender als die müden Beine könnte am Sonntag aber die Frische im Kopf sein. Von der russischen Millionenmetropole und der Otkrytije-Arena, in der vor rund 33'000 Zuschauern eine Ambiance herrschte, die kaum ein Thuner schon erlebt hatte, in die Niederungen des Amateurfussballs: Die Umstellung dürfte schwer werden. Wobei Trainer Schneider das anders sieht. Er sagt: «Solche Spiele wie am Sonntag sind eher unsere Welt. Ich erwarte eine tadellose Einstellung.»

So könnte Thun spielen: Hirzel; Kablan, Gelmi, Rodrigues, Joss; Vasic, Fatkic, Stillhart, Salanovic; Munsy (Rapp), Hunziker. – Thun ohne Hediger, Bigler, Ziswiler, Karlen, (verletzt), Righetti (krank). – Fraglich: Munsy, Chihadeh, Tosetti.

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